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Bilder aus der fernsehfreien Zone

Gerichtszeichnungen von Erich Dittmann

Kennen Sie ein Foto von laufenden Gerichtsverhandlungen, oder haben Sie einen Richter, Staatsanwalt, Verteidiger in realen Gerichtsverhandlungen in Deutschland auf einem Filmdokument urteilen oder plädieren sehen? Mit Sicherheit nicht, denn Aufnahmen während der Verhandlungen verbietet das deutsche Recht. Anders als in den USA, wo Gerichtsverhandlungen über spektakuläre Straftaten im TV zu Straßenfegern werden, gibt der §169 des deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes den Prozessbeteiligen Schutz vor laufenden und klickenden Kameras.

  
Gerichtszeichnung vom Juni 1975

Gerichtszeichnung vom Juni 1975. Ulrike Meinhof ist durch Aktenstapel von den anderen Angeklagten Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe (v.l.n.r.) getrennt. Im Vordergrund Otto Schily als Verteidiger (2. v. r.)

Noch im Januar 2001 hat das Bundesverfassungsgericht dieses Verbot bestätigt.

Sammlungsleiter Dietmar Preißler bei der Präsentation des Buches am 4. Dezember 2001, Hans-Dieter Burneleit (Beck-Verlag), Klaus Töpper (ZDF) und Galerist Thomas Lang (1. Reihe v. l. n. r)

Die Frage nach den fehlenden Bildern aus Gerichten ließ die Medien nicht ruhen. Die Antwort war die Gerichtszeichnung. Das ZDF beauftragte seit den ersten Terrorismusprozessen 1975 den Grafiker Erich Dittmann aus Frankfurt, regelmäßig die Prozesse mit seinem Zeichenstift festzuhalten. Bereits 1963-65 hatte er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung die aufsehenerregenden Auschwitz-Prozesse zeichnerisch dokumentiert. Bis kurz vor seinem Tod 1999 ist Erich Dittmann aufmerksamer Beobachter wichtiger Strafprozesse in Deutschland. Er prägt hier das medienorientierten Genre der dokumentarischen Gerichtszeichnung. Seinen Bildern verdanken wir Einblicke in deutsche Gerichtssäle: so beim Baader-Meinhof- Prozess, beim Verfahren gegen Kanzlerspion Günter Guillaume, beim Parteispendenprozess und vielen mehr.

Das Haus der Geschichte besitzt etwa 500 Zeichnungen, Skizzen und Panoramabilder von Erich Dittmann zu den bedeutendsten Strafprozessen in der Bundesrepublik von 1975 bis 1999. Beck-Verlag, ZDF, Galerie Lang aus Hanau und das Haus der Geschichte entschlossen sich, eine Auswahl der markantesten Gerichtszeichnungen in einem Buch zu veröffentlichen. Am 4. Dezember 2001 wurden das Buch und eine repräsentative Auswahl seiner Originale im Haus der Geschichte der Öffentlichkeit vorgestellt.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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