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Infothek Leipzig

„Kategorie C“ – so bezeichnet die Polizeisprache gewaltsuchende Fußballfans, die als „Hooligans“ oder „Ultras“ bekannt sind. Ihre Motive und ihre Verhaltensregeln beleuchtet die Filmemacherin Franziska Tenner im gleichnamigen Dokumentarfilm, der am 1. Dezember 2009 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig gezeigt wurde. Am Beispiel traditionell verfeindeter Fangruppen in Leipzig geht die Autorin und Regisseurin der Frage nach, was es bedeutet, Fußball-Fan der „Kategorie C“ zu sein. Der Film wurde im Rahmen des Begleitprogramms zur Wechselausstellung „Wir gegen uns. Sport im geteilten Deutschland“ präsentiert. Im Anschluss diskutierte Franziska Tenner mit den Besuchern und der Leipziger Referentin für Extremismus- und Gewaltprävention Berit Lahm über den Zusammenhang zwischen gewaltbereiten Fußballfans und Rechtsextremismus. Tenners These: Jugendliche begeistern sich zuerst für die Gewaltbereitschaft der Gruppe und erst danach für die rechts- oder inzwischen auch linksextremen politischen Ansichten.

„Mit etwas mehr Anpassung hätte Wolfgang Lötzsch seinen Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen und der Tour de France verwirklichen können“, erinnert sich der ehemalige Stasi-Leiter der Abteilung für Kultur, Kirche, Untergrund und Sport Heinz Engelhardt im Dokumentarfilm „Sportsfreund Lötzsch“. Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig zeigte den Film am 8. Dezember 2009 im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung „Wir gegen uns. Sport im geteilten Deutschland“. In einem anschließenden Gespräch war der Protagonist Wolfgang Lötzsch zu Gast, der Anfang der 1970er Jahre als größtes Radsporttalent der DDR galt. Der damals 19-jährige Chemnitzer träumte von einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Lötzsch hatte sich jedoch mehrfach geweigert, der SED beizutreten und geriet ins Visier der Staatssicherheit. Trotz seiner außergewöhnlichen Begabung wurde Lötzsch aus der Nationalmannschaft und vom Sportfördersystem der DDR ausgeschlossen. 1976 verbrachte er wegen „Staatsverleumdung“ zehn Monate im Gefängnis. Im Podiumsgespräch mit dem Sportchef der Leipziger Volkszeitung Winfried Wächter berichtete Lötzsch von seinen Trainingseinheiten in der Gefängniszelle. Täglich absolvierte er 5.000 Kniebeugen und 500 Liegestützen. „Ich habe immer nur für meinen Sport gelebt; Politik hat mich damals einfach nicht interessiert“, erklärte der Sportler. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis fuhr Wolfgang Lötzsch für eine Betriebssportgemeinschaft viele Siege ein und deklassierte die staatlich geförderte Sportelite. An internationalen Wettkämpfen nahm er nie teil.

Die Initiative „Tag der Friedlichen Revolution – Leipzig 9. Oktober 1989“ ist der diesjährige Gewinner des „Leipziger Tourismus- preises 2009”. Die Auszeichnung wurde am 25. November 2009 durch Volker Bremer, Geschäftsführer Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM), bekannt gegeben und an Prof. Dr. Rainer Eckert, Sprecher der Initiative und Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, überreicht. „Wir konnten die Erinnerung an den 9. Oktober 1989, den Tag der Entscheidung, neu beleben und ihn in diesem Jahr unter anderem durch ein Lichtfest mit 150.000 Besuchern auf dem Leipziger Ring feiern. Damit haben wir gezeigt, wie eine Demokratie würdig mit ihrer Geschichte umgehen kann, und die Aufmerksamkeit vieler Menschen auf Leipzig gelenkt“, erklärte Eckert. Vertreter verschiedener Leipziger Institutionen, unter anderem des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen und des Stadtgeschichtlichen Museums, engagieren sich in der Initiative, die mit dem Tourismuspreis 2009 ausgezeichnet wurde.

Zur Schaffung eines „neuen Menschentyps“ in der DDR nutzte das SED-Regime ein breites Netz von Jugendhilfe und Heim- erziehungseinrichtun- gen. Jugendlichen, die politisch oder sozial „auffällig“ geworden waren, stand der Weg durch verschiedene Disziplinierungseinrichtungen bis in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau bevor. Hier wurden sie bis zu sechs Monate unter unmenschlichen Bedingungen interniert. Dem Thema „Jugendwerkhöfe in der DDR“ widmeten sich am 21. Januar 2010 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zwei Veranstaltungen. Im Rahmen eines Schülerprojekttags diskutierten Jugendliche nach der Vorführung des Films „Schlimmer als Knast“ und einer Lesung aus dem Jugendbuch „Weggesperrt“ mit der Autorin Grit Poppe und dem Zeitzeugen Stefan Lauter. Nach einer zusätzlichen öffentlichen Lesung am Abend – moderiert von einem Mitarbeiter der heutigen Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof – beantwortete Lauter vor allem Fragen zur Entschädigung ehemals Internierter.