Sitemap Kontakt Impressum

 Inhalt

 Übersicht                                 
 Titel                                               
 Nicht länger geheim
 Deckname "Anna"
 "Das unsichtbare Visier"
 Ausstellungen                        
 Partnermuseen                     
 Infothek                                    
 Brennpunkt                             
 Zeitgeschichtliches
 Forum Leipzig                         
 Das Historische Rezept        
                       
 Editorial 1/2003                       
 Termine 1/2003                      
 Archiv                
 Impressum 1/2003                
 Kontakt                
                       
                                        
 aktuelle Ausgabe                  

 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

Archiv

Titel

 

Deckname "Anna"

Der Fall Alfred Frenzel

Ein Blick in die Asservatenkammer des Bundeskriminalamts verrät, was zum Handwerkszeug eines Spions gehört: neben Kameras, Funkgeräten, Radios auch so genannte Container - Verstecke für geheime Dokumente, Kameras und Filme. Unter ihnen jene 60 cm hohe bronzene Frauenstatue, die Beamte im Oktober 1960 bei dem SPD-Bundestagsabgeordneten Alfred Frenzel beschlagnahmen.

28. Oktober 1960: Zwei Männer werden am Frankfurter Flughafen unter Spionageverdacht festgenommen. Die beiden entpuppen sich als Kuriere des tschechoslowakischen Geheimdienstes. Die Spur führt zu dem SPD-Politiker Alfred Frenzel, der unter anderem im Verteidigungsausschuss sitzt.

Die Ermittlungen ergeben: Frenzel wurde zur Spionage erpresst. Unter anderem war er während seiner Zeit als Mitglied der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (1922-1934) in zwielichtige Affären um Rauschgift und gefälschte Kontobücher verwickelt. Als 1953 - er stand kurz davor, in den Bundestag gewählt zu werden - ein Mitglied des "Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten" öffentlich seine Vergangenheit anprangert, verklagt Frenzel diesen wegen übler Nachrede und leistet einen Meineid. Unter Hinweis auf sein Vorleben erpresst ihn der tschechoslowakische Geheimdienst 1956 zur Zusammenarbeit. Unter dem Decknamen "Anna" liefert er von nun an Material. Später sagt er vor Gericht aus: "Ich habe oft daran gedacht, Schluss zu machen, mich der Polizei zu stellen und den Schaden wieder gut zu machen ..., aber dann habe ich doch nie den Mut zu diesem letzten Schritt gefunden."

Am 28. April 1961 verurteilt der Bundesgerichtshof Alfred Frenzel zu 15 Jahren Freiheitsentzug wegen Landesverrats. Die Bundesrepublik tauscht ihn 1966 aus, zwei Jahre später stirbt er in der Tschechoslowakei.

Frenzels Frauenstatue wandert nach dem Prozess als Vergleichsmittel in die Regale des Bundeskriminalamts nach Meckenheim. Die nackte Schönheit weist eine Besonderheit auf: Sie ist ein so genannter gefährlich gesicherter Container. Bei unsachgemäßer Öffnung wäre eine Sprengladung explodiert, die das Geheimmaterial, versteckt im Marmorfuß, hätte vernichten sollen. Versehentlich war der Sprengsatz überdimensioniert worden, ausgelöst hätte er auch einen Menschen schwer verletzen können. Die ermittelnden Beamten hatten jedoch Glück. Sie entschärften den Sprengsatz rechtzeitig.

Katja Augustin

Nackte Schönheit - gefährlicher Inhalt

Frenzels Container war "gefährlich gesichert", bei unsachgemäßer Öffnung wäre eine Sprengladung explodiert und das Geheimmaterial vernichtet worden.

Alfred Frenzel

18.9.1899

in Böhmen geboren

1922-1934

Mitglied der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei

1934

Mitglied der Deutschen Sozialistischen Arbeiterpartei (DSAP) der Tschechoslowakei

1938

Emigration nach England; arbeitet in einer tschechischen Einheit der Royal Air Force

Dezember 1946  

Übersiedelung in die Bundesrepublik Deutschland

ab 1946

Mitglied der SPD

seit 1953

Mitglied im Deutschen Bundestag

seit 1957

Mitglied des Verteidigungsausschusses

April 1961

Prozess

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

zum Seitenanfang