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Nach Erfolgen von "Sonnenallee",
"Good bye, Lenin"
und "Zonenkinder" erobern
DDR-Shows in der zweiten
Hälfte des Jahres 2003 den
abendlichen Fernsehhimmel.
DDR-Partys mit neu aufgelegten
DDR-Marken in
angeblich "kultigen DDR-Klamotten"
erfreuen sich überraschender
Beliebtheit.
Grundtendenz all dieser Shows: die bedrückenden
Erinnerungen an die zweite deutsche
Diktatur, ihre Unterdrückungen und
Schikanen verdrängen oder auf Bruchstücke
reduzieren. Die Diktatur erscheint zunehmend
schön und gemütlich. Trabi, Tempo-Linsen,
der Sänger Frank Schöbel, Katarina Witt in
Pionierbluse und der Ost-Winnetou Gojko Mitic
stehen plötzlich im Zentrum des Interesses.
Das dreißigste Jubiläum der "Weltfestspiele
der Jugend und Studenten" wird zelebriert
und die DDR zum Kult. In Leipzig sollte als
Gag ein Schauspieler in der Uniform eines
Abschnittsbevollmächtigten der Volkspolizei
Stadtführungen übernehmen - eine Beleidigung
für alle, die schmerzhaft erfahren hatten,
dass diese Polizisten die Aufgaben hatten,
Menschen zu überwachen und mit der Staatssicherheit
zusammenzuarbeiten.
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Erinnerung an die gute, alte Zeit: eine Zeitung für die Proletarier aller Länder, Kaugummis, Kleber und die Zehn Gebote für den sozialistischen Menschen. |
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Die Shows sind wie Sand im Wüstenwind
zerronnen. Der Schluss liegt nicht fern, es
habe sich um eine ganz spezifische Form der
Aufarbeitung der Vergangenheit gehandelt, die
allerdings dadurch diskreditiert wurde, dass
die Fernsehmoderatoren die Symbole der untergegangenen
Diktatur zeigten und ihre Uniformen
trugen. Eine wirkliche Auseinandersetzung
mit dem Alltag der Ostdeutschen vor
1989 haben die quotenorientierten Shows
eher erschwert, den Blick des Westens auf
die Neuen Bundesländer zu lenken, haben sie
nicht geschafft. Zurückbleiben wird ein Missbehagen
darüber, durch eine hysterische Ostalgie
den Opfern der Diktatur Unrecht getan
zu haben.
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Deutlich wurde, dass der Prozess der mentalen
Annäherung der Deutschen in Ost und
West langwieriger und komplizierter ist als
oft angenommen. Künftig sollte einer seichten
(N)Ostalgie standhafter widerstanden und die
Erinnerung an Diktatur und Widerstand nachhaltiger
gestaltet werden. Geschichtsforschung
und zeithistorische Museen sind gefordert, zu
einer reflektierten Geschichtsdiskussion zwischen
den Bewohnern im vereinten Deutschland
beizutragen und in einem engagierten
Sinn aufklärerisch zu wirken. Aufgaben, denen
sich die Stiftung Haus der Geschichte an
ihren beiden Standorten Bonn und Leipzig
verpflichtet fühlt.
Rainer Eckert
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Auferstanden aus Ruinen: Der untergegangene Arbeiter- und Bauernstaat erlebte im Fernsehen nur eine kurze Renaissance |
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