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 Zwei deutsche Armeen  entstehen
 Von Lochkarten, Röhren  und Rechenknechten
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Zwei deutsche Armeen entstehen

Bundeswehr versus Nationale Volksarmee

Zehn Jahre nach Kriegsende entstehen zwei deutsche Armeen. In der Bundesrepublik gibt es heftige Auseinandersetzungen über den Aufbau der Bundeswehr, in der DDR bestimmen die SED und die Sowjetunion den Kurs der Nationalen Volksarmee.

Im Mai 1955 wurden die Bundesrepublik in der NATO und die DDR im Warschauer Pakt Mitglied. Der 12. November 1955, der 200. Geburtstag des preußischen Militärreformers Scharnhorst, markierte mit der Ernennung der ersten Soldaten die Geburtsstunde der Bundeswehr. Auf der anderen Seite beschloss am 18. Januar 1956 die Volkskammer der DDR den Aufbau einer Nationalen Volksarmee (NVA). Begründet zwar mit der "Entwicklung in Westdeutschland", stand jedoch mit der bereits seit 1952 als "getarnte Armee" aufgestellten Kasernierten Volkspolizei eine Kadertruppe von über 100.000 Mann bereit. Deshalb konnten schon am 1. März 1956 alle drei Teilstreitkräfte der NVA ihre Einsatzbereitschaft melden.

"Heimatschutz": Plakatwerbung für den Wehrdienst, 1960

In der Bundesrepublik gab es zu diesem Zeitpunkt knapp 5.000 Soldaten. Der Deutsche Bundestag regelte mit der 2. Wehrergänzung des Grundgesetzes am 6. März 1956 die verfassungsgemäß Einordnung der Bundeswehr - unter anderem Grundrechte der Soldaten, Verteidigungsausschuss, Wehrbeauftragter, Oberbefehl, zivile Bundeswehrverwaltung. Das Soldatengesetz fixierte die allgemeinen Rechte und Pflichten der Soldaten. Vier Monate nach der fast einmütigen Entscheidung über die Wehrverfassung verabschiedete das Parlament nach heftigen Auseinandersetzungen das Wehrpflichtgesetz. Während die Regierung auf die Bedrohung im Osten und die Bündnisverpflichtungen hinwies, befürchteten die Gegner eine weitere Spaltung Deutschlands sowie eine Belastung der internationalen Abrüstungsbemühungen. In der DDR dagegen wurde die Wehrpflicht erst 1962 nach dem Mauerbau eingeführt.

Die 1955/56 gefallenen Entscheidungen prägten im Kalten Krieg NVA und Bundeswehr. Im Warschauer Pakt bestimmte allein die Sowjetunion den Kurs. Wie Staat und Gesellschaft der DDR unterlag die NVA dem alles dominierenden Einfluss der SED. Sie stand "im Dienste der Partei". Diese Gefolgschaft geriet erst in der Umbruchsituation 1989 ins Wanken. Das Jahr 1990 machte deutlich, dass die NVA eine "Armee ohne Zukunft" war - sie wurde am 2. Oktober 1990 aufgelöst. 90.000 Soldaten wurden einen Tag später in die Bundeswehrübernommen, die als NATO-Mitglied seit 1955 einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit Deutschlands und seiner Partner leistet. Sie ist als Armee in der Demokratie konzipiert und wird als Parlamentsarmee vom Primat der Politik bestimmt. Auch Ex-NVA-Soldaten dienen nun als "Staatsbürger in Uniform".

Dr. Hans Ehlert

Hoch die Fahne: Plakat des Ministeriums für Nationale Verteidigung, 1957

Der Autor ist Amtschef des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes der Bundeswehr in Potsdam

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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