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10 Jahre internationaler Erfahrungsaustausch

Kooperationsprogramm für wissenschaftlichen Museumsnachwuchs

Seit 1996 fördert das Haus der Geschichte den internationalen Erfahrungsaustausch wissenschaftlicher Nachwuchskräfte an Museen. 1999 wurde mit dem Partnerland Belgien aus der deutsch-französischen Kooperation ein trinationales Austausch- programm.

Der Arbeitsaufenthalt im Nachbarland sei einer der wichtigsten und prägendsten Erfahrungen gewesen, durch den eine neue Sensibilität im Umgang mit Ungewohntem und eine neue Souveränität in der eigenen Arbeit erlangt wurde – so das gemeinsame Fazit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich zum zehnjährigen Jubiläum des deutschfranzösisch- belgischen Austauschprogramms für wissenschaftlichen Museums- nachwuchs am 27. und 28. Oktober 2006 im Haus der Geschichte trafen. „Das Programm bietet die einmalige Möglichkeit, das Museums- und Ausstellungswesen eines Nachbarlandes aus eigener Anschauung näher kennen zu lernen und damit vielfältige berufsbezogene Kompetenzen zu erwerben“, erklärte ein begeisterter deutscher Volontär.

Die Idee für das Austauschprogramm entstand 1994 im Rahmen der Tagung „Zeitgeschichte im Museum", die unter der Schirmherrschaft des französischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt wurde. Dazu eingeladen hatte das Haus der Geschichte mit der Diréction des Musées de France (DMF). Ein intensiver Gedankenaustausch führte in der Abschlussdiskussion zu dem Entschluss, die deutsch-französische Zusammenarbeit von Museen durch einen Personalaustausch von wissenschaftlichen Nachwuchskräften zu fördern. Seitdem stellt das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) Fördermittel zur Verfügung.

Erstmalig wurde das Programm im Oktober 1995 nach intensiver Planung und Vorbereitung ausgeschrieben. Der Start am 26. Juni 1996 war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die dazu führte, dass 1999 die Europäische Union zusätzliche Geldmittel bereitstellte. Belgien konnte nun als drittes Partnerland den Austausch bereichern.

Zukunftsweisende Schritte

In seiner Begrüßungsansprache zum Symposium anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Austauschprogramms zog Dr. Hans Walter Hütter, kommissarischer Leiter der Stiftung Haus der Geschichte, vor mehr als 80 ehemaligen Volontären aus drei Ländern eine erfreulich positive Bilanz: „In den vergangenen zehn Jahren haben insgesamt 160 Personen, davon 127 Frauen, das Austauschprogramm durchlaufen. Da 2006 die höchste Männerquote mit vier Teilnehmern in einem Jahrgang zu verzeichnen war, geht der Blick auch hier gespannt in die Zukunft“, resümierte Hütter.

Zukunftsweisend ist der Schritt in die Museumswelt des Nachbarlandes für die jungen Museumswissenschaftler in jeder Hinsicht. In den bilanzierenden Workshops wurde in diesem Sinne die Vermittlung von Kontakten, die Entstehung von Netzwerken und künftigen Kooperationen betont. Kein Wunder, da insgesamt 154 Museen, davon 84 deutsche, in das Projekt eingebunden sind. Auch die Generalsekretärin des DFJW, Dr. Eva Sabine Kuntz, die Vertreterin der DMF, Marie-Hélène Joly und der stellvertretende Direktor des Musée Royal de l’Armée et d’Histoire Militaire in Brüssel, Dr. Patrick Nefors, stellten in ihren auf den Erfahrungsberichten der Teilnehmer basierenden Ansprachen heraus, dass der Austausch sowohl für die berufliche als auch persönliche Entwicklung außerordentlich bereichernd empfunden wird.

Neben dieser positiven Bilanz ließ Prof. Dr. Ingo Kolboom, Mitglied des deutsch-französischen Kulturrates, in seinen „Anmerkungen zur deutsch-französischen Kulturpolitik" auch nachdenkliche Töne anklingen: Er sei der Meinung, „dass wir 52 Jahre nach dem ersten deutsch-französischen Kulturabkommen 1954 und 43 Jahre nach dem Elysée-Vertrag 1963 über die sprachlichen Errungenschaften der frühen fünfziger Jahre nicht hinausgekommen sind".

Dennoch: Die Vorbereitungen für die Programme der nächsten Jahre laufen schon, um weitere Pflöcke für Verbindungen zwischen den Nachbarländern einzuschlagen. „Museen brauchen grenzüberschreitende Vermittler“, so ein ehemaliger Teilnehmer, der damit die zunehmende Bedeutung europäischer Perspektiven in der Museumsarbeit verdeutlichte. Nicht nur Pflichtbewusstsein, sondern auch Spaß und Überzeugung sind wichtig, damit unter der Erfolgsgeschichte dieses Austauschprogramms auch nach dem nächsten runden Jubiläum noch steht: „Fortsetzung folgt!“.

Ursula Overath

Ehemalige Teilnehmer des Austauschprogramms trafen sich im Haus der Geschichte.

 

Gruppenbild der Programm-
verantwortlichen aus Belgien, Frankreich und Deutschland bei der Jubiläumsveran-
staltung im Oktober 2006

 

Arbeitsaufenthalte im Museum

Gemeinsam mit der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, der Diréction des Musées de France in Paris und dem Musée Royal de l´Armée et d´Histoire Militaire in Brüssel organisiert das Deutsch-Französische Jugendwerk ein dreimonatiges Austauschprogramm für wissenschaftliche Nachwuchskräfte an Museen oder Ausstellungszentren. Nach einem Einführungsseminar und vor dem zweimonatigen Arbeitsaufenthalt in einem Museum oder Ausstellungszentrum vermittelt ein Intensiv-Sprachkurs das Fachvokabular. Abschließend findet ein zweitägiger Erfahrungsaustausch der Volontäre statt.

Nähere Informationen unter: www.hdg.de

 

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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