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(Fast) alles neu
(Fast) alles neu
Im Haus der Geschichte in Bonn haben die Umbaumaßnahmen für die Neugestaltung der Dauerausstellung begonnen. Das „museumsmagazin“ sprach mit Prof. Dr. Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung, über Zielsetzungen, Hintergründe und das Zusatzprogramm für Besucher.
mm Wie wird sich die Dauerausstellung verändern?
Hütter Ziel ist, die deutsche Zeitgeschichte konzentrierter, internationaler und zugleich mit individuellen Perspektiven auf die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu präsentieren. Dabei gestalten wir rund die Hälfte der Ausstellungsfläche neu, bewegen über 3.000 Exponate. So wird die Darstellung auch künftig aktuell und lebendig bleiben.
mm Welche Hintergründe hat der Umbau?
Hütter Die Stiftung überarbeitet und aktualisiert ihre Dauerausstellungen in Bonn und Leipzig in regelmäßigen Abständen von etwa sieben bis zehn Jahren. So bleiben wir „am Puls der Zeit“, können aktuelle Forschungs¬ergebnisse ebenso berücksichtigen wie wichtige museumsdidaktische Entwicklungen und neue Exponate. Unsere Besucher erwartet auf diese Weise eine ansprechende, zeitgemäße und wissenschaftlich fundierte Präsentation der Zeitgeschichte. Grundlage all dieser Maßnahmen sind kontinuierliche Besucherbefragungen. Sie liefern uns unter anderem wichtige Erkenntnisse über Erwartungen, Rezeptionsverhalten und Sehgewohnheiten.
mm Was bedeutet der Umbau für die Besucher?
Hütter Zunächst: Das Museum bleibt während des gesamten Umbaus geöffnet. Auch unsere Wechselausstellungen – in dieser Zeit insbesondere „Spaß beiseite. Humor und Politik in Deutschland“ – bieten wir in gewohnter Form an. Während der Baumaßnahmen in der Dauerausstellung, vor allem in der „heißen Phase“ zwischen Januar und Mai 2011, können die Besucher das Museum zudem auf neue Weise entdecken – oftmals mit ungewöhnlichen, auch überraschenden Einblicken in die Zeitgeschichte.
mm Was heißt das konkret?
Hütter Um nur einige Beispiele zu nennen: Die Karikaturengalerie wird in diesem Zeitraum ganztägig geöffnet sein und zu einem Rundgang durch die Zeitgeschichte im Spiegel der Karikatur einladen. Im Informationszentrum veranschaulicht die neue Präsentation „Objekte erzählen Geschichte(n)“ historisch bedeutsame und oft emotionale Begebenheiten der jüngeren Vergangenheit. Besonders spannend ist der Blick hinter die Kulissen: Begleitungen durch ausgewählte Sammlungsdepots im Haus gehen der Museumstätigkeit im wahrsten Sinne „auf den Grund“. Hinzu kommen vielfältige museumspädagogische Programme. Mit diesen zeitlich begrenzten Angeboten fangen wir die unvermeidbaren Einschränkungen beim Besuch der Dauerausstellung zumindest teilweise auf.
mm Was sind die Schwerpunkte der Neugestaltung?
Hütter Insbesondere die 1950er und 1960er Jahre sowie die Zeit seit dem Fall der Mauer stehen im Fokus. Ein wichtiges Ziel ist, die internationale Perspektive zu stärken – vor allem mit Blick auf den Kalten Krieg. Die Zeit seit 1989/90 präsentieren wir komplett neu. Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind zu berücksichtigen, zeithistorische Ereignisse müssen im Rückblick neu gewichtet werden. Dies betrifft beispielsweise die Einflüsse der Globalisierung auf die Arbeitswelt und den Alltag der Deutschen, aber auch das militärische Engagement der Bundeswehr im Ausland sowie die Lebensverhältnisse von Migranten in Deutschland. Kurzum: Die Ausstellung wird sich stärker auf zentrale Bilder und Großeindrücke konzentrieren – ohne notwendige Vertiefungen zu vernachlässigen. Zudem begleitet den Besucher auf seinem Weg durch die Ausstellung ein weiterer „roter Faden“: Medienterminals mit biografischen Interviews, die unterschiedliche Perspektiven auf Einzelthemen erschließen.
mm Wie ist der gegenwärtige Stand der Umbaumaßnahmen?
Hütter Seit dem 4. Oktober 2010 haben wir den Bereich zu den Jahren seit 1989/90 geschlossen und hier mit dem Umbau begonnen. Begleitungen durch die Ausstellung werden weiterhin für den Zeitraum von 1945 bis 1974 angeboten. Wenn im neuen Jahr auf etwa der Hälfte der Fläche intensiv gebaut wird, laden unsere Zusatzangebote ein, neue Wege in die Vergangenheit zu beschreiten.

Oktober 2010: Der Umbau beginnt.

Der VW-„Bulli“ – ein Symbol der Hippie-Bewegung in den 1960er/1970er Jahren. Mit dem VW-Bus T1 reisten die „Blumenkinder“ bis ins indische Goa.

Lebensgefahr: In Afghanistan geraten Bundeswehrsoldaten unter Beschuss.

Ehrung nach stalinistischem Vorbild: Der Wandteppich war ein Geschenk für den einzigen Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck. Anlass ist der 10. Jahrestag der DDR-Gründung.

Traditionslinien: Modell der Frankfurter Paulskirche, in der 1848/49 das erste frei gewählte Parlament in der deutschen Geschichte tagte.