1/2005

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Brennpunkt

 

"Politische Kommentare waren nicht erlaubt"

Interview mit Otto Pesch

Otto Pesch (88) war 1945 erster Redakteur der "Aachener Nachrichten". Er formulierte die berühmte Schlagzeile "Der Krieg ist aus". Pesch arbeitete später bei der 1946 gegründeten "Aachener Volkszeitung" und war dort über mehrere Jahrzehnte "Chef vom Dienst".

mm Die erste Ausgabe der "Aachener Nachrichten" ist vom 24. Januar 1945. Wurden die Themen der Erstausgabe von den Redakteuren oder von den Presseoffizieren ausgewählt? Welche Einflussmöglichkeiten hatten sie?

Pesch Zunächst muss man wissen, dass die "Nachrichten" als rein deutsche Zeitung herausgegeben wurden, unter Kontrolle der Militärregierung, im Gegensatz zu den Zeitungen, die ab April 1945 erschienen. Bei denen hieß es: "Herausgegeben von der Militärregierung". Auch in Aachen war geplant, die gesamte Redaktion von deutschen Journalisten machen zu lassen, aber man fand keine. So übernahm zunächst ein Amerikaner den allgemeinen Teil und ich die Lokalredaktion. Dann wurden zwei Studentinnen als Volontärinnen eingestellt. Diese übernahmen ab Ende Februar 1946 den Lokalteil und ich den allgemeinen. Von da an war die Redaktion ganz in deutscher Hand.

mm Die "Aachener Nachrichten" wurden im Juni 1945 Lizenzzeitung. Was änderte sich im Vergleich zur ersten Phase?

Pesch Der allgemeine Dienst kam aus London und bedurfte keiner Zensur. Die lokalen Meldungen wurden in Aachen vorzensiert. Eigene politische Kommentare waren nicht erlaubt. In der Auswahl der Artikel aus dem allgemeinen Dienst hatte ich völlig freie Hand. Insgesamt kann man sagen, dass auch die Vorzensur der lokalen Teile sehr großzügig war. Mit der Lizenzvergabe wurde jegliche Vorzensur eingestellt.

mm Wie wurden die "Aachener Nachrichten" in der Frühzeit vertrieben und verkauft?

Pesch Der Vertrieb der Zeitung geschah in der Geschäftsstelle und außerhalb Aachens in den Verwaltungsstellen. Als im März 1945 die Post wieder versenden konnte, übernahm diese den Vertrieb, die Zeitung konnte abonniert werden.

mm Worin sehen Sie den entscheidenden Wandel der Zeitung vor 60 Jahren und heute?

Pesch Der Unterschied der Zeitungen zu heute ist in erster Linie technischer Art. Redaktionell gab es eine stärkere Trennung von Nachricht und Meinung. Eine Nachricht durfte nie mit einer Meinung verwässert werden. Jede Meldung sollte streng neutral sein. Im Übrigen sind heute Bedingungen und Möglichkeiten, Nachrichten zu beschaffen, erheblich vielfältiger und umfangreicher.

Interview: Barbara Langer

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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