2/2011

 

 Inhalt

Übersicht



„Zahlreiche Baustellen“

Interview mit Hanno Sowade

 

mm Herr Sowade, nennen Sie bitte einige Eckdaten bei der Überarbeitung der Dauerausstellung „Unsere Geschichte“.


Sowade Die Realisierung dieser Ausstellung erstreckt vom ersten Konzept vor mehr als drei Jahren bis zur Eröffnung am 23. Mai 2011. Beteiligt sind: Museumsmitarbeiter aus allen Bereichen, die Stiftungsgremien, das Gestalterbüro, Fremdfirmen, in- und ausländische Leihgeber – insgesamt Hunderte von Ansprechpartnern, um mehr als die Hälfte der Ausstellung neu zu gestalten.


mm Worin besteht Ihre Aufgabe als Projektkoordinator?


Sowade Der Ausstellungsprozess erfolgt in drei großen, ineinander übergehenden Schritten: Planen, Gestalten und Umsetzen. In jeder Phase stehen unterschiedliche Arbeitsbereiche im Vordergrund. Diese Vielfalt zu überblicken, zu strukturieren, aktiv zusammenzuführen und – falls nötig – auch zu regulieren, also Schnittstelle sowohl zwischen verschiedenen Bereichen im Haus als auch zwischen der Stiftung und Externen zu sein, kennzeichnet diese Funktion. So können diverse Aufgaben ergebnisorientiert, ökonomisch und effizient geleistet werden.


mm Bitte skizzieren Sie diese Bereiche und Ihre Arbeitsschwerpunkte.


Sowade Ein wesentliches Feld ist die Gestaltung von der wissenschaftlichen Konzeption und den Objektvorschlägen durch die Historiker im Museum bis hin zur Visualisierung, die in diesem Fall das Büro Würth & Winderoll betreut. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Mitwirkung bei der technischen Ausstellungsrealisierung, die Klaus Würth seit über zwei Jahren organisiert und in enger Abstimmung mit mir verantwortet. Um die Größenordnung dieses Projekts anzudeuten: Bei einer Ausstellung eines solchen Umfangs sind Dutzende externe Firmen und öffentliche Einrichtungen an der Realisierung beteiligt. Es gibt im wahrsten Sinne zahlreiche Baustellen. Die Bandbreite der Produktionen reicht von komplexer Architektur über AV-Medien bis hin zur Klärung bautechnischer Auflagen.


mm Wie nimmt der Um- und Neubau konkret Gestalt an?


Sowade Dies lässt sich gut am Beispiel eines neuen Leiteindrucks illustrieren: Wir entschieden, das Thema Globalisierung durch eine abgehängte Weltkugel mit einem Laufband aktueller weltpolitischer Schlagzeilen zu veranschaulichen. Nun war zu prüfen, ob diese Idee technisch realisierbar ist, zum Beispiel aus statischen Gründen. Wir benötigten ein extrem leichtes Material, das zugleich sehr stabil ist: einen Kunststoff vergleichbar der Verkleidung eines Formel-1-Rennwagens. Sodann mussten wir eine Firma ausfindig machen, die diesen Kunststoff zu gewölbten Kontinenten verarbeiten kann. Die anspruchsvolle Endmontage bedingte, dass während dieser Zeit keine anderen Arbeiten in diesem Bereich stattfanden. Dies musste im eng verzahnten Produktionsablauf zahlreicher beteiligter Firmen eingeplant werden – das alles geschieht unter strengsten Zeitvorgaben.


mm Was ist Ihr Lieblingsobjekt?


Sowade Der große Schriftzug „Gedenke der Brüder, die das Schicksal unserer Trennung tragen!“, das seit 1955 an einer Fassade auf dem Bremer Rathausmarkt hing. Dass wir diese Mahnung ausleihen und nun in Bonn präsentieren können, ist ein großer Erfolg. Hierüber freue ich mich.

 

 

 

 

Hanno Sowade (l.) und Klaus Würth stimmen Details in der Ausstellung ab.

Hanno Sowade (l.) und Klaus Würth stimmen Details in der Ausstellung ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Interview: Petra Rösgen