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Die Dauerausstellung „Unsere Geschichte. Deutschland seit 1945“ im Haus der Geschichte präsentiert die jüngste Vergangenheit unseres Landes vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die Gegenwart. Konkret und anschaulich, aktuell und modern trägt sie dazu bei, den Besucherinnen und Besuchern eine – auch emotionale – Annäherung an die deutsche Zeitgeschichte in internationalen Zusammenhängen zu ermöglichen. Nach umfassender inhaltlicher und visueller Überarbeitung wird Bundespräsident Christian Wulff am 23. Mai 2011 die neue Ausstellung eröffnen.



„Nichts ist so dauerhaft wie ein Provisorium.“ Dieses Paradox trifft auch auf Bonn zu. 1949 wird die ehemalige kurfürstliche Residenzstadt „vorläufiger Sitz“ von Parlament und Regierung der Bundesrepublik Deutschland „für eine Übergangszeit“ bis zur Wiedervereinigung. Das Provisorium dauert fünf Jahrzehnte. In Bonn wird der Weg zur beständigsten Demokratie der deutschen Geschichte geebnet. Die neue Dauerausstellung präsentiert die Geschichte der Politmetropole Bonn als historischen Bilderbogen von der Bundeshauptstadt zur Bundesstadt mit Sitz von Einrichtungen der Vereinten Nationen (UN).

Die SED-Propagandisten ziehen anlässlich Stalins 70. Geburtstags am 21. Dezember 1949 alle Register, um ihre Hymnen auf den sowjetischen Diktator in das Gehirn der Masse einzubrennen: Lieder, Gedichte, Bilder und Texte preisen den „Genius der werktätigen Massen“. Die Bevölkerung huldigt „dem Größten unter den Menschen“ bei Aufmärschen und Festveranstaltungen. Die kultische Überhöhung steht in eklatantem Kontrast zur Realität des stalinistischen Regimes in der DDR.

„Für die Herbeiführung einer festen öffentlichen Ordnung im sowjetischen Sektor von Berlin wird (…) der Ausnahmezustand verhängt.“ Der sowjetische Stadtkommandant von Berlin, Generalmajor Pawel Dibrowa, sieht keine andere Möglichkeit, um am 17. Juni 1953 die Machtverhältnisse wieder herzustellen. In weit über 700 Städten, Ortschaften und Betrieben der DDR sind Hunderttausende auf die Straßen gegangen, um zu protestieren.

Zeitzeugeninterviews begleiten die Besucher in der neuen Dauerausstellung „Unsere Geschichte. Deutschland seit 1945“. Sie ermöglichen einen lebendigen und individuellen Zugang zu zentralen Ereignissen der Zeitgeschichte.

Die weiße Fahne mit den olympischen Ringen schmückt die Stirnwand im Festsaal des Zoologischen Forschungsinstituts und Museums Alexander Koenig. Vertreter der westdeutschen Sportverbände und zahlreiche Ehrengäste versammeln sich am 24. September 1949 in Bonn, um zweieinhalb Wochen nach Konstituierung des Deutschen Bundestages das Nationale Olympische Komitee (NOK) zu gründen.

Als am 4. Oktober 1957 der erste künstliche Erdtrabant den Globus umkreist, ist die Überraschung gewaltig. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Welt davon ausgegangen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika einen technologischen Vorsprung vor dem ideologischen Todfeind Sowjetunion haben. Doch der erfolgreiche Flug des Sputnik zertrümmert diesen Glauben. Die von der Sternwarte Bochum aufgezeichneten Pieptöne erschüttern nicht nur die Amerikaner, sondern lösen weltweit Entsetzen bei den Bündnispartnern aus.

Im Mai 1960 soll in Paris ein Gipfeltreffen der vier Hauptsiegermächte stattfinden. Die Konferenz des amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower, des sowjetischen Staatschefs Nikita S. Chruschtschow, des französischen Präsidenten Charles de Gaulle und des britischen Premiermi-nisters Harold Macmillan soll eine neue Ära der Zusammenarbeit einleiten, wie von Chruschtschow wiederholt nach Stalins Tod verkündet. Doch das Gipfeltreffen ist zum Scheitern verurteilt: Am 1. Mai 1960 schießen sowjetische Flugabwehrraketen das amerikanische Spionageflug-zeug U2 über dem Ural ab. Die Spannung des Kalten Krieges verschärft sich erneut.

