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"Kulturell kann es kaum besser gehen"

Interview mit Pavel Kohout

Der international renommierte Schriftsteller Pavel Kohout war einer der Wortführer des "Prager Frühlings" und Mitverfasser der "Charta 77". Er wurde aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und schließlich ausgebürgert. Kohout lebt heute in Wien und Prag.






mm Herr Kohout, das Verhältnis zwischen Deutschen, Tschechen und Slowaken ist durch die Vergangenheit belastet. Spielt diese für junge Menschen heute noch eine Rolle?

Pavel Kohout

Kohout Fünfzehn Jahre nach der Wende darf man behaupten, dass die Mehrzahl der jungen tschechischen Generation an keinen Ressentiments leidet.

mm Die Beneš-Dekrete sorgten immer wieder für Schlagzeilen. Wie können die Wogen darum geglättet werden?

Kohout Durch ständige aufklärerische Arbeit. Zunächst muss man verständlich erklären, worum es eigentlich ging, nämlich um die provisorischen Gesetze der Londoner Exilregierung während des Zweiten Weltkriegs, der von den Deutschen angezettelt und mit äußerster Grausamkeit geführt worden war. Meiner Erfahrung nach wissen das nicht einmal die meisten deutschen Journalisten.

mm Wie weit ist die beschworene "Gute Nachbarschaft" der deutsch-tschechischen Erklärung schon gediehen?

Kohout Politisch gesehen waren die Beziehungen in der gesamten Geschichte nie so gut wie jetzt. Wirtschaftlich werden immer neue gemeinsame Wege gesucht und auch gefunden, kulturell kann es kaum besser gehen, wie beispielsweise soeben der neunte Jahrgang des Prager Theaterfestivals deutscher Sprache bewiesen hat.

mm Bei welchen Themen gibt es noch erheblichen Gesprächs- und Diskussionsbedarf?

Kohout Ein Dauerbrenner bleiben natürlich die Beneš-Dekrete, weil sie zu den Themen gehören, bei denen auch Politiker der nächsten Generationen glauben, Karriere machen zu können. Und umstritten ist und wird es noch lange bleiben: Tschechiens Stolz - das Atomkraftwerk Temelín.

Interview: Markus Stadtmüller

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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