1/2004

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Die Gründung der NATO

Aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs entsteht vor 55 Jahren am 4. April 1949 die NATO. Erstmals gaben die Vereinigten Staaten von Amerika ihr politisches Credo - "no entangling alliances" - auf, schworen dem Isolationismus ab und verknüpften ihr Schicksal dauerhaft mit dem Europas.

Anfang 1948 ergriffen die Westeuropäer die Chance, die ihnen der Marshall-Plan bietet. Die massive Wirtschaftshilfe der Vereinigten Staaten lässt neue Strukturen und Organisationen entstehen. Dennoch hält der sowjetische Druck unvermindert an. In Prag bringt ein Staatsstreich ein weiteres kommunistisches Regime an die Macht. Als Reaktion schließen sich Großbritannien, Frankreich und die Benelux-Staaten im Brüsseler Vertrag, einem auf 50 Jahre geschlossenen Verteidigungsbündnis zusammen. Eines der Ziele ist, den Amerikanern den Ernst der Lage und den Willen zur Selbstverteidigung zu verdeutlichen. Letztlich wird das Signal von der Administration des Präsidenten Truman aufgegriffen, allerdings bleibt der isolationistische Widerstand noch ungebrochen.

Die Berlin-Blockade im Sommer 1948 bringt die Wende. Stalin schneidet die lebenswichtigen Zugangswege zu den drei Westsektoren der geteilten Hauptstadt ab. Die USA nehmen die Herausforderung an und entschließen sich zu einer Luftbrücke in einem bis dahin nie gesehenen Ausmaß. Die Frage der Sicherheit Europas und Westdeutschlands rückt in das Zentrum amerikanischer Überlegungen und schafft die Bereitschaft, in langwierigen Geheimverhandlungen eine verbindliche Partnerschaft - "entangling alliance" - mit den Europäern zu schließen. Amerika erklärt sich auch bereit, die europäische Integration und die deutsche Aufrüstung zur gemeinsamen Verteidigung gegen die totalitäre Bedrohung aus dem Osten zu fördern.

Der Sinnkrise des Bündnisses nach dem Kalten Krieg, folgte die Erweiterung nach Osten. Plakat aus dem Jahr 1955

Am 4. April 1949 unterzeichnen die USA, Kanada und zehn europäische Staaten in Washington den NATO-Vertrag. 1955 wird die Bundesrepublik Deutschland feierlich in das Bündnis aufgenommen. Die Unterzeichnerstaaten verpflichten sich, "die Freiheit, das gemeinsame Erbe und die Kultur ihrer Völker, die auf den Prinzipien von Demokratie, individueller Freiheit und Rechtsstaatlichkeit gründen, zu schützen". Diese Werte gelten unverändert weiter. 55 Jahre nach ihrer Gründung befindet sich die Nordatlantische Allianz mitten in einem fundamentalen Wandel, der bis heute andauert und in dem die Weichen für die Rolle des Bündnisses im 21. Jahrhundert gestellt werden. Der Blick auf die Geschichte zeigt, dass die NATO von Beginn an ein empfindliches Instrument der Friedenssicherung war, das von Krise zu Krise an Stabilität gewann, weil es sich fähig erwies, mit inneren Spannungen und Herausforderungen von außen fertig zu werden.

Hans-Joachim Harder

Der Autor
Dr. Hans-Joachim Harder ist
Abteilungsleiter für Historische
Bildung im Militärgeschichtlichen
Forschungsamt in Potsdam. Zuvor war
er für die Forschungen in den
Projekten "Anfänge des Nordatlantischen
Bündnisses" und "Geschichte der
Bundeswehr" verantwortlich.
Im Mai 2004 wird er die Leitung
des Bundesarchiv-Militärarchivs
in Freiburg i. Br. übernehmen.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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