„(Fast) alles neu“ – so lautet das Leitmotiv für die Umgestaltung der Dauerausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Wenn auch die damit formulierte Zielsetzung auf eine überarbeitete Gestaltung, neue Exponate und die Einbeziehung aktueller Forschungsergebnisse hindeutet, so nutzte die Stiftung ein wichtiges Instrument der Ausstellungsplanung, das sie bereits seit über 20 Jahren einsetzt: die Besucherforschung.

13. August 2011 – nachts gegen zwei Uhr auf dem Potsdamer Platz in Berlin. Viele Menschen sind durch die Medien in diesen Tagen auf ein trauriges Ereignis aufmerksam geworden: den Bau der Berliner Mauer vor 50 Jahren. In der durch die Mauer geteilten Stadt standen sich wie sonst nirgendwo in der Welt die Blöcke im Kalten Krieg, angeführt von den Supermächten USA und UdSSR, unmittelbar gegenüber.

Das Jahr 1955 ist ein Wendepunkt für Wirtschaft und Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die pessimistische Grundstimmung, genährt von hoher Arbeitslosigkeit und steigenden Preisen nach der Währungsreform von 1948, schwindet. Die Situation ändert sich grundlegend. Beflügelt von den Impulsen der Weltwirtschaft wächst das Bruttoinlandsprodukt sprunghaft.

„Für die moderne Wohnküche ist dieses formschöne Möbel hervorragend geeignet (…) Geschweifte Türen und schöne Furnierzusammensetzungen. Glasschiebetüren mit goldfarbig hinterlegtem Zierschliff (…)“ So preist 1958 der Neckermann-Versandhauskatalog ein repräsentatives Küchenbüfett zum Preis von 495,- DM an, dem Gegenwert von mehr als fünf Wochenlöhnen eines Industriearbeiters mit durchschnittlichem Einkommen. Dieser Schrank bietet dem Käufer einen Wohnstil, den er aus seiner Kindheit kennt. Der Nierentisch, heute Inbegriff für das Möbeldesign der 1950er Jahre, fehlt im Katalog dagegen nahezu. Allein eine winzige Blumenbank hat die „typische“ nierenförmige Platte. „Freunde der modernen Linie haben diese neue Form mit Begeisterung aufgenommen“, lautet die Werbung und lässt ahnen: Kunden mit Interesse an zeitgenössischem Design sind eine kleine Minderheit.

Wie passen sie zusammen – der provozierende Song des Rockmusikers Ian Dury, mit dem er 1977 die Flower-Power-Zeit einfängt, und das etwas muffig wirkende Wirtschaftswundervehikel VW Bus? Beide Phänomene gehen seit Ende der 1960er Jahre eine Symbiose ein: Der VW Bus wird zu einem Symbol der Woodstock-Generation. Seine farbenfrohe Bemalung und seine Nutzung als rollendes Hippie-Heim machen ihn zu einer Legende: einer internationalen und einer deutschen.

Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 setzt einen revolutionären Prozess in Gang, der in kürzester Zeit in der Wiedervereinigung kulminiert. Das Ereignis markiert an der Nahtstelle des Ost-West-Konflikts eine welthistorische Zeitenwende: Mit dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums, mit der Deutschen Einheit und der Umgestaltung Europas endet der Kalte Krieg. Der seit 1945 die Weltordnung maßgeblich bestimmende Konflikt zwischen realsozialistischen Staaten und westlichen Demokratien löst sich auf.

Der Fall der Mauer 1989 und die Wiedervereinigung 1990 erfolgen unter meist großem Jubel. Die „äußere“ Einheit ist schnell vollzogen. In nur wenigen Monaten erstreiten die Bürgerrechtler und die Demonstranten auf den Straßen die Ablösung des SED-Regimes. Die erste frei gewählte Regierung der DDR bereitet den Beitritt zur Bundesrepublik vor.

Globalisierung ist das Thema unserer Zeit – politisch, wirtschaftlich und kulturell. Durch die Einführung digitaler Kommunikationstechnologien, den Abbau von Handelsbarrieren und den Ausbau supranationaler politischer Ordnungen hat die internationale Verflechtung in ihrer Intensität und Ausdehnung eine neue Qualität erreicht.
