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Editorial 1/2004

 

Editorial

"Inspiration wie Schmerz"

Neue Ausstellung über Deutsche, Tschechen und Slowaken

"Das Verhältnis zu Deutschland bedeutet für uns mehr als bloß eines der vielen Themen unserer Diplomatie. Deutschland ist unsere Inspiration wie unser Schmerz". Mit diesen Worten beschrieb Václav Havel 1995 die Bedeutung des Nachbarn für seine Landsleute. Zwei Jahre später erklärte der tschechische Staatspräsident nach Unterzeichnung der "Deutsch- Tschechischen Erklärung" im Deutschen Bundestag, niemand sei so naiv "zu glauben, die Erklärung sei ein Zauberstab, der all die bitteren Erfahrungen, die im 20. Jahrhundert unser Zusammenleben beeinträchtigten", verschwinden lassen könne.

Unsere Ausstellung "Nähe und Ferne. Deutsche, Tschechen und Slowaken", die wir am 17. März 2004 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig eröffnen, bewegt sich in diesem spannungsreichen und wechselhaften Mit- und Gegeneinander von Deutschen, Tschechen und Slowaken. In einem umfassenden Rückblick gehen wir der Entwicklung seit 1918 nach.

Wir erinnern an die unterschiedlichen Erfahrungen des Zusammenlebens in der ČSR, an das Schicksalsjahr 1938 und die Folgen nationalsozialistischer Expansionspolitik und Gewaltherrschaft. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die historischen Ereignisse seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Vielleicht können wir durch unsere Arbeit mithelfen, dass sich die Sehnsucht von Deutschen, Tschechen und Slowaken nach Verständigung und Versöhnung erfüllt und damit zur Festigung des Friedens in Europa beiträgt. Dass dies gelingen könne, war die feste Überzeugung der "Väter" des Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit, den Helmut Kohl und Václav Havel 1992 für die Bundesrepublik und die Tschechische und Slowakische Föderation unterschrieben.

Am 1. Oktober 2003 eröffneten wir im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums in Berlin die vollständig neu bearbeitete Ausstellung "Bilder, die lügen", die 1998 mit großem Erfolg im Haus der Geschichte, 2000 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig und danach im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main zu sehen war. Die Präsentation in Berlin bildete den Auftakt zur Weitergabe unserer neuen Wanderausstellung. In den vier Monaten der Präsentation sahen über 120.000 Besucher die Ausstellung - ein großartiger Erfolg sowohl für die beiden Bundesmuseen, die nun schon viele Jahre erfolgreich kooperieren, wie auch für die Bundeszentrale für politische Bildung, deren finanzielle Unterstützung uns die Realisierung des Projekts ermöglichte.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Am 14. Juni 2004 feiern wir den 10. Jahrestag unserer Eröffnung durch Bundeskanzler Helmut Kohl - Grund genug, Bilanz zu ziehen und neue Ziele zu stecken. Ein vielfältiges Programm wird - dem Anlass entsprechend - Gelegenheit zu Gedankenaustausch bieten und Perspektiven aufzeigen. Für die nächsten zehn Jahre haben wir uns viel vorgenommen und freuen uns auf Ihren Besuch. Lassen Sie sich überraschen!


Wünscht herzlich

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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