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Sturz einer ganzen Weltordnung

Symposion zur Epochenwende 1989

Epochenwende und Europäisierungsschub - Symposion zum 9. Oktober 1989

Epochenwende und Europäisierungsschub - Symposion zum 9. Oktober 1989

Am 9. Oktober 1989 schließt der Strom der Demonstranten zum ersten Mal den Ring um die Leipziger Innenstadt. Damit die große Montagsdemonstration gegen das DDR-Regime nicht in Vergessenheit gerät, wählte man das Datum zum Veranstaltungstag für das jährlich stattfindende Symposion zum Thema "Zeitfragen".

Dieses Jahr waren 17 Historiker, Politiker und Publizisten eingeladen, über Herausforderungen nach dem Ende des Kalten Kriegs zu referieren und zu diskutieren.

In den fast 13 Jahren, die seit dem Fall der Mauer vergangen sind, ist Deutschland mehr und mehr zusammengewachsen. Dennoch gibt es Menschen, die "zwischen zwei Ufern treiben, vom einen abgestoßen und am anderen noch nicht angekommen" meinte Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee in seiner Begrüßungsrede. Die internationale Bedeutung des Mauerfalls thematisierte anschließend Dan Diner, Direktor des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur. Da das Verhältnis von Ost und West zur "politischen und sozialen Sprache" geworden wäre, hätte der Mauerfall den "Sturz einer ganzen Weltordnung" mit sich gebracht. Diner wies auch darauf hin, dass nach 1989 die deutschen Grenzen erstmals wieder nach Jahrzehnten sowohl von innen als auch von außen akzeptiert wurden. Diese Meinung vertrat auch Horst Möller, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München. Er betonte außerdem den "Europäisierungsschub", den die Wende mit sich gebracht habe.

Die zweite Diskussionsrunde erörterte den Wertewandel nach dem Ende des real existierenden Sozialismus, wonach man zum letzten Veranstaltungsthema überging: Dem kulturellen Wandel im wiedervereinten Deutschland. Nachdem der Vortrag der Kulturpolitikerin Edda Seiffert die nötigen Anknüpfungspunkte geliefert hatte, entwickelte sich auch zu diesem Thema schnell eine Diskussion auf dem Podium.

Friedrich Schorlemmer, Wolfgang Tiefensee und Dan Diner (v.l.n.r.) bei der anschließenden Diskussion

Einig war man sich darüber, dass die unterschiedlichen Erfahrungen der Bewohner beider deutscher Staaten bis heute mit in die Kunst einfließen. Die Schriftstellerin Helga Schubert gab der letzten Diskussionsrunde eine persönliche Note: Ihre Erzählungen sorgten dafür, dass das Publikum bei all den theoretischen Debatten nicht den menschlichen Teil der Geschichte vergaß. Denn schließlich ist gerade der Fall der Mauer ein Ereignis, zu dessen gewaltlosem Verlauf viele Bürger selbst beigetragen haben. Sie haben der Demokratie zum Sieg verholfen - ohne Gewalt, was Eberhard Jäckel, Professor für neuere Geschichte, als "schwer erklärlich" bezeichnete, wofür aber "die Demonstranten in Leipzig ihren Teil geleistet haben".

Livia Loosen

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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