1/2005

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Brennpunkt

 

Vertrauen und Solidarität

Interview mit Rita Waschbüsch

Die fünffache Mutter und streitbare Katholikin trat schon als Sozialministerin im Saarland und später als Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken für die Rechte der Frauen und der Familie ein. Heute ist Rita Waschbüsch Bundesvorsitzende der von Katholiken gegründeten Organisation Donum Vitae, die das Beratungsangebot für Schwangere aufrechterhält, aus dem die Deutsche Bischofskonferenz 1999 unter Druck des Papstes ausstieg.





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Welche Rolle spielte die Diskussion um den Paragraphen 218 in den 1970er Jahren für die Entwicklung der Rechte der Frauen?

 

Waschbüsch In der Diskussion wurde damals das Persönlichkeitsrecht der Mutter gegen das Lebensrecht des Kindes gesetzt, wie plakative Forderungen - beispielsweise "Mein Bauch gehört mir" - deutlich machten. Diese Verknüpfung ließ aber außer Acht, dass jedes Leben schützenswert ist, auch das des ungeborenen Kindes. Denn mit der Keimzellenverschmelzung fängt das Leben des Kindes an. Es durchläuft verschiedene Entwicklungsstadien und dieser Prozess hört auch nicht mit der Geburt auf, sondern geht weiter bis hin zum Tod. Und zu jedem Zeitpunkt kommt ihm dabei ohne jede Einschränkung das Recht auf Menschenwürde zu.

mm Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer beschrieb den Austritt der Deutschen Bischofskonferenz 1999 aus dem Beratungssystem als fundamentalistische Offensive. Wie stehen Sie dazu?

Waschbüsch Ich halte es für einen schweren Fehler, dass sich die Deutschen Bischöfe dem Druck aus Rom gebeugt haben. Sie hätten den Schritt, aus dem gesetzlichen Beratungssystem auszutreten, nicht vollziehen müssen, da der Papst lediglich eine "pastorale Bitte" geäußert hat. Hintergrund für das Handeln des Papstes war, dass konservative Kreise Wäschekörbe voll Briefe nach Rom schickten, um diesbezüglich Druck zu machen. Was aber genauso schwer wiegt wie der Austritt aus der gesetzlichen Beratung, ist, dass der Schritt einen enormen Vertrauensverlust der Kirche bei vielen Rat suchenden Frauen bewirkt hat - Vertrauen, das nicht mehr so leicht zurück zu gewinnen ist.

mm Konnten Sie mit Donum Vitae die Lücken in der kirchlichen Beratung schließen?

Waschbüsch Nicht ganz. Die Kirche unterhielt damals rund 300 Beratungsstellen. Wir konnten bisher in zwölf Landesverbänden 168 Beratungsstellen gründen. Auch andere Organisationen wie beispielsweise Pro Familia bauten ihr Beratungsangebot in vielen Gebieten nach 1999 aus.

mm Das Bundesverfassungsgericht stellte in seiner Entscheidung 1993 die staatliche Hilfe für Schwangere in den Vordergrund. Ist das nicht ein frommer Wunsch in Zeiten leerer Kassen?

Waschbüsch Die Kassen sind nicht leer, sondern nur leerer. Deshalb benötigen wir heute ein Umdenken hin zu vorrangig mehr familienfreundlichen Maßnahmen auf kommunaler und staatlicher Ebene, zu mehr Solidarität - auch von kinderlosen Paaren und Singles - und zu mehr Möglichkeiten, Beruf und Familie zu verbinden. Kinder sollten nicht nur als materielle Belastung wahrgenommen werden, sondern als ein Geschenk, das das eigene Leben bereichert.

Interview: Markus Stadtmüller

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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