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Im Vorzimmer der Macht
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Adenauers Sekretärinnen im Palais Schaumburg
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Drei Schichten, knappe
Arbeitsanweisungen und
jeden Abend gegen 18 Uhr
für den Kanzler Suppe und
Schnittchen - die Sekretärinnen
Anneliese Poppinga
und Hannelore Siegel organisierten
den Tagesablauf
Konrad Adenauers bis zu
dessen Ausscheiden aus
dem Amt im Jahr 1963.
"Bitte Montag (14.7.) oder Dienstag (15.7.)
zur Vorstellung zu Herrn Bundeskanzler nach
Bonn kommen. Umgehend Drahtantwort über
Vorstellungstermin an Auswärtiges Amt erbeten."
Mit diesem Telegramm, das Anneliese
Poppinga am 12. Juli 1958 in Travemünde erhält,
beginnt ihre Karriere als Sekretärin von
Konrad Adenauer. Unverhofft und - zumindest
im ersten Moment - ungewollt
wird sie engste Mitarbeiterin
des ersten Bundeskanzlers.
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Denn um die Position einer
Kanzlersekretärin bewirbt man sich nicht, man wird "berufen". Hannelore Siegel, die seit April 1958 bei Adenauer im Vorzimmer sitzt, hat einige Monate zuvor Ähnliches erlebt. Wie Poppinga hat auch sie vorher beim Auswärtigen Amt gearbeitet, als sie plötzlich zu einem Vorstellungstermin beim Bundeskanzler gebeten wird.
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"Ich im Palais Schaumburg!"
Ungläubig verwirft
Anneliese Poppinga diesen
Gedanken, ist aber dennoch neugierig und
setzt sich anderntags in den Nachtzug nach
Bonn. Im Palais angekommen wird sie über
dicke grüne Läufer in das Wartezimmer vor
Adenauers Arbeitszimmer geleitet. Adenauer
begrüßt sie und fordert sie auf, ihm gegenüber
am Schreibtisch Platz zu nehmen. Er stellt ihr
einige Fragen, und nach einer halben Stunde
entlässt er sie mit den Worten: "In einer Woche
... sehen wir uns wieder. Sie können dann doch
schon Ihren Dienst antreten?"
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Für seine langjährige
Sekretärin Hannelore Siegel
signiertes Foto
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Gesagt, getan - ab dem 21. Juli 1958 teilt
sich Poppinga mit Siegel und einer dritten Kollegin
die Arbeit im Vorzimmer des Kanzlers.
Der lange Arbeitstag von 8 bis 21.30 Uhr ist
nur im Schichtdienst zu bewältigen. Die erste
Schicht dauert von 8 bis 17.30 Uhr, die zweite
von 8 bis 13 Uhr sowie von 17 bis 21.30 Uhr
und die dritte von 13 bis 21.30 Uhr. Adenauer
fasst seine Arbeitsanweisungen stets sehr
knapp und rät seinen Sekretärinnen, alle Vorgänge
genau zu lesen, damit sie seine Anmerkungen
auch verstehen. Zur Mittagszeit zieht
er sich in den Nebenraum seines Arbeitszimmers
zurück, um sein Mittagessen einzunehmen.
Gern hört er dabei Musik, und die Wahl
der aufgelegten Schallplatte verrät seinen
Sekretärinnen einiges über seine Stimmung:
Mozart signalisiert ein zufriedenes Gemüt,
Tschaikowsky deutet eine aufgewühlte Seelenlage
an. Gegen 18 Uhr erhält er eine Suppe
oder Schnittchen. Gelegentlich, wenn der
Kanzler seine Portionen nicht bewältigt hat,
teilen sich Siegel und ihre Kolleginnen die restlichen
Brote.
Nach Adenauers Ausscheiden aus dem
Kanzleramt verabschieden sich auch seine
Sekretärinnen vom Palais. Hannelore Siegel
geht zurück ins Auswärtige Amt und Anneliese
Poppinga wird persönliche Sekretärin des Altbundeskanzlers.
Zum Abschied schenkt der
Uhren-Liebhaber Adenauer jeder seiner Sekretärinnen
eine kleine Uhr. Mit der Bemerkung "Sie sind Kölner und ich auch. Sie haben noch
ein Büro, ich nicht mehr" übergibt er Hannelore
Siegel zusätzlich ein Bild mit dem Kölner
Wappen, das Adenauer im Vorraum zu seinem
Arbeitszimmer hängen hatte.
Judith Koppetsch
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