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Zeitgeschichtliches Forum Leipzig |
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Das Werk eines Zuckerbäckers
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Vorzeigewohnungen in den 1950er Jahren |
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Das von der SED beschlossene
"Nationale Aufbauprogramm"
von 1951 folgte dem
Kurs der Sowjetunion: Die
Städtebauer sollten Paläste
für die Werktätigen errichten.
Einige davon entstanden
1952 in der "ersten sozialistischen
Straße Deutschlands",
in der Stalinallee.
Wie die Menschen dort
wohnten und wohnen zeigt
die Ausstellung "Leben hinter
der Zuckerbäckerfassade"
bis Ende Februar.
21. Dezember 1952, Stalins Geburtstag:
In der provisorisch hergerichteten Staatsoper
Berlin erhalten 677 Arbeiter, 322 Angestellte
und 149 "Angehörige der Intelligenz" feierlich
ihre Zuweisung für eine der begehrten "Vollkomfortwohnungen"
in der Stalinallee. Das
"Neue Deutschland" betont die Zusammensetzung
der Mieter, gilt es doch zu belegen, dass
nicht Parteibonzen, sondern Arbeiter die sozialistischen
Luxuswohnungen erhalten. Die
vierzehn monumentalen Gebäude der Stalinallee
bieten ungewohnten Komfort: Zentralheizung,
geflieste Badezimmer, Parkett, Aufzug,
Müllschlucker. Und sie sind Prestigeobjekte
der SED-Regierung.
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Plakatmotive werben 1953 für "die erste sozialistische Straße Deutschlands". |
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"Die Stalinallee ist der
Grundstein zum Aufbau des Sozialismus", so
Walter Ulbricht 1952. Materialien wie Meißner
Keramik und reichhaltige Ornamente
verstärken die verspielte
Wirkung der klassizistischen Bauten nach
sowjetischem Vorbild - das Werk eines
"Zuckerbäckers".
Knapp 50 Jahre später machen sich die
Journalistin Ylva Queisser und die Fotografin
Lidia Tirri auf die Suche nach Erstbewohnern
der damaligen Stalinallee. Beide sind fasziniert
von der Geschichte der Straße, die
1949 von Frankfurter Allee in Stalinallee und
1961 in Karl-Marx-Allee umbenannt wird.
Lidia Tirri und Ylva Queisser werden fündig:
Zahlreiche Erstmieter wohnen noch dort, erzählen
ihnen ihre Geschichte: Von den geleisteten
Aufbaustunden, von den Festen auf der
Dachterrasse, von der Geringschätzung der
Nachbarn, wenn man der SED nicht angehörte,
von den angstvollen Stunden am 17.
Juni 1953, als der Volksaufstand von der
Baustelle Stalinallee aus losbrach. Eindrucksvolle
Zeitzeugeninterviews mit Aufnahmen der
Wohnsituationen und der zwischenzeitlich renovierten
Gebäude entstehen.
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Zeitgenössische Plakate und Fotos aus der
Sammlung der Stiftung Haus der Geschichte
ergänzen die Präsentation, z. B. Arbeiten des
Ost-Berliner Fotografen Kurt Klingner, der
die Baufortschritte in der Stalinallee damals
dokumentierte. Fotos von Roger und Renate
Rössing verweisen auf die Leipziger Ringbebauung,
die im selben Stil wie die Stalinallee
im Rahmen des Nationalen Aufbauprogramms
1953 bis 1956 entstand und noch heute das
Leipziger Stadtbild prägt. Auch hier sind zahlreiche
Mieter ihren Wohnungen nach 1990
treu geblieben.
Henrike Girmond
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Der Ost-Berliner Fotograf Kurt Klingner dokumentiert im September 1952 das Richtfest in der Stalinallee/Hochhaus Weberwiese. |
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"Leben hinter der Zuckerbäckerfassade"
Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig zeigt vom
15. Januar bis 29. Februar 2004 im Foyer eine
Ausstellung von Lidia Tirri (Fotos) und
Ylva Queisser (Interviews).
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