Ausstellung zu Leben und Werk |
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Sie schuf die effektvollsten
Propagandafilme des Dritten
Reiches und galt als Lieblings-
Regisseurin Hitlers. Verehrt, verachtet
und verklärt wird Leni
Riefenstahls Lebenswerk. Die
mittlerweile Hundertjährige zählt
zu
den einflussreichsten
Filmemachern, aber auch zu den
umstrittensten.
Nach einer kurzen Karriere als Tänzerin wandte
sich Leni Riefenstahl dem Film zu: 1926 gab sie ihr
Debüt als Schauspielerin in "Der heilige Berg"
von Arnold Fanck, dem Pionier des Bergfilms, unter
dessen Regie sie in fünf weiteren Filmen die
weibliche Hauptrolle spielte und zu einer bekannten
Schauspielerin wurde. Ihr erster eigener Spielfilm
"Das blaue Licht" (1932) stellt auf romantisch-märchenhafte
Weise den Gegensatz zwischen Naturverherrlichung und
-ausbeutung dar. Doch sind es Riefenstahls im Dritten
Reich entstandene Filme, die bis heute die Aufmerksamkeit
der Kritiker und darüber hinaus einer ästhetisch
und historisch interessierten öffentlichkeit
auf sich ziehen: "Triumph des Willens" über den
Nürnberger Parteitag 1934 und der zweiteilige
Film "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit"
über die Olympischen Spiele von 1936.
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Die 32-jährige Riefenstahl in einem am Fahnenmast angebrachten
Fahrstuhl bei den Dreharbeiten zu "Triumph des Willens" |
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Leni Riefenstahl bei Dreharbeiten zu ihrem ersten eigenen Spielfilm "Das blaue Licht", 1932 |
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Riefenstahl wurde nach Kriegsende zeitweise unter
Arrest gestellt und 1949 schließlich als "Mitläuferin"
eingestuft. In zahlreichen, teilweise Aufsehen erregenden
Prozessen verwahrte sie sich gegen Verleumdungen
und Kritik an ihrer Rolle im Dritten Reich. Sie
versucht sich auch heute noch als unpolitische, allein
künstlerischen Idealen verpflichtete Filmemacherin
darzustellen. In den 1960er Jahren gelang ihr ein
Comeback mit Fotografien von den Nuba, einem
bis dahin von der Zivilisation noch weitgehend
unberührten schwarz-afrikanischen Volksstamm. In
den 1970er Jahren entdeckte sie die Unterwasserfotografie
als neues Betätigungsfeld.
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Die Ausstellung im Haus der Geschichte zeigt, wie sich
in Riefenstahls Werk zwei gegenläufige Entwicklungen
kreuzen: eine innovative filmtechnische und -ästhetische
Praxis und Inhalte, die von rückwärtsgewandter
Ideologie geprägt sind. Angesichts dieser "Doppelgesichtigkeit"
verfolgt die Ausstellung zwei Themenstränge:
Auf der einen Seite stellt sie die entscheidenden
Stationen im Leben von Leni Riefenstahl und die jeweiligen
zeithistorischen Entstehungs- und Wirkungsbedingungen
ihrer Arbeiten dar. Im Zentrum des Interesses stehen
in diesem Zusammenhang die Verflochtenheit der Regisseurin
mit dem Nationalsozialismus, der ideologische Gehalt
und die Propagandafunktion ihrer Filme. Auf der anderen
Seite lernt der Besucher anhand beispielhafter Sequenzen
aus Riefenstahls Filmen die für das Gesamtwerk
kennzeichnenden Motive und Techniken kennen. Der Längsschnitt
durch das Werk lässt die inhaltliche Kontinuität
erkennen: ein Set an Motiven, die in Riefenstahls
Arbeiten - vom Bergfilm bis zur Unterwasserfotografie
- in verschiedener Gestalt immer wiederkehren. Dabei
bekommt der Besucher einen Einblick in die von ihr
eingeführten filmtechnischen und gestalterischen
Neuerungen.
Beispiele aus Fotografie und Werbung veranschaulichen,
dass die "Riefenstahl-Ästhetik" bis heute
die Bildsprache in Kunst und Massenmedien inspiriert.
Andrea Mork
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Telegramm an Adolf Hitler mit Dank für den Nationalen Filmpreis 1935, verliehen für "Triumph des Willens" |
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Diplom des Internationalen Olympischen Komitees für Leni Riefenstahl |
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Die Ausstellung wird im Haus der Geschichte vom 13. Dezember 2002 bis zum 2. März 2003 gezeigt. |
Leni Riefenstahl |
22.8.1902 |
geboren in Berlin |
1923-1925 |
Tanzkarriere |
1926 |
Beginn der Schauspielkarriere.
Bis 1933 entstehen
unter der Regie von Arnold Fanck
sechs Spielfilme mit Riefenstahl
als weiblicher Hauptdarstellerin. |
1932 |
In "Das blaue Licht" führt sie
erstmals selbst Regie. |
1935 |
"Triumph des Willens" |
1938 |
Uraufführung von "Olympia"
zu Ehren von Hitlers Geburtstag.
Boykott des
Films in den USA |
1939 |
Kriegsberichterstatterin
in Polen |
ab 1940 |
Dreharbeiten zu "Tiefland" |
1949 |
Entnazifizierung.
Riefenstahl wird als "Mitläuferin"
eingestuft. |
1949-1952 |
Prozesse gegen die Zeitschrift "Revue"
wegen Artikel über Zwangsverpflichtung
von Zigeunern für "Tiefland" und
Riefenstahls Rolle in Konskie/ Polen. |
1954 |
Uraufführung von "Tiefland" |
ab 1962 |
Afrikareisen |
1973 |
Fotobände über die Nuba.
Erste Tauchexpeditionen |
2002 |
"Impressionen unter Wasser" |
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> Links zum Thema:
www.leni-riefenstahl.de
(Homepage von Leni Riefenstahl)
www.ruhr-uni-bochum.de/riefenstahl/n_
websites_internetpraesenz_ergebnisse.shtml
(ausführliche Linksammlung)
www.mdr.de/kultur/film/254750.html
(Interview, Hintergrundartikel, Kommentare)
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Aktuelle Bücher zum Thema: |
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Hilmar Hoffmann: Mythos Olympia. Autonomie
und Unterwerfung von Sport und Kultur
Berlin/Weimar 1993.
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- |
Filmmuseum Potsdam (Hg.): Leni Riefenstahl
Berlin 1999. |
- |
Christian Graf von Krockow: Porträts
berühmter deutscher Frauen. Von Königin
Luise bis zur Gegenwart
München 2001. |
- |
Rainer Rother: Leni Riefenstahl. Die Verführung
des Talents
Berlin 2000. |
- |
Susan Sontag: Im Zeichen des Saturn
München/Wien 1981. |
- |
Angelika Taschen: Leni Riefenstahl. Fünf
Leben
Köln 2000. |
- |
Jürgen Trimborn: Riefenstahl. Eine
deutsche Karriere
Berlin 2002. |
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