2/2011

 

 Inhalt

Übersicht

Meine Geschichte - unsere Geschichte

Biografische Perspektiven

Zeitzeugeninterviews begleiten die Besucher in der neuen Dauerausstellung „Unsere Geschichte. Deutschland seit 1945“. Sie ermöglichen einen lebendigen und individuellen Zugang zu zentralen Ereignissen der Zeitgeschichte.

 

 

Vielfältiges Angebot

 

Bei ihrem chronologischen Rundgang erhalten die Besucher an 15 Medienstationen, die als wiederkehrendes strukturelles Element der Ausstellung erkennbar sind, ein besonderes Medienangebot. Per Touchscreen können sie Aussagen von Zeitzeugen – manchmal ergänzt durch zeitgenössische Filmdokumente – zu herausragenden Ereignissen und grundlegenden Entwicklungen der deutschen Geschichte abrufen. Der zeitliche Bogen der Berichte spannt sich dabei von Schilderungen des Kriegsendes 1945 bis hin zu aktuellen Erwartungen an die Zukunft Deutschlands und Europas im Zeitalter der Globalisierung. Weit gefasst ist auch das inhaltliche Angebot: Zentrale Ereignisse der Geschichte der geteilten Nation wie der 17. Juni 1953, Mauerbau und Mauerfall sind ebenso thematisiert wie Aspekte der Arbeitswelt, des Konsums und der Jugendkultur. Damit spiegeln die biografischen Berichte die Vielfalt der Wahrnehmungen historischer Ereignisse.



Wer aus dem Angebot von insgesamt mehr als 300 Zeitzeugen-Aussagen auswählt, erfährt unmittelbar, dass unsere Geschichte nicht abstrakt ist, sich nicht nur in Strukturen ereignet, sondern wesentlich von Menschen bestimmt ist. Hier berichten sie über ihre Erfahrungen mit historischen Ereignissen, geben Auskunft über ihr Handeln, schildern ihre Erlebnisse, beurteilen Entwicklungen und Entscheidungen, äußern Erwartungen und Hoffnungen. Die Stellungnahmen haben dabei ganz unterschiedlichen Charakter: Oftmals sind es bewegende persönliche Erlebnisberichte, häufig erläuternde und resümierende Kommentare; es sind zeitgenössische Stimmen, deren Unmittelbarkeit und Nähe zum Geschehen auf den Betrachter wirken, oder auch Erinnerungen aus heutiger Sicht, welche die Ereignisse mit zeitlichem Abstand und reflektierender Distanz beleuchten. Die Nutzung unterschiedlicher audiovisueller Dokumente ermöglicht die Präsentation einer solchen Vielzahl: Neben zeitgenössischem Filmmaterial und Zeitzeugenberichten aus Dokumentationen zeigen die Stationen vor allem Auszüge aus Interviews, welche die Stiftung Haus der Geschichte mit Zeitzeugen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur führte. Gezielt fingen wir darin die persönlichen Erinnerungen und individuellen Sichtweisen ein.

 

 

 

 

Lebendige Erinnerung

 

Diese biografischen Berichte erfüllen im Ausstellungskontext unterschiedliche Funktionen: Die Schilderung persönlicher Erlebnisse, die dabei vermittelten Emotionen und Wertungen erschließen den Besuchern Zugänge zu den präsentierten historischen Sachverhalten, die Objekte und Texte allein vielfach nicht herstellen können. Zudem vermögen diese Aussagen auch Exponate der Ausstellung „zum Sprechen zu bringen“, indem die Zeitzeugen deren Geschichte aus eigener Erfahrung erzählen.


Vor allem aber sollen die biografischen Darstellungen die Multiperspektivität geschichtlicher Erfahrungen hervorheben. Daher kommen sowohl Handelnde als auch Betroffene zu Wort. Unterschiedliche Sichtweisen in Ost und West auf historische Ereignisse, unterschiedliche zeitliche Nähe sowie der jeweils andere Blickwinkel unterschiedlicher Generationen und gesellschaftlicher Gruppen werden deutlich. So kann der Besucher erkennen, dass Zeitzeugenstatements eine subjektive Einzelperspektive auf historisches Geschehen beinhalten und einen zeit- und standortgebundenen individuellen Blick bieten, der stets quellenkritisch mitbedacht werden muss.

 

 

 

 

Anregung zum Gespräch

 

Eine besondere Wirkung auf den Besucher erzielen die Zeitzeugenberichte der biografischen Perspektiven in der neuen Ausstellung durch ihre direkte Ansprache. Wie in zahlreichen Wechselausstellungen der Stiftung erprobt und durch Besucherforschung bestätigt, regen sie zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch über die Geschichte an, bilden Anknüpfungspunkte für generationenübergreifende Gespräche über Ereignisse und Alltag einer für die Jüngeren oftmals unbekannten Vergangenheit, über nicht mehr vertraute Lebenswelten. Mit dem Anstoß zu solchen Gesprächen leisten die Berichte einen wichtigen Beitrag zu einer gemeinsamen Erinnerungskultur. Darüber hinaus schlagen sie Brücken im Verständnis zwischen Ost- und Westdeutschen und zwischen Besuchern mit unterschiedlichem gesellschaftlichem und kulturellem Hintergrund: Auf diese Weise wird die eigene Geschichte erfahrbar als Teil der gemeinsamen Geschichte.

 

 

 

Interview-Aufzeichnung: Stiftungspräsident Hans Walter Hütter befragt Hans-Gert Pöttering. Der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments berichtet über seine langjährigen Erfahrungen in der Europapolitik.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Screen-Design: Eine animierte Abfolge von Zeitzeugen-Porträts signalisiert das umfangreiche Angebot der Terminals zum 17. Juni 1953.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cécile Engel/Helene Thiesen