Pesch Zunächst muss man wissen, dass die "Nachrichten" als
rein deutsche Zeitung herausgegeben wurden, unter Kontrolle der Militärregierung,
im Gegensatz zu den Zeitungen, die ab April 1945 erschienen. Bei denen hieß es: "Herausgegeben
von der Militärregierung".
Auch in Aachen war geplant, die gesamte Redaktion von deutschen Journalisten
machen zu lassen, aber man fand keine. So übernahm zunächst ein Amerikaner
den allgemeinen Teil und ich die Lokalredaktion. Dann wurden zwei Studentinnen
als Volontärinnen
eingestellt. Diese übernahmen ab
Ende Februar 1946 den Lokalteil und ich den allgemeinen. Von da an war die Redaktion
ganz in deutscher Hand.
mm Die "Aachener
Nachrichten" wurden
im Juni 1945 Lizenzzeitung. Was änderte
sich im Vergleich zur ersten Phase?
Pesch Der allgemeine Dienst kam aus London
und bedurfte keiner Zensur. Die lokalen Meldungen wurden in Aachen vorzensiert.
Eigene politische Kommentare waren nicht erlaubt. In der Auswahl der Artikel
aus dem allgemeinen Dienst hatte ich völlig freie
Hand. Insgesamt kann man sagen, dass auch die Vorzensur der lokalen Teile sehr
großzügig
war. Mit der Lizenzvergabe wurde jegliche Vorzensur eingestellt.
mm Wie wurden die "Aachener Nachrichten" in der Frühzeit vertrieben
und verkauft?
Pesch Der Vertrieb der Zeitung geschah in der Geschäftsstelle und außerhalb
Aachens in den Verwaltungsstellen. Als im März 1945
die Post wieder versenden konnte, übernahm diese den
Vertrieb, die Zeitung konnte abonniert werden.
mm Worin sehen Sie den entscheidenden Wandel der Zeitung vor 60 Jahren und heute?
Pesch Der Unterschied der Zeitungen zu heute ist in erster Linie technischer
Art. Redaktionell gab es eine stärkere Trennung von Nachricht
und Meinung. Eine Nachricht durfte nie mit einer Meinung verwässert werden.
Jede Meldung sollte streng neutral sein. Im Übrigen
sind heute Bedingungen und Möglichkeiten,
Nachrichten zu beschaffen, erheblich vielfältiger
und umfangreicher.
Interview: Barbara Langer
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