1/2004

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Ein Kessel Ostalgie

DDR-Shows unter der Lupe

Nach Erfolgen von "Sonnenallee", "Good bye, Lenin" und "Zonenkinder" erobern DDR-Shows in der zweiten Hälfte des Jahres 2003 den abendlichen Fernsehhimmel. DDR-Partys mit neu aufgelegten DDR-Marken in angeblich "kultigen DDR-Klamotten" erfreuen sich überraschender Beliebtheit.

Grundtendenz all dieser Shows: die bedrückenden Erinnerungen an die zweite deutsche Diktatur, ihre Unterdrückungen und Schikanen verdrängen oder auf Bruchstücke reduzieren. Die Diktatur erscheint zunehmend schön und gemütlich. Trabi, Tempo-Linsen, der Sänger Frank Schöbel, Katarina Witt in Pionierbluse und der Ost-Winnetou Gojko Mitic stehen plötzlich im Zentrum des Interesses. Das dreißigste Jubiläum der "Weltfestspiele der Jugend und Studenten" wird zelebriert und die DDR zum Kult. In Leipzig sollte als Gag ein Schauspieler in der Uniform eines Abschnittsbevollmächtigten der Volkspolizei Stadtführungen übernehmen - eine Beleidigung für alle, die schmerzhaft erfahren hatten, dass diese Polizisten die Aufgaben hatten, Menschen zu überwachen und mit der Staatssicherheit zusammenzuarbeiten.

Erinnerung an die gute, alte Zeit: eine Zeitung für die Proletarier aller Länder, Kaugummis, Kleber und die Zehn Gebote für den sozialistischen Menschen.

Die Shows sind wie Sand im Wüstenwind zerronnen. Der Schluss liegt nicht fern, es habe sich um eine ganz spezifische Form der Aufarbeitung der Vergangenheit gehandelt, die allerdings dadurch diskreditiert wurde, dass die Fernsehmoderatoren die Symbole der untergegangenen Diktatur zeigten und ihre Uniformen trugen. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Alltag der Ostdeutschen vor 1989 haben die quotenorientierten Shows eher erschwert, den Blick des Westens auf die Neuen Bundesländer zu lenken, haben sie nicht geschafft. Zurückbleiben wird ein Missbehagen darüber, durch eine hysterische Ostalgie den Opfern der Diktatur Unrecht getan zu haben.

Deutlich wurde, dass der Prozess der mentalen Annäherung der Deutschen in Ost und West langwieriger und komplizierter ist als oft angenommen. Künftig sollte einer seichten (N)Ostalgie standhafter widerstanden und die Erinnerung an Diktatur und Widerstand nachhaltiger gestaltet werden. Geschichtsforschung und zeithistorische Museen sind gefordert, zu einer reflektierten Geschichtsdiskussion zwischen den Bewohnern im vereinten Deutschland beizutragen und in einem engagierten Sinn aufklärerisch zu wirken. Aufgaben, denen sich die Stiftung Haus der Geschichte an ihren beiden Standorten Bonn und Leipzig verpflichtet fühlt.

Rainer Eckert

Auferstanden aus Ruinen: Der untergegangene Arbeiter- und Bauernstaat erlebte im Fernsehen nur eine kurze Renaissance

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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