Inhalt
Übersicht
13. August 2011 – nachts gegen zwei Uhr auf dem Potsdamer Platz in Berlin. Viele Menschen sind durch die Medien in diesen Tagen auf ein trauriges Ereignis aufmerksam geworden: den Bau der Berliner Mauer vor 50 Jahren. In der durch die Mauer geteilten Stadt standen sich wie sonst nirgendwo in der Welt die Blöcke im Kalten Krieg, angeführt von den Supermächten USA und UdSSR, unmittelbar gegenüber.
Wer an die Trennung der Stadt denkt, erinnert eine fast dreieinhalb Meter hohe Mauer mit einem runden Betonrohr, nachts grell erleuchtet, gesichert durch Posten, Wachttürme und fast unüberwindbar. Doch wie hat diese Teilung angefangen?
In den frühen Morgenstunden des 13. August 1961, einem ruhigen Sonntag, den das SED-Regime gezielt ausgewählt hat, beginnen Bauarbeiter mitten im Herzen Berlins, an der Grenze zwischen dem sowjetischen Teil und den westlichen Sektoren die Straßen aufzureißen. „Bewaffnete Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ und DDR-Grenztruppen unterstützen und sichern die Arbeiten. An der gesamten über 60 Kilometer langen innerstädtischen Grenze und dem Außenring um West-Berlin werden Verbindungswege und Straßen gesperrt. Sehr bald rollen Arbeiter und Grenzpolizisten Stacheldraht aus und errichten Hindernisse. Erst Tage später beginnt der konkrete Bau einer Mauer. Die ersten provisorischen Absperrungen erlauben noch zahlreichen Menschen die Flucht – das wohl bekannteste Bild zeigt den uniformierten Bereitschaftspolizisten Conrad Schumann, der über den Stacheldraht in die Freiheit West-Berlins springt.
Beim Bau der Mauer werden zunächst oft Betonplatten mit Hohlblockbausteinen aus dem Wohnungsbau aufgestockt und erhöht, später verstärkt aufgesetzter Stacheldraht diese Konstruktion. Aus Sicht der SED besonders kritische Stellen, an denen die Gefahr eines Durchbruchs mit Fahrzeugen hoch war, sichern zusätzlich aufeinander geschichtete Betonplatten ab. Die Mauer ist in den ersten Jahren noch nicht hermetisch geschlossen und entspricht keineswegs dem viel zitierten Bild vom „Eisernen Vorhang“, der sich über Nacht herabsenkt. Die neue Dauerausstellung zeigt deshalb bewusst die verschiedenen Phasen dieser Abriegelung Berlins, die Hindernisse aus Stacheldraht, die Mauerarbeiten und die zunehmende Absicherung der Grenze durch die SED-Diktatur.
Auch auf das Geschehen im Hintergrund weist die Ausstellung hin: auf die Truppen der Nationalen Volksarmee, die die Arbeiten bewachen, und – für westliche Beobachter nicht unmittelbar zu erkennen – sowjetische Truppen weiter zurückgezogen, die für den Fall einer militärischen Auseinandersetzung eingreifbereit im Hintergrund warten. Aber zu einem bewaffneten Konflikt kommt es nicht: Die Westmächte sind nicht bereit, gegen die Teilung Berlins militärisch zu intervenieren und damit eine gefährliche Auseinandersetzung oder gar einen Krieg zu riskieren.
Nicht verborgen, sondern vor den Augen der Weltöffentlichkeit spielen sich die entsetzten Reaktionen der Berliner und das Leid ab, das die Teilung der Stadt auslöst. Zahlreiche Bilder dokumentieren diese Trennungen und den radikalen Einschnitt in das Leben der Bevölkerung.
Flucht durch die Kanalisation
Von Anfang an versuchen Menschen, die immer dichter werdenden Grenzanlagen zu überwinden. Sie springen aus Fenstern von unmittelbar an der Grenze gelegenen Häusern, sie hasten durch Stacheldraht, versuchen, schwimmend das rettende westliche Ufer der Spree oder Berliner Kanäle zu erreichen oder mit Fahrzeugen die Sperranlagen zu durchbrechen.
Die Ausstellung weist auch auf eine Fluchtmöglichkeit hin, die der DDR-Führung sehr schnell bewusst wird: Die Großstadt Berlin durchzieht unterirdisch ein umfangreiches Kanalnetz. Durch diese oft mannshohen Kanäle versuchen ebenfalls viele Menschen zu entkommen. Bald beginnt die DDR mit dem Einbau von Gittern und immer raffinierteren Sicherungen. Unter dem „Checkpoint Charlie“, den heute Hunderttausende von Touristen jährlich besichtigen, flieht ein kleiner Junge mit seinem Vater und dessen Lebenspartnerin. Durchnässte Papiere erinnern an diese unheimliche Flucht durch die Kanalisation. Der kleine Junge von damals schenkt diese Dokumente dem Haus der Geschichte. Und mehr: Seine lebendige Schilderung können die Besucher sich nun in der Ausstellung anhören.