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Engelchens Himmelfahrt
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Politische Fotografie in der Rückschau |
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Mediengerechte Inszenierungen
oder politische Posen -
die "Rückblende 2003" zeigt
Arbeiten von Bildjournalisten
und Karikaturisten zum politischen
Leben in Deutschland
im vergangenen Jahr. Als gemeinsamer
Wettbewerb wird
sie veranstaltet von der
Landesvertretung Rheinland
Pfalz und dem Bundesverband
Deutscher Zeitungsverleger
in Kooperation mit
Bundespressekonferenz,
"Der Spiegel", AGFA und Leica
Camera.
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Menschen ohne politische Masken - klassische Porträtaufnahmen von Jens Neumann |
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Die Frau, die gern Gerhard Schröders
Nachfolgerin werden möchte, ist 2003 die
Hauptperson im Hintergrund auf dem Gewinner-Foto
von Nicole Maskus. Auf dem Leipziger
Parteitag der CDU 2003 scheint Angela
Merkel hinter einer applaudierenden Männerriege
(plus einer Frau) unaufhaltsam aufzusteigen.
Die prämierte Aufnahme aber ist mehr
als die Apotheose einer neuen Kultfigur. Merkels
Bild erscheint mehrfach gebrochen. Es ist,
erstens, nicht das Foto von der Rednerin
am Pult, sondern von ihrer Großbildprojektion
an der Hallenwand. Zu dieser Bild-im-Bild-Brechung
kommt, zweitens, ein spezieller Effekt: Die
Fotografin hat gerade den Moment erwischt,
in dem die Regie die Großbildübertragung von
Merkel auf den Saal mit den applaudierenden
CDU-Delegierten überblendet. Das ergibt ein
magisches Doppelbild, auf dem die Parteibasis
durch den Bauch ihrer Vorsitzenden schimmert,
das Glitzern der Scheinwerfer ihr Gesicht
durchzieht und die ganze Szenerie in ein
überirdisches Blaulicht getaucht ist. Weil, drittens,
Nicole Maskus mit der relativ langen Verschlusszeit
von 1/30 arbeitete, sind Arme und
Hände durch die Bewegungsunschärfe verwischt
wie zu zwei kleinen Flügeln, als würde
Angela Merkel gleich in ungeahnte Höhen abheben.
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Bei so viel männlicher Begeisterung möchten einem Flügel wachsen - Angela Merkel im politischen Himmel. |
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Dass die realistische Fotografie ein fast irreales
Bild der Politinszenierung liefert, ist
nicht allein das Ergebnis kalkulierter Effekte.
"Eine Portion Glück" gehört für Nicole Maskus
dazu. Bewusst gewählt hat sie nur ihren
Standort am Schluss der Rede. Der Rest -
Überblendung, Unschärfe oder Lichtwirkung
- ist Zufall oder Glück des richtigen Augenblicks.
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Auf diese Helfer sind alle Teilnehmer des
Wettbewerbs angewiesen, wenn sie ungewöhnliche
Ansichten bieten wollen. Die Standard-Termine
des Berliner Politbetriebs bieten
wenig Abwechslung. Besonders festgelegt ist
das Fotografierritual beim Bundesverfassungsgericht
in Karlsruhe. Die Fotografen müssen
sich auf einem engen, festgelegten Standplatz
drängen. Wolfgang Truckenbrodt hat trotz dieser
Beschränkungen ein Foto zu Stande gebracht,
dem die Jury den dritten Preis zuerkannte.
Sein Glück: Diesmal war auch ein
Fotografenplatz direkt hinter der Beschwerdeführerin
Fereshta Ludin freigegeben, und vor
der Lehramtsanwärterin mit dem Kopftuch
stand just eine andere Frau in einem deutschen
Staatsamt mit einer ebenfalls speziellen
Kopfbedeckung, die Verfassungsrichterin Gertrude
Lübbe-Wolff.
Jens Neumann, der zweite Preisträger, hat
sich gar nicht erst den Zwängen einer vorgegebenen
Foto-Situation ausgeliefert. Heraus
kam eine klassische Porträtaufnahme. Beschönigt
wird nichts. Diese unvoreingenommene,
neutrale Betrachtungsweise hat dann beinahe
etwas Enthüllendes: Hinter der Maske des Politprofis
steckt auch ein Mensch.
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Im Namen des Volkes: Zwei Frauen, zwei Kopfbedeckungen und eine Entscheidung, die für heftige Diskussionen sorgte. |
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Michael Schmidt-Klingenberg |
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Michael Schmidt-Klingenberg
ist Autor im Bereich "Deutsche Politik"
beim "Spiegel". Den vollständigen Text
können Sie im Ausstellungskatalog nachlesen,
der über die Landesvertretung Rheinland-Pfalz,
Pressestelle, In den Ministergärten 6,
10117 Berlin bezogen werden kann.
> www.landesvertretung.rlp.de
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Die Ausstellung
"Rückblende 2003" ist vom
9. März bis 12. April 2004
im Haus der Geschichte
in Bonn zu sehen. |
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