1/2004

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Drei Zaubernüsse und eine Revolution

Filme und Fernsehserien aus der ČSSR

Anfang der 1960er Jahre beginnt in der ČSSR die "neue Welle des tschecho-slowakischen Films". Am Ende dieses Jahrzehnts existiert eine lebendige, innovative und international stark beachtete Filmszene, die mit Regisseuren wie Jiří Menzel, Vĕra Chytilová und Milos Forman Weltruhm erlangt.

Die gewaltsame Niederschlagung des "Prager Frühlings" bedeutet das vorläufige Ende der künstlerischen Freiheiten in der Tschechoslowakei. Viele Regisseure und Drehbuchautoren ziehen sich in die wenigen Nischen zurück, die ihnen bleiben. Kinderfilme bieten sich als ein Ausweg an, der Zensur zu entkommen und weiterhin einigermaßen ungestört zu arbeiten.

Drehbücher müssen zwar den Zensurbehörden vorgelegt werden, aber "es war ja nur für Kinder". Selten gibt es Eingriffe in die Arbeit. "Vielleicht gab es bei uns deshalb so viele Märchenfilme", sagt Václav Vorlíček, der Regisseur von "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Eine große Anzahl renommierter Regisseure und Drehbuchautoren widmen sich Märchen- und Kinderfilmen und revolutionieren das Genre geradezu. Die tschechischen Kinderfilme aus den 1970er Jahren gelten deshalb mit ihrem hohen Produktionsstandard noch heute als beste Märchenfilme weltweit.

... die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen: Der Schuh ist nicht zu klein, den sich 1973 der Regisseur Vorlíček angezogen hat.

"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", eine Koproduktion der ostdeutschen DEFA und dem Prager Filmstudio Barrandov aus dem Jahre 1973 ist einer der beliebtesten und bekanntesten Märchenfilme und wird noch heute jedes Jahr wenigstens einmal sowohl im deutschen als auch im tschechischen Fernsehen gezeigt. Der Film erfreut sich nicht nur einer ungeheuren Popularität beim Publikum, auch Kritiker und Filmtheoretiker heben die emanzipierte und selbstbewusste Hauptfigur als beispielhaft hervor. Sogar eine eigene umfangreiche Homepage hat ihm ein Fan liebevoll gewidmet!

Ebenso populär sind Fernsehserien aus der Tschechoslowakei in der Bundesrepublik und der DDR in den 1970er und 1980er Jahren. "Das Krankenhaus am Rande der Stadt" und "Die Frau hinter dem Ladentisch" sind wohl die bekanntesten, wenn auch nicht die einzigen Serien, die den Weg von Prag nach Deutschland finden. Die Serie um das Kreisspital im fiktiven Städtchen Bor wird in einundzwanzig Ländern ausgestrahlt, und je eine Romanversion liegt auf Deutsch sowohl in der DDR (1987) als auch in der Bundesrepublik (1985) vor. Mittlerweile ist im tschechischen Fernsehen sogar eine Fortsetzung unter dem Titel "Das Krankenhaus am Rande der Stadt nach zwanzig Jahren" angelaufen, die an die alte Serie anknüpft.

Daniel Weißbrodt

> www.dreihaselnuessefueraschenbroedel.de

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