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Übersicht
Die weiße Fahne mit den olympischen Ringen schmückt die Stirnwand im Festsaal des Zoologischen Forschungsinstituts und Museums Alexander Koenig. Vertreter der westdeutschen Sportverbände und zahlreiche Ehrengäste versammeln sich am 24. September 1949 in Bonn, um zweieinhalb Wochen nach Konstituierung des Deutschen Bundestages das Nationale Olympische Komitee (NOK) zu gründen.
Eingeladen hat der 76-jährige Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Mitglied des internationalen Olympischen Komitees (IOC). Das NOK wählt ihn einstimmig zum Präsidenten. Bereits 1951 folgt ihm Karl Ritter von Halt, der bis 1950 im sowjetischen Speziallager Buchenwald inhaftiert war. Ritter von Halt, seit 1929 IOC-Mitglied, hat seine steile berufliche und sportliche Karriere nach 1933 bruchlos fortgesetzt. Wie andere prominente Sportfunktionäre seiner Generation sieht sich von Halt nicht als privilegierten Parteigänger des Nationalsozialismus, sondern in erster Linie als Vertreter des Sports und der olympischen Idee. Das westdeutsche NOK gewinnt mit ihm aufgrund seiner Freundschaft zu den IOC-Präsidenten Sigfrid Edström und Avery Brundage ein einflussreiches IOC-Mitglied.
Im Wettstreit beider deutschen Staaten um die nationale Repräsentation erkennt das IOC im Mai 1951 zunächst das westdeutsche NOK als alleinige deutsche Vertretung an. Dem im April desselben Jahres gegründeten NOK der DDR hingegen bleibt die Anerkennung bis 1965 versagt. Stattdessen sollen beide deutschen Komitees für die Olympischen Spiele 1952 eine gemeinsame Mannschaft aufstellen.
Ringen um das deutsche Olympiateam
Doch dieser Auftrag scheitert am Einspruch der SED-Führung. So treten 1952 nur Sportler aus der Bundesrepublik in Oslo und Helsinki an. Sie gewinnen bei den Winterspielen in Oslo drei Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen. Die Schwergewichte Andreas Ostler und Lorenz Nieberl dominieren im Zweier- wie im Viererbob.
Im Jahr 1956 starten bei den Winterspielen im italienischen Cortina d’Ampezzo und den Sommerspielen im australischen Melbourne erstmals Athleten aus beiden deutschen Teilstaaten in einer gemeinsamen Mannschaft unter der schwarz-rot-goldenen Flagge. Ihre Hymne für Siegerehrungen ist bis 1968 Schillers und Beethovens „Ode an die Freude“.
Mit dem 20-jährigen Boxer Wolfgang Behrendt gewinnt 1956 erstmals ein Athlet aus der DDR olympisches Gold. Und auch der wohl beliebteste Sportler der DDR, der Friedensfahrtgewinner und spätere Straßenradweltmeister Gustav Adolf (Täve) Schur, trägt sich als Bronzemedaillengewinner im Mannschaftsfahren in die Siegerlisten ein.
Wettkampf der Systeme
Die erzwungene Gemeinsamkeit der Olympische Spiele kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsch-deutschen Sportbeziehungen im Sog des Ost-West-Konflikts stehen. Hinzu kommt die Konkurrenz beider Teilstaaten um die nationale Repräsentation. Die Bundesrepublik beharrt auf ihrem Alleinvertretungsanspruch auch auf dem Feld des Sports, und die DDR unternimmt seit Mitte der 1950er Jahre große Anstrengungen, um ihre völkerrechtliche Anerkennung weltweit durchzusetzen. Der Sport ist gleichsam Spiegelbild der deutsch-deutschen Beziehungen. Als Reaktion auf den Mauerbau im August 1961 brechen der Deutsche Sportbund (DSB) und das bundesdeutsche NOK die innerdeutschen Sportbeziehungen ab. Erst ab Mitte der 1960er Jahre finden wieder vereinzelt Wettkämpfe statt.
Bei den Olympischen Spielen in München 1972 ist schließlich auch die Trennung der Olympiamannschaft vollzogen. In der Jagd auf Medaillen übertrumpft die DDR seit den 1970er Jahren die bundesdeutsche Konkurrenz. Das „Staatsziel Medaillen“ dient der Selbstdarstellung der DDR auf internationaler Bühne und soll zugleich die gesellschaftliche Akzeptanz der SED-Herrschaft fördern.
Das Wunder von Bern
Der für das kollektive Selbstwertgefühl vieler Deutscher aus West und Ost wichtigste sportliche Erfolg des ersten Nachkriegsjahrzehnts ereignet sich jedoch nicht auf olympischem Parkett, sondern bei der Fußballweltmeisterschaft 1954. Der überraschende 3:2-Finalsieg gegen die favorisierten Ungarn am 4. Juli im Berner Wankdorfstadion ist mehr als nur ein Triumph der Westdeutschen. Glückwünsche und Dankesbriefe aus der DDR erreichen Trainer Sepp Herberger und seine Spieler. Die Leser der DDR-Jugendzeitschrift „Neues Leben“ wählen Fritz Walter, den Kapitän des WM-Teams, zum beliebtesten Fußballer des Jahres 1954. Wie der ehemalige Boxweltmeister Max Schmeling, der seine Karriere bereits 1948 beendet hat, gehört Fritz Walter zu den Idolen des deutschen Sports. Ihre herausragenden Erfolge sowie ihre Bodenständigkeit und Bescheidenheit sichern ihnen öffentliches Ansehen und anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg.

Die Sitzbank aus dem Wankdorf-Stadion ist einer der wenigen Überreste, die den Abbruch des Stadions 2001 überdauert haben.