1/2002

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Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

 

Reality-TV im Zeitgeschichtlichen Forum

Cartoons von Andreas J. Mueller

Ob mit Weihnachtsmärchen oder Spielfilmklassikern, gerade zur Weihnachtszeit steigt der Fernsehkonsum in den deutschen Haushalten enorm an. Eine Alternative zum üblichen Fernsehprogramm präsentierte das Zeitgeschichtliche Forum mit "SpotAn!". 45 großformatige Cartoons des 1950 in Leipzig geborenen Karikaturisten Andreas J. Mueller illustrieren voller Humor und hintergründigem Witz das Spannungsverhältnis von Medienwirklichkeit und Alltag.

Nur noch die Lindenstrasse!

Nur noch die Lindnstrasse!

Muellers Kritik an dieser Realität trifft punktgenau, ohne verbissen zu sein. Ob Fußball-WM mit Ehekrach oder Weihnachtsbescherung in der Werbepause - das Fernsehen hat nicht erst mit "Big Brother" einen bedeutsamen Part im direkten menschlichen Miteinander übernommen. In Muellers Cartoons empfängt der Hund sein Herrchen eben mit Fernsehbedienung statt mit Pantoffeln in der Schnauze, wird Gevatter Tod bis auf das Ende der Lindenstraße vertröstet - kurz: das TV-Volk vor und hinter der Kamera wird ordentlich auf die Schippe genommen. Die zeichnerische Ausführung der Arbeiten Muellers ist dabei sorgsam bis ins kleinste Detail - selbst die Blümchentapete an der Wohnzimmerwand fehlt nicht.

Andreas J. Mueller und Kerstin Langner in der Kuschelecke der Ausstellung

Andreas J. Mueller und Kerstin Langner in der "Kuschelecke" der Ausstellung

 

Die gezeichnete Satire war schon immer bestimmend für Muellers Schaffen. Seinen Anfängen als Karikaturist bei der Satirezeitschrift "Eulenspiegel" und der "Leipziger Volkszeitung" in den 70er Jahren folgte die Arbeit an der Ausstellungsreihe "Karikartoon" in der Messestadt. Nach seiner Flucht in die Bundesrepublik 1988 zeichnete Andreas J. Mueller unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung" und die Zeitschrift "Esquire". Die gezeigten Arbeiten stammen aus dem Zyklus "Mattscheibe", der Mitte der 1990er Jahre für die Zeitschrift "Gong" entstand. Während des Rundgangs durch die Ausstellung lud eine gemütliche Fernsehecke mit Sofa und aktuell laufendem Fernsehprogramm zum Verweilen ein: Hier konnten die Besucher die gesehenen Botschaften gleich selbst überprüfen und wurden zugleich Teil der Inszenierung ganz im Sinne des Künstlers.

Henrike Girmond

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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