Das Palais Anfang des letzten Jahrhunderts
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Die preußische Prinzessin
Victoria macht das Palais
Schaumburg Ende des
19. Jahrhunderts zum gesellschaftlichen
Mittelpunkt
Bonns. Nach dem Ersten
Weltkrieg verliert es an
Glanz. Ende der 1920er
Jahre wird das komplette
Inventar der Villa versteigert.
Vom 15. bis 22. Oktober 1929 lädt das
Kölner Auktionshaus Lempertz zu einem besonderen
Ereignis in die Reithalle des Bonner
Palais Schaumburg ein. Die "Konkursmasse
Zoubkoff" - gemeint ist das gesamte Inventar
des Palais Schaumburg - wird versteigert. An
den grauen Kalkwänden der Reithalle hängen
Gemälde mit schweren Goldrahmen und kostbare
Teppiche. Davor stehen prächtige Möbelstücke
und Standuhren, auf Tischen stapeln
sich wertvolle Silbergegenstände und edles
Meißener Porzellan. Alle Gegenstände tragen
eine Versteigerungsnummer und warten auf
ihre neuen Besitzer.
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Victorias erster Mann: Prinz
Adolf zu Schaumburg-Lippe,
um 1910
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Die Versteigerung markiert das Ende einer
glanzvollen Epoche des späteren Bundeskanzleramts.
Einige der angebotenen Gegenstände
sind Erbgut aus dem Hause Schaumburg-Lippe,
das meiste stammt jedoch aus dem Besitz der
Kaiserin Friedrich. Ihre Tochter Victoria hat es
1891 nach ihrer Heirat mit Prinz Adolf zu
Schaumburg-Lippe als Aussteuer mit nach
Bonn gebracht, um ihre Villa am Rhein standesgemäß einzurichten. Bis zum Ersten Weltkrieg
bleibt das Palais Schaumburg gesellschaftlicher
Mittelpunkt der Stadt Bonn,
danach verliert es an Glanz. Nach dem Tod
ihres Mannes 1916 verkauft Victoria das Haus an die Familie ihres Mannes und lässt sich
ein lebenslanges Wohn- und Nutzungsrecht
sichern.
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1927 nimmt ihr Leben noch einmal eine
Wende: Die 61jährige Victoria lernt den russischen
Hochstapler Alexander Zoubkoff kennen
und heiratet ihn am 21. November desselben
Jahres. Die Trauungszeremonie nach griechisch-orthodoxem Ritus findet im Palais
Schaumburg statt: Im roten Salon (dem späteren
Kabinettsaal) ist ein Altar mit silbernen
Kerzenleuchtern, zwei goldenen Kronen und
einem Heiligenbildnis aufgebaut. Victoria trägt
ein perlgraues Seidenkleid mit weißem kostbaren
Spitzenschleier - ein Erbstück aus dem
Besitz der englischen Königsfamilie.
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Kurzes Glück:
Prinzessin Victoria heiratet
1927 Alexander Zoubkoff,
den sie für einen verarmten
russischen Baron hält.
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Nach der
Trauung gibt es im Speisesaal ein festliches
Essen für die knapp 40 geladenen Gäste. Das
Glück der beiden Neuvermählten währt jedoch
nur kurz: Victorias 34 Jahre jüngerer Mann,
der eine Vorliebe für Automobile und Rennpferde
hat, bringt schnell ihr gesamtes Vermögen
durch. Bereits im März 1928 wird er
wegen eines Passvergehens aus dem deutschen
Reichsgebiet ausgewiesen. Die Familie Schaumburg-Lippe entzieht der nunmehr hoch verschuldeten
Victoria ihr Wohnrecht im Palais
und leitet das Konkursverfahren ein. Victoria
bezieht einen kleinen Wohnraum in einer
Bonner Pension und stirbt im November 1929.
Ihr Besitz zerstreut sich nach der Versteigerung
in alle Winde.
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Judith Koppetsch
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