1/2003

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Ausstellungen

 

"Leni Riefenstahl"

Ausstellung zu Leben und Werk

Sie schuf die effektvollsten Propagandafilme des Dritten Reiches und galt als Lieblings- Regisseurin Hitlers. Verehrt, verachtet und verklärt wird Leni Riefenstahls Lebenswerk. Die mittlerweile Hundertjährige zählt zu den einflussreichsten Filmemachern, aber auch zu den umstrittensten.

Nach einer kurzen Karriere als Tänzerin wandte sich Leni Riefenstahl dem Film zu: 1926 gab sie ihr Debüt als Schauspielerin in "Der heilige Berg" von Arnold Fanck, dem Pionier des Bergfilms, unter dessen Regie sie in fünf weiteren Filmen die weibliche Hauptrolle spielte und zu einer bekannten Schauspielerin wurde. Ihr erster eigener Spielfilm "Das blaue Licht" (1932) stellt auf romantisch-märchenhafte Weise den Gegensatz zwischen Naturverherrlichung und -ausbeutung dar. Doch sind es Riefenstahls im Dritten Reich entstandene Filme, die bis heute die Aufmerksamkeit der Kritiker und darüber hinaus einer ästhetisch und historisch interessierten öffentlichkeit auf sich ziehen: "Triumph des Willens" über den Nürnberger Parteitag 1934 und der zweiteilige Film "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit" über die Olympischen Spiele von 1936.

Die 32-jährige Riefenstahl in einem am Fahnenmast angebrachten Fahrstuhl bei den Dreharbeiten zu "Triumph des Willens"

Leni Riefenstahl bei Dreharbeiten zu ihrem ersten eigenen Spielfilm "Das blaue Licht", 1932

   

Riefenstahl wurde nach Kriegsende zeitweise unter Arrest gestellt und 1949 schließlich als "Mitläuferin" eingestuft. In zahlreichen, teilweise Aufsehen erregenden Prozessen verwahrte sie sich gegen Verleumdungen und Kritik an ihrer Rolle im Dritten Reich. Sie versucht sich auch heute noch als unpolitische, allein künstlerischen Idealen verpflichtete Filmemacherin darzustellen. In den 1960er Jahren gelang ihr ein Comeback mit Fotografien von den Nuba, einem bis dahin von der Zivilisation noch weitgehend unberührten schwarz-afrikanischen Volksstamm. In den 1970er Jahren entdeckte sie die Unterwasserfotografie als neues Betätigungsfeld.

Die Ausstellung im Haus der Geschichte zeigt, wie sich in Riefenstahls Werk zwei gegenläufige Entwicklungen kreuzen: eine innovative filmtechnische und -ästhetische Praxis und Inhalte, die von rückwärtsgewandter Ideologie geprägt sind. Angesichts dieser "Doppelgesichtigkeit" verfolgt die Ausstellung zwei Themenstränge: Auf der einen Seite stellt sie die entscheidenden Stationen im Leben von Leni Riefenstahl und die jeweiligen zeithistorischen Entstehungs- und Wirkungsbedingungen ihrer Arbeiten dar. Im Zentrum des Interesses stehen in diesem Zusammenhang die Verflochtenheit der Regisseurin mit dem Nationalsozialismus, der ideologische Gehalt und die Propagandafunktion ihrer Filme. Auf der anderen Seite lernt der Besucher anhand beispielhafter Sequenzen aus Riefenstahls Filmen die für das Gesamtwerk kennzeichnenden Motive und Techniken kennen. Der Längsschnitt durch das Werk lässt die inhaltliche Kontinuität erkennen: ein Set an Motiven, die in Riefenstahls Arbeiten - vom Bergfilm bis zur Unterwasserfotografie - in verschiedener Gestalt immer wiederkehren. Dabei bekommt der Besucher einen Einblick in die von ihr eingeführten filmtechnischen und gestalterischen Neuerungen.

Beispiele aus Fotografie und Werbung veranschaulichen, dass die "Riefenstahl-Ästhetik" bis heute die Bildsprache in Kunst und Massenmedien inspiriert.

Andrea Mork

Telegramm an Adolf Hitler mit Dank für den Nationalen Filmpreis 1935, verliehen für "Triumph des Willens"

Diplom des Internationalen Olympischen Komitees für Leni Riefenstahl

Die Ausstellung wird im Haus der Geschichte vom 13. Dezember 2002 bis zum 2. März 2003 gezeigt.

Leni Riefenstahl

22.8.1902   

geboren in Berlin

1923-1925

Tanzkarriere

1926

Beginn der Schauspielkarriere. Bis 1933 entstehen unter der Regie von Arnold Fanck sechs Spielfilme mit Riefenstahl als weiblicher Hauptdarstellerin.

1932

In "Das blaue Licht" führt sie erstmals selbst Regie.

1935

"Triumph des Willens"

1938

Uraufführung von "Olympia" zu Ehren von Hitlers Geburtstag. Boykott des Films in den USA

1939

Kriegsberichterstatterin in Polen

ab 1940

Dreharbeiten zu "Tiefland"

1949

Entnazifizierung.
Riefenstahl wird als "Mitläuferin" eingestuft.

1949-1952   

Prozesse gegen die Zeitschrift "Revue" wegen Artikel über Zwangsverpflichtung von Zigeunern für "Tiefland" und Riefenstahls Rolle in Konskie/ Polen.

1954

Uraufführung von "Tiefland"

ab 1962

Afrikareisen

1973

Fotobände über die Nuba.
Erste Tauchexpeditionen

2002

"Impressionen unter Wasser"

> Links zum Thema:
www.leni-riefenstahl.de
(Homepage von Leni Riefenstahl)
www.ruhr-uni-bochum.de/riefenstahl/n_
websites_internetpraesenz_ergebnisse.shtml

(ausführliche Linksammlung)
www.mdr.de/kultur/film/254750.html
(Interview, Hintergrundartikel, Kommentare)

Aktuelle Bücher zum Thema:

-  

Hilmar Hoffmann: Mythos Olympia. Autonomie und Unterwerfung von Sport und Kultur
Berlin/Weimar 1993.

-

Filmmuseum Potsdam (Hg.): Leni Riefenstahl
Berlin 1999.

-

Christian Graf von Krockow: Porträts berühmter deutscher Frauen. Von Königin Luise bis zur Gegenwart
München 2001.

-

Rainer Rother: Leni Riefenstahl. Die Verführung des Talents
Berlin 2000.

-

Susan Sontag: Im Zeichen des Saturn
München/Wien 1981.

-

Angelika Taschen: Leni Riefenstahl. Fünf Leben
Köln 2000.

-

Jürgen Trimborn: Riefenstahl. Eine deutsche Karriere
Berlin 2002.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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