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Übersicht
„Für die Herbeiführung einer festen öffentlichen Ordnung im sowjetischen Sektor von Berlin wird (…) der Ausnahmezustand verhängt.“ Der sowjetische Stadtkommandant von Berlin, Generalmajor Pawel Dibrowa, sieht keine andere Möglichkeit, um am 17. Juni 1953 die Machtverhältnisse wieder herzustellen. In weit über 700 Städten, Ort-schaften und Betrieben der DDR sind Hunderttausende auf die Straßen gegangen, um zu protestieren.
Ihr Unmut richtet sich gegen das SED-Regime unter Walter Ulbricht und dessen Politik. Unter dem Beifall der Delegierten hat der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED auf der II. Parteikonferenz im Juni 1952 den planmäßigen „Aufbau des Sozialismus“ verkündet. Die Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft sind weitreichend: Der 1. Fünfjahrplan legt den Schwerpunkt auf die Schwer- und Grundstoffindustrie. Darunter leidet die Produktion von Konsumgütern, Versorgungsengpässe sind die Folge. Im Zuge der Kollektivierung werden die Bauern dazu gedrängt, in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) einzutreten. Viele, die sich dem Druck nicht beugen wollen, ziehen die Flucht in den Westen vor. Von Juni 1952 bis Mai 1953 fliehen nahezu 312.000 Menschen aus der DDR, doppelt so viele wie 1951. Die SED will diese „Abstimmung mit den Füßen“ insbesondere auch gut ausgebildeter Bevölkerungsgruppen wie Facharbeiter, Ingenieure oder Ärzte nicht hinnehmen. Sie ergreift diverse Maßnah-men, um ihre Machtposition abzusichern: So wird die innerdeutsche Grenze zu einer Sperranlage mit Stacheldraht und bewaffneten Patrouillen ausgebaut.
Volksaufstand
Nach Stalins Tod am 5. März 1953 hoffen viele Menschen im Ostblock auf Verbesse-rungen – vergeblich. Gegen die allgegenwärtige Unterdrückung in der DDR protestieren insbesondere die evangelischen Kirchen. Die SED-Machthaber jedoch wollen ihre Politik nicht revidieren, stattdessen erhöhen sie die Arbeitsnormen um über zehn Prozent. Der zunehmende Unmut der Bevölkerung bleibt auch den neuen Machthabern im Kreml nicht verborgen. Sie bestellen die DDR-Führung unter SED-Generalsekretär Walter Ulbricht und Ministerpräsident Otto Grotewohl nach Moskau ein und verlangen einen „Neuen Kurs“. Am 11. Juni 1953 druckt das SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ zum einzigen Mal in der DDR-Geschichte ein Schuldeingeständnis des Politbüros ab. Die SED-Verantwortlichen versprechen zahlreiche Verbesserungen, halten jedoch an den erhöhten Normen fest. Die Empörung der Arbeiter ist groß: Am 17. Juni 1953 protes-tieren sie. Der Zorn richtet sich insbesondere gegen Einrichtungen, die für das SED-Regime stehen. Auch das Eingangsschild des „Staatlichen Komitees für Materialversorgung“ geht zu Bruch – ein Fragment davon ist in der neuen Dauerausstellung zu sehen.
Eskalation
Die SED-Führung ist machtlos, sie flüchtet nach Berlin-Karlshorst unter den Schutz der sowjetischen Besatzungsmacht. Der Volksaufstand ist damit zur Herausforderung für die neue Führung der UdSSR geworden, die auch nach Stalins Tod nicht dazu bereit ist, den Hegemonialanspruch auf die Länder in ihrem Machtbereich aufzugeben. In 167 von 217 Landkreisen verhängt die Sowjetische Militäradministration in Deutschland den Ausnahmezustand.
Mit der Verkündung des Kriegsrechts übernimmt die Sowjetunion offiziell die Regierungsgewalt in weiten Teilen der DDR und lässt ihre T-34-Panzer aus den Kasernen in die Städte und Dörfer rollen. Der Standardpanzer aus dem Zweiten Weltkrieg wird zum Symbol der Unterdrückung des Volksaufstands in der DDR, was die neue Ausstellungseinheit zum 17. Juni 1953 eindringlich mit Turm und Fahrwerk eines T-34 visualisiert. Im Bewusstsein der Deutschen in Ost und West hat der Kalte Krieg zwischen den westlichen Demokratien unter Führung der USA und dem Ostblock unter der Vorherrschaft der UdSSR eine neue Dimension erreicht.