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Brennpunkt |
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Am Anfang waren die "AN"
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Erstausgabe der Aachener Nachrichten
1945 |
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Sie war die erste Zeitung auf deutschem Boden, die unabhängig
von nationalsozialistischer Propaganda erscheinen konnte. Vor sechzig Jahren,
am 24. Januar 1945, starteten die Aachener Nachrichten mit einer Auflage von
12.000 Exemplaren und einem Umfang von vier Seiten. Zunächst
unter alliierter Regie bekam die Zeitung im Juni 1945 eine Lizenz und ging damit
ausschließlich
in deutsche Hand über.
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Titelseite der Aachener Nachrichten vom 24.
Januar 1945 |
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Während in Berlin und München noch
der "Völkische Beobachter" durch die Rotationsmaschinen lief
und nationalsozialistische Durchhalteparolen propagierte, erschien am 24. Januar
1945 im amerikanisch besetzten Aachen die erste deutsche Zeitung unter alliierter
Regie. "Es wird das Privileg der ‚Aachener Nachrichten’ sein,
dem Volk die Wahrheit zu bringen, die ihm so lange vorenthalten war", schrieb
Hugh M. Jones, der amerikanische Kommandant der Militärregierung Aachens
in einem Geleitwort zur ersten Ausgabe.
Das Verbot nationalsozialistischer Medien und der Aufbau einer freien Presse
waren zentrale Ziele alliierter Besatzungspolitik. Unter den amerikanischen Soldaten,
die Aachen als erste deutsche Großstadt im Oktober 1944 eroberten, waren
auch Offiziere der Presseabteilung des alliierten Hauptquartiers. Ihr Auftrag:
Gründung einer deutschen Zeitung. Der Pressestab fand in Aachen gute Ausgangsbedingungen:
Ein Zeitungshaus war trotz einer stark bombardierten Umgebung unzerstört
geblieben, die Druckereimaschinen funktionierten und Papier war ausreichend vorhanden. |
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Starthindernisse
Schwierig war es dagegen, in der entvölkerten Stadt politisch und beruflich
geeignete deutsche Mitarbeiter zu finden. Die Besatzungsmacht entschied sich
schließlich für Heinrich Hollands als Herausgeber. Hollands war politisch
unbelastet, hatte allerdings keine journalistische Erfahrung. Der Schriftsetzer
arbeitete bis 1933 bei einer sozialdemokratischen
Zeitung und war nach längerer Arbeitslosigkeit Hilfskorrektor des "Aachener
Anzeiger". Neben Hollands hatte man nur einen weiteren deutschen Redakteur
finden können. Erst nach zwei Monaten kamen weitere hinzu.
Hollands veröffentlichte seine Leitartikel unter dem Pseudonym "Der
alte Aachener". Es war gefährlich, seinen Namen zu nennen, da die
Gefahr deutscher Repressalien zu groß war. Nationalsozialistische Medien
begleiteten die "Aachener Nachrichten" mit Hasstiraden. Das "Judenblatt" werde
von "jüdischen Schreiberlingen" gemacht, geiferte der "Westdeutsche
Beobachter", während der Reichssender Köln von Landes- und Hochverrat
sprach.
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Erfolgskurs
Die Tätigkeit der deutschen Redaktion war zunächst auf die Berichterstattung über
lokale Ereignisse beschränkt.
Die übrige redaktionelle Arbeit leisteten in
der Anfangszeit die alliierten Presseoffiziere, die gleichzeitig auch die deutschen
Kollegen aus- und weiterbildeten. Ab März 1945 ging die
redaktionelle Arbeit weitgehend auf deutsche Mitarbeiter über. "Die
Neulinge hatten das gelernt, was notwendig war: Einen angelsächsischen
Stil beim Verfassen von Nachrichten und Schlagzeilen, den kommentarlosen Hinweis
auf Fakten",
befanden die Presseoffiziere.
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Die Erstausgaben von Zeitungen aus den Westzonen
und der sowjetisch besetzten Zone in der Dauerausstellung des Hauses der Geschichte |
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Die zunächst nur wöchentlich erscheinenden Ausgaben unterlagen einer
strengen Zensur. Bereits in der ersten Ausgabe fiel ein Satz des von Hollands
verfassten Geleitworts dem Rotstift zum Opfer. Der Herausgeber hatte darin die
Hoffnung geäußert, dass die Zeitung bald ein Organ der freien Meinung
und Kritik werden möge.
Die ersten Ausgaben der "Aachener Nachrichten" machten äußerlich
wenig her, spiegelten nichts von der neuen Epoche in der Geschichte des deutschen
Zeitungswesens. Das Blatt erschien im kleinen Format, umfasste vier Seiten und
war mit einfachen Mitteln gestaltet. Dennoch rissen die Menschen den Verkäufern
das Blatt aus den Händen, die Nachfrage nach freier Information war groß.
Die Erstauflage von gut 12.000 Exemplaren war bei einem Preis von 20 Pfennigen
schnell vergriffen.
"Lizenzierte Phase"
Am 7. Juni 1945 gingen die "Aachener Nachrichten" in deutsche Hände über.
Der amerikanische General Mc Clure übergab Heinrich Hollands die Lizenzurkunde
mit der historischen Nummer 1. Die "Aachener
Nachrichten" läuteten eine
neue Phase alliierter Pressepolitik ein, in der die Lizenzpresse die deutschsprachigen
Mitteilungsblätter
der alliierten Truppen ersetzte. Nach der Einteilung Deutschlands in Besatzungszonen
wurden in Aachen die Amerikaner von den Engländern als Besatzungsmacht abgelöst.
Mit den Engländern
kam eine grundlegende Änderung. Während
die Amerikaner in ihrem Einflussbereich überparteiliche
Blätter initiierten, wollten
die Briten Parteirichtungszeitungen. Die "Aachener
Nachrichten" wurden eine Zeitung, die der SPD nahe
stand.
Im November 1948 änderten sich
die Besitzverhältnisse. Altverleger
Jean Cerfontaine, der wie alle bis 1945 tätigen Presseverleger
von der Lizenzvergabe ausgeschlossen war, erhielt sein Verlagshaus zurück.
Nach Aufhebung des Lizenzzwangs 1949 schieden die "Aachener
Nachrichten" aus dem
Verbund der sozialdemokratischen Zeitungen aus.
Die "Erste neue deutsche Zeitung" - so der Hinweis im Kopf
der Zeitung 1945 - ist auch die älteste. Seit 60 Jahren
begleitet die Zeitung die politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle
Entwicklung in Aachen, Deutschland und der Welt. Die Erwartung der Militärregierung
in der ersten Ausgabe, dass die "Aachener Nachrichten den Anfang für
den Wiederaufbau einer freien deutschen Presse bilden", ging in Erfüllung.
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