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Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

 

Zwischen Reformbereitschaft
und Stagnation

Symposion zum 9. Oktober 1989

Zum fünften Mal diskutierten am Jahrestag der großen Montagsdemonstrationen Politiker, Journalisten und Wissenschaftler im Zeitgeschichtlichen Forum auf dem Symposium "Wie zusammenwächst, was zusammen gehört" über den Stand des deutschen Vereinigungsprozesses.

Die Bilanz der Entwicklung seit der friedlichen Revolution von 1989, die der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Wolfgang Böhmer, zog, war zunächst beeindruckend: Die deutsche Wiedervereinigung sei ein Glücksfall der Geschichte gewesen, auch wenn viele Erfolge heute vergessen oder selbstverständlich geworden seien. Die beiden ehemaligen Teilstaaten würden sich immer mehr angleichen, auszumachen im Lebensalltag, in der Kinderzahl, in der Scheidungsquote und im Berufswunsch von Frauen. Bei der Jugend näherten sich Vorstellungen, Werte und Durchsetzungsvermögen immer stärker einander an.

Ministerpräsident Wolfgang Böhmer, umrahmt von Hermann Schäfer und Rainer Eckert, im Zeitgeschichtlichen

Auch wenn die Menschen in der DDR 1989/90 selbst den Wunsch hatten, möglichst komplett das System der Bundesrepublik zu übernehmen, bleibt die Frage, ob von der DDR mehr hätte erhalten werden können. Entsprechend gab es Diskussionen um die Form des Anpassungsprozesses, der auf Gleichartigkeit der Lebensverhältnisse, nicht auf Gleichmacherei abzielen sollte. Der Leiter des Bonner Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, Prof. Meinhard Miegel, kritisierte, dass die Veränderungsgeschwindigkeit in Deutschland grundsätzlich zu gering und die Deutschen nicht reformbereit wären. Ob der Weg aus der Stagnation der Wirtschaftsleistung heraus nur darin bestehen könne, die Arbeitskosten gering zu halten, bestritt Werner Schulz, aus der Bürgerbewegung der DDR stammendes heutiges Mitglied des Bundestags. Ein Konzept für die Zukunft stehe noch aus.

Beide Hälften Deutschlands sind unbestritten auf dem schwierigen Weg ihres Zusammenwachsens gut vorangekommen. Auch wenn nicht zu übersehen ist, dass dieser Weg steiniger und langwieriger war und auch in Zukunft sein wird, als dies 1990 zu ahnen war. Ein wichtiger Teil der Annäherung der Deutschen aus Ost und West war in den vergangenen Jahren Auseinandersetzung mit deutscher Zeitgeschichte. Hier ist bereits viel erreicht worden.

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, auf dem Podium

Rainer Eckert

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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