„Geschichte zerfällt in Bilder, nicht in Geschichten“,
schrieb der jüdische Philosoph
Walter Benjamin. In der Tat: Wenn wir Vergangenes
erinnern, sind es häufig zunächst
Fotografien oder fotografierte Einzelmotive,
die vor unserem inneren Auge aufscheinen.
Die Geschichten entwickeln sich meist aus
den Bildern heraus, selten umgekehrt. Diese
Feststellung trifft nicht nur auf die individuelle
Erinnerung zu. Auch im kollektiven Gedächtnis
unseres Landes sind unverwechselbare
Bildmotive verankert, mit denen sich zeithistorische
Ereignisse – zum Teil untrennbar –
verbinden.
15. August 1961: Zwei Tage nach dem Beginn
des Mauerbaus springt der 19-jährige DDR-Bereitschaftspolizist
Conrad Schumann an
der Bernauer Straße in Berlin über den provisorisch
ausgerollten Stacheldraht in den Westen.
Der Fotograf Peter Leibing fängt diese
Flucht in die Freiheit genau im Augenblick des
Sprungs ein und fixiert mit seiner Kamera den
Sekundenbruchteil des „Dazwischen“, den Moment
des Übertritts von der Diktatur in die
Demokratie. Dieses Bild machte Geschichte:
In der Bundesrepublik Deutschland galt diese
Aufnahme als Symbol des unbedingten Freiheitswillens
und zählt bis heute zu den wirkungsvollsten
politischen Bildikonen unserer
Nation.
Pünktlich zum Jubiläumsjahr der Bundesrepublik
Deutschland öffnete die Stiftung Haus
der Geschichte am 16. April 2009 die Türen
des Kanzlerbungalows in Bonn. Bei der Eröffnungsfeier
erwies sich das Wohn- und Empfangsgebäude
der Bundeskanzler – ganz im
Sinne seines Bauherrn Ludwig Erhard – als ein
weltoffenes, demokratisches Haus für Begegnung
und Austausch. Auf diese Weise spiegelt
es das politische Selbstverständnis der jungen
Bundesrepublik in den 1960er Jahren wider.
Auch 46 Jahre später präsentiert sich der
Kanzlerbungalow offen und transparent: Der
Chef des Bundeskanzleramtes, Bundesminister
Thomas de Maizière, eröffnete den Kanzlerbungalow
und zeigte sich von dem Gebäude
beeindruckt. Die unmittelbare Nähe zur Villa
Hammerschmidt, dem Palais Schaumburg
und dem ehemaligen Kanzleramt habe die
politische Transparenz gefördert: „Dass der
Kanzlerbungalow in den an den Rhein grenzenden
Park eingebettet ist und sich inmitten des Gebäudeensembles zwischen Adenauerallee
und Rhein befindet, prägte seine Planung
und Nutzung entscheidend.“
Während der Leipziger Buchmesse 2009
besuchten mehr als 1.400 Literaturliebhaber
an drei Tagen Lesungen, Vorträge und
Podiumsdiskussionen im Zeitgeschichtlichen
Forum. „Leipzig liest“ hieß das Lesefest der
Buchmesse, das zahlreiche Neuerscheinungen
des Buchmarktes präsentierte. Die Themenvielfalt
reichte von der Geschichte der
Bundesrepublik Deutschland und der DDR
über Politiker- und Sportlerbiografien bis hin
zu persönlichen Erinnerungen an historische
Ereignisse.