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Ausgewählt

In der Rubrik "Ausgewählt" stellen Prominente ein Exponat vor, mit dem sie persönliche Erinnerungen verbinden.

 
 

Aufbruch ins All

Mondstein Nr. 12055

Ulf Merbold ist 1983 der zweite Deutsche nach Sigmund Jähn im All. Und einer der wenigen Astronauten, die insgesamt dreimal im Weltraum waren. Nach seinen Weltraumreisen steht für ihn die ethische Pflicht fest, "die Erde für diejenigen zu bewahren, die nach uns hier leben."

Er ist unscheinbar, grau-silbrig und handtellergroß - der Stein mit der Bezeichnung "Lunar Sample No. 12055". Und er ist alt: rund 3,3 Milliarden Jahre. Die zweite amerikanische Mondmission der Apollo 12 brachte ihn 1969 zur Erde. Im Haus der Geschichte ist der Mondstein auf dem oberen Ende einer schiefen Ebene ausgestellt, weit weg von Bodenhaftung und sicherem Grund. Neben dem Kosmonauten-Anzug meines Kollegen Sigmund Jähn ist er ein Symbol für den Aufbruch zu neuen Welten, für den unbegrenzten Glauben an den technischen Fortschritt Ende der 1960er Jahre und für den Wettlauf der beiden Supermächte im All.

Ulf Merbold in der Raumfähre Columbia 1983 (o.), Apollo 12 am 19. November 1969 auf dem Mond (M.) und Mondstein im Haus der Geschichte (u.)

Für mich ist der Stein ein ganz besonderes Exponat, da er deutlich macht, wie alt, wertvoll, schön und geheimnisvoll unsere Galaxis ist. Und wie sehr die Entwicklung der Menschheit mit ihrer Entwicklung verknüpft ist.

mm Herr Merbold, wie hat sich Ihre Perspektive, Ihr Bild von der Erde verändert, als Sie im All waren?

Merbold Wenn man wie ich die Erde in 90 Minuten umrundet, verliert sie ihre Größe. Und man begreift sie als Raumschiff für sechs Milliarden Mitflieger. Da macht man sich auch Gedanken, ob wir richtig mit unserem Planeten umgehen.

mm Die Finanzierung von Raumfahrtprojekten ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten umstritten. Worin liegt ihr Nutzen?

Merbold Der Nutzen der Raumfahrt ist unbestritten. Stellen Sie sich nur mal vor, es gäbe keine Satelliten, dann gäbe es auch keine weltweite mobile Kommunikation, keine Navigationssysteme mit GPS, keine Fernsehübertragungen, keine Seenotrettung. Außerdem hilft die Erforschung der Sterne zu einer tieferen Kenntnis unserer Welt.

Ulf Merbold

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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