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„Ich habe versucht, meinen Beitrag zu leisten, aber mit Heldentum hat das nichts zu tun“, erinnert sich der ehemalige Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber an die ereignisreichen Monate zwischen Herbst 1989 und Wiedervereinigung 1990. Weißgerbers Geschichte ist Teil des Buches „Helden der Deutschen Einheit“, das der Autor Thomas Mayer am 23. September 2010 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig präsentierte.
Darin stellt er exemplarisch 20 Menschen vor, die in Sachsen während der friedlichen Revolution eine bedeutende Rolle gespielt haben. Unter der Leitung von Michael Beleites (l.), dem Sächsischen Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen, kamen Thomas Mayer, Gunter Weißgerber sowie der ebenfalls im Buch porträtierte Falk Elstermann (r.) ins Gespräch. Gemeinsam mit dem ehemaligen Plauener Kulturamtsleiter Dietrich Kelterer diskutierten die Podiumsgäste die Ereignisse von 1989/90, ihre persönlichen Erfahrungen und die Schwierigkeit der Verwendung von Begriffen wie „Held“ und „Heldentum“. Die meisten der im Buch Porträtierten verstehen sich nicht als Helden, doch Kelterer bemerkte: „Ich finde es nicht schlecht, den Mut zu haben, zu sagen: Das sind die Helden.“ Jedoch sei es unmöglich, alle Helden von damals in einem einzigen Buch unterzubringen.

Was ist jüdischer Humor? Darf man über Judenwitze lachen? Wo fängt Antisemitismus an? Wer diese Fragen für sich noch nicht abschließend beantwortet hatte, dem half Oliver Polak am 16. September im Zeitgeschichtlichen Forum auf die Sprünge. Mit bissigem Humor, Charme und Chuzpe wagte sich der gebürtige Papenburger in seiner „Jud-Süß-Sauer-Show“ an die empfindlichsten Stellen im deutsch-jüdischen Verhältnis. Oft schamlos, frech und bitterböse jonglierte er mit fest verankerten Klischees, brach Tabus und amüsierte sich über die Ressentiments seines mehrheitlich nicht-jüdischen Publikums. Provokation schrieb er dabei groß, denn das Spiel mit der „political correctness“ zeichnet seinen Humor aus. Die Entscheidung darüber, auf welcher Höhe die Gürtellinie liegt, unter die seine offenen und verdeckten Anspielungen zielen, überlässt der aus einer jüdischen Familie stammende Stand-Up-Comedian dabei gern dem Publikum.

„Wir führen hier eine kleine Luxusdebatte. Was wir heute bemängeln, ist doch noch immer besser als das, was in der DDR normal war“, konstatierte der Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“ Bernd Hilder bei der hitzig-kontrovers geführten Podiumsdiskussion zum Thema „Meinungsfreiheit zwischen Tabubruch und politischer Korrektheit“. Mit ihm diskutierten kurz vor dem 20. Jahrestag der Deutschen Einheit der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Norbert Bolz, der Journalist und Buchautor Henryk M. Broder sowie die Autorin des Buches „Das rote Kloster“ Brigitte Klump unter Leitung von Deutschlandfunk-Korrespondentin Alexandra Gerlach im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig. Henryk M. Broder stellt in der Gesellschaft einen Hang zum Konformismus fest und sieht eine Tendenz zur Harmonisierung von Konflikten. Norbert Bolz sprach von „Verlautbarungsjournalismus“, „Denk- und Sprechverboten“ und meinte, bei den Medien „Unselbstständigkeit und Unfreiheit gegenüber dem politischen System“ feststellen zu können. In einem Punkt sind sich jedoch alle Podiumsgäste einig: Meinungsfreiheit müsse auch in einer Demokratie immer wieder von neuem erkämpft und verteidigt werden.

„Kabarett ist ein Virus, den Sie sich einfangen!“ Eindringlich beschwor der Berliner Kabaretthistoriker Volker Kühn (r.) am 15. Oktober 2010 die subversive Qualität des Kabaretts. Als einer von vier namhaften Experten diskutierte er unter Leitung von Radiomoderator Thomas Bille. Echte Kabarettisten könnten keine Kompromisse machen, um den Massengeschmack zu bedienen, erläuterte Kühn seine These: Ihre Kunst gehöre daher eher ins Kellertheater als ins Fernsehen. Ganz so radikal wollte es Dietmar Jacobs (l.), Kabarettautor aus Köln, nicht sehen. Er betonte den formalen Unterschied: Auf der Bühne bleibe mehr Zeit, während Fernsehsatire im Zeitalter minutengenau gemessener Einschaltquoten rasch aufeinander folgende Pointen bieten müsse. In dieser flüchtigen Gunst des Publikums liege auch der einzige Grund für Eingriffe der Verantwortlichen. Dem widersprach Peter Ensikat, meistgespielter Kabarettautor in der DDR und bis 2004 künstlerischer Leiter der Berliner „Distel“. „Es wird nichts verboten, es kommt nur nicht“, meinte er und sah in dem Drängen auf mehr Unterhaltungswert sogar eine Parallele zur Argumentation mancher SED-Kulturfunktionäre. Einigkeit herrschte in der Runde über den Unterschied zwischen Kabarett und Comedy. Wenn Mario Barth 70.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion vereine, sei das eher ein der Popmusik vergleichbares Phänomen. Das Publikum erwarte keine neuen Pointen, sondern suche das Gemeinschaftserlebnis.