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Effizienz des Regierens

Interview mit Frank-Walter Steinmeier, Chef des Bundeskanzleramts

Frank-Walter Steinmeier, am 5. Januar 1956 in Detmold geboren, leitet seit Juli 1999 das Bundeskanzleramt, die "Schaltzentrale" der deutschen Regierungspolitik. Im Zentrum seiner Aufgaben steht die direkte Zuarbeit zum Bundeskanzler. Als zentrale Koordinierungsstelle für die gesamte Regierungspolitik besitzen der promovierte Jurist und sein Amt herausragende politische Bedeutung.

mm Herr Steinmeier, über 120.000 Besucher haben seit August 2003 die Ausstellung "Die Bundeskanzler und ihre Ämter" im Bundeskanzleramt in Berlin gesehen. Wie erklären Sie dieses große Interesse?

Steinmeier Das Bundeskanzleramt hat sich zu einem echten Besuchermagneten entwickelt. Zahlreiche Gruppen aus allen Teilen des Landes kommen hierher, um ihre Regierungszentrale kennen zu lernen. Und mit der Neugier für die Gegenwart wächst auch das Interesse an der Geschichte. Dies gilt für das Haus der Geschichte ebenso wie für das Berliner Kanzleramt. Ich freue mich daher sehr, dass es uns gelungen ist, in einer gemeinsam mit dem Haus der Geschichte erarbeiteten Ausstellung zu dokumentieren, wie sich die Bedingungen des Regierens seit Gründung der Bundesrepublik verändert haben.

mm Die Ausstellung zeigt die Geschichte des Bundeskanzleramts in vier verschiedenen Gebäuden in Bonn und Berlin. Welche Auswirkungen haben Standort und Architektur auf den Regierungsalltag?

Steinmeier Standort und Architektur von Regierungsgebäuden sollen dazu beitragen, gute Politik zu machen. Ich meine, dass alle in der Ausstellung gezeigten Gebäude, in denen die Bundeskanzler gearbeitet und die Bundeskabinette ihre Sitzungen abgehalten haben, diesen Beitrag geleistet haben, auch wenn jedes der Gebäude geprägt ist von der Epoche, in der es gebaut wurde. Wichtig war und ist, in Berlin wie auch früher schon in Bonn, dass es zwischen Regierung und Parlament kurze Wege gibt, damit effektiv zusammengearbeitet werden kann. Das "Band des Bundes", in dessen städtebaulicher Struktur das heutige Bundeskanzleramt entsprechend dem Modell der Berliner Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank liegt, erfüllt nicht nur diese Erwartung, sondern symbolisiert auch das Ziel, weiter mit Nachdruck an der Vollendung der inneren Einheit Deutschlands zu arbeiten.

mm Welche Einflüsse der einzelnen Bundeskanzler sind in den verschiedenen Gebäuden erkennbar?

Steinmeier Konrad Adenauer hat maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidung für das Palais Schaumburg in Bonn genommen. Willy Brandt war Initiator für den Bau des 1976 bezogenen Bonner Kanzleramts. Gerhard Schröder konnte auf das Gesamtkonzept des heutigen Bundeskanzleramts kaum noch Einfluss nehmen. Allerdings trägt die innere Ausgestaltung, besonders das Kunstkonzept, seine Handschrift.

mm In der Ausstellung sind über 100 Objekte aus dem Alltag der Bundeskanzler zu sehen, aus Kabinettsitzungen und vom Empfang auswärtiger Staatsgäste. Hat sich der Aufgabenbereich des Bundeskanzleramts seit 1949 verändert?

Ausstellungseinheiten (v.o.n.u.) zum Palais Schaumburg und den Bundeskanzlerämtern in Bonn und Berlin

Steinmeier Im Bundeskanzleramt wurde in den Anfangsjahren administrative Unterstützungsleistung erbracht, soweit dies mit wenigen Mitarbeitern damals möglich war. In der Zwischenzeit hat sich das Amt zu einer effektiven Regierungszentrale entwickelt, welche dem Bundeskanzler selbst und der Bundesregierung im Ganzen bei der Erfüllung ihrer politischen und verfassungsrechtlichen Aufgaben hilft, und zwar durch sachkundige Begleitung gesellschaftlicher und politischer Prozesse, durch Informationen, Beratung und eigene Initiativen. Die Ausstellungsstücke machen einiges davon in eindrucksvoller Weise anschaulich.

Interview: Simone Mergen

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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