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Sie ist eine der renommiertesten Fotografinnen in Deutschland und
publiziert seit 1976 in allen bedeutenden Magazinen und Zeitungen. In der Langzeitstudie "Spuren
der Macht" dokumentiert
Herlinde Koelbl den Umgang, die Gefahren und Veränderungen,
denen nicht nur Politiker, auch Wirtschaftslenker und Journalisten beim Ausüben
von Macht ausgesetzt sind. In ihrem Film "Die
Meute" beschreibt sie
den Arbeitsalltag von Bildjournalisten und ihr Verhältnis
zu Politikern - ein spannungsreiches
Verhältnis
zwischen Abneigung und Wohlwollen.
mm Frau Koelbl, wie viel Macht besitzt ein Bild im politischen Prozess?
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| Herlinde Koelbl
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| Koelbl Zunächst einmal ist wichtig,
wie gut ein Bild ist. Es gibt viele Bilder, die nur Belegfotos sind. Entscheidend
ist, dass das Bild eine tiefere Aussage hat, die über das Tagesgeschehen
hinausgeht. Es muss eine Geschichte erzählen, Gesten, Mimik, Regungen, nonverbale
Zeichen einfangen, dann wirkt es und hat durch diese Wirkung auch Macht. Und
denken Sie nur an die Bilder aus dem Gefängnis Abu Ghreib, die sich ins
Bewusstsein gebrannt haben. Artikel über
Folterungen hätten nie diese Wirkung erreicht. Auf einer anderen Seite können
Bilder auch missbraucht werden für Propaganda oder Demagogie - die
negative Seite ihrer Macht.
mm Werden Bildjournalisten unbewusst als Choreografen
für Politiker
bei deren Inszenierungen benutzt?
Koelbl Natürlich gibt
es geschickte Medien-Inszenierer, wie etwa Gerhard Schröder. Sie sind freundlich,
schaffen eine gute Atmosphäre
und können dadurch
besser steuern, wie sie gesehen werden wollen. Hier ist eine kritische Distanz
notwendig oder man wird Teil der politischen Show. Andere sind nur während
ihres Aufstiegs freundlich. Oben angekommen reagieren
sie mürrisch, abweisend oder
belehrend, nehmen Journalisten
nur noch als Wegelagerer
wahr, die ihnen zunehmend
lästig sind.
mm Wie wahren sie die Balance
zwischen kritischer Distanz
und Nähe?
Koelbl Das ist eine Gratwanderung.
Politiker ködern
mit Exklusiv-Informationen,
bestimmen Kreise von ausgewählten
Journalisten, denen
sie Informationen zustecken,
die andere nicht bekommen.
Dadurch entsteht Wohlwollen
und Nähe. Gefährlich kann
sich auch das Gefühl auswirken,
ganz nahe an der Macht
zu sein, die eine ungeheure
Sogwirkung besitzt und eine
erotische Ausstrahlung. Das
eigene Ich wird aufgewertet
und das Selbstwertgefühl
steigt.
mm Sie arbeiten seit fast
dreißig Jahren als Fotografin.
Wie veränderten sich seither
Medien und Politiker?
Koelbl Politiker haben sich
heute auf die Präsenz der
Medien eingestellt, haben Medienschulungen
und Medientraining
hinter sich. Früher
hatten es Argumente einfacher
durchzukommen, heute muss
ein gewisser Grad an Emotionalisierung
damit verbunden
sein. Auch die Macht des Fernsehens
ist wesentlich größer.
Es gibt unzählige Nachrichtensendungen,
die alle Futter
brauchen. Die Nachfrage nach
Bildern ist groß und die Politiker
bedienen sie. Sie haben
dadurch auch die Möglichkeit,
mit den Journalisten zu spielen,
sie auszuwählen oder
links liegen zu lassen. Wichtig
für das Ego eines Politikers ist
aber nach wie vor, wie viele
Journalisten bei einem Termin
anwesend sind.
Interview: Markus Stadtmüller
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