| Die fünffache Mutter und streitbare Katholikin trat
schon als Sozialministerin im Saarland und später
als Präsidentin des
Zentralkomitees der deutschen Katholiken für die
Rechte der Frauen und der Familie ein. Heute ist Rita Waschbüsch Bundesvorsitzende
der von Katholiken gegründeten
Organisation Donum Vitae, die das Beratungsangebot für Schwangere aufrechterhält,
aus dem die Deutsche Bischofskonferenz 1999 unter Druck des Papstes ausstieg.
mm Welche Rolle spielte die Diskussion um den Paragraphen 218 in den 1970er
Jahren für die Entwicklung
der Rechte der Frauen?
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Waschbüsch In der Diskussion wurde damals das Persönlichkeitsrecht
der Mutter gegen das Lebensrecht des Kindes gesetzt, wie plakative Forderungen - beispielsweise "Mein
Bauch gehört mir" - deutlich
machten. Diese Verknüpfung
ließ aber außer
Acht, dass jedes Leben schützenswert ist, auch
das des ungeborenen Kindes. Denn mit der Keimzellenverschmelzung fängt
das Leben des Kindes an. Es durchläuft
verschiedene Entwicklungsstadien und dieser Prozess hört
auch nicht mit der Geburt auf, sondern geht weiter bis hin zum Tod. Und zu jedem
Zeitpunkt kommt ihm dabei ohne jede Einschränkung
das Recht auf Menschenwürde
zu.
mm Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer beschrieb den Austritt der Deutschen
Bischofskonferenz 1999 aus dem Beratungssystem als fundamentalistische Offensive.
Wie stehen Sie dazu?
Waschbüsch Ich halte es für einen schweren Fehler, dass sich die Deutschen
Bischöfe dem Druck aus Rom
gebeugt haben. Sie hätten
den Schritt, aus dem gesetzlichen Beratungssystem auszutreten, nicht vollziehen
müssen,
da der
Papst lediglich eine "pastorale Bitte" geäußert hat. Hintergrund
für das Handeln des Papstes
war, dass konservative Kreise Wäschekörbe
voll Briefe nach Rom schickten, um diesbezüglich
Druck zu machen. Was aber genauso schwer wiegt wie der Austritt aus der gesetzlichen
Beratung, ist, dass der Schritt einen enormen Vertrauensverlust der Kirche bei
vielen Rat suchenden Frauen bewirkt hat - Vertrauen,
das nicht mehr so leicht zurück
zu gewinnen ist.
mm Konnten Sie mit Donum Vitae die Lücken in der kirchlichen Beratung
schließen?
Waschbüsch Nicht ganz. Die Kirche unterhielt damals rund 300 Beratungsstellen.
Wir konnten bisher in zwölf
Landesverbänden 168
Beratungsstellen gründen.
Auch andere Organisationen wie beispielsweise Pro Familia bauten ihr Beratungsangebot
in vielen Gebieten nach 1999 aus.
mm Das Bundesverfassungsgericht stellte in seiner Entscheidung 1993 die staatliche
Hilfe für Schwangere
in den Vordergrund. Ist das nicht ein frommer Wunsch in Zeiten leerer Kassen?
Waschbüsch Die Kassen sind nicht leer, sondern nur leerer. Deshalb benötigen
wir heute ein Umdenken hin zu vorrangig mehr familienfreundlichen Maßnahmen
auf kommunaler und staatlicher Ebene, zu mehr Solidarität - auch
von kinderlosen Paaren und Singles - und
zu mehr Möglichkeiten,
Beruf und Familie zu verbinden. Kinder sollten nicht nur als materielle Belastung
wahrgenommen werden, sondern als ein Geschenk, das das eigene Leben bereichert.
Interview: Markus Stadtmüller
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