Sitemap Kontakt Impressum

 Inhalt

Übersicht  
Titel     
 Bilderchronik der
 Bundesrepublik
 Spötter vor Gericht
 "Hurra Deutschland"
Ausstellungen  
Infothek  
Ausgewählt  
Brennpunkt  
Zeitgeschichtliches Forum Leipzig  
Berlin        
Karikatur                       
Editorial                      
Termine 1/2007                
Impressum 1/2007                
Archiv                                        
 aktuelle Ausgabe                  

 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

Archiv

Titel

 

Bilderchronik der Bundesrepublik

Die neue Karikaturengalerie

Mit mehr als 75.000 Blättern besitzt das Haus der Geschichte eine der größten Sammlungen von Originalkarikaturen zur deutschen Zeitgeschichte. Die Bestände werden jetzt in der Karikaturengalerie im ehemaligen Pavillon des Bundespresse-
amts, gegenüber dem Haus der Geschichte an der Willy-Brandt-Allee untergebracht.

Im Depot lagern neben Einzelblättern auch Nachlässe von Karikaturisten. Die Sammlung beherbergt Konvolute von zwölf renommierten Künstlern, die sich im Foyer der Karikaturengalerie mit Selbstportraits vorstellen. Bereits mit dem ersten Bestand kam 1989 ein Highlight ins Haus: Das Werk von Mirko Szewczuk (1919–1957), den die Londoner Times in den 1950er Jahren als den „besten Zeichner der Bundesrepublik“ feierte.

In den Ausstellungsräumen der Galerie sind Karikaturen aus der Sammlung zur Geschichte der Bundesrepublik zu sehen. Eine „Adlergalerie“ bildet den Auftakt. Das Wappentier ist ein weit verbreitetes Symbol für Deutschland. Vom Doppeladler als Metapher für die deutsche Teilung bis zum Bundesadler, der kraftvoll die Berliner Mauer durchbricht – die ausgewählten Arbeiten belegen Kontinuität und Wandlungsfähigkeit dieses Motivs sowie die Kreativität der Zeichner.

Politisches Entscheidungszentrum der Bundesrepublik war in den ersten fünf Jahrzehnten die Bundeshauptstadt Bonn. Karikaturen erinnern an die Entscheidung für Bonn 1949, die Auseinandersetzung um den Ausbau des Provisoriums in den 1950er und 1960er Jahren sowie die Bonn-Berlin-Diskussion 1991 nach der Vereinigung. Die politischen Zeichnungen werden im Schaufenster der Galerie gezeigt. So sind sie von außen sichtbar und ermöglichen den Betrachtern den direkten Bezug zum ehemaligen Regierungsviertel.

Ein Panorama deutscher Zeitgeschichte

Im Zentrum der Ausstellung steht eine Chronik der Bundesrepublik. Karikaturen kommentieren von 1949 bis 2007 Jahr für Jahr schlaglichtartig politische Ereignisse. Sie zeichnen ein Panorama deutscher Zeitgeschichte und ermöglichen auch Einblicke in Aspekte der Geschichte der Karikatur. In den ersten zwei Jahrzehnten bundesdeutscher Geschichte unter den CDU-Bundeskanzlern Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger waren Wahlkämpfe und Regierungsbildungen, Westintegration, deutsche Frage sowie die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit zentrale Themen der Karikaturisten. Neben ihrer Funktion als analytische Bildkommentare zum Zeitgeschehen stehen Karikaturen im Kalten Krieg als agitatorisch-propagandistische Bilder zwischen West und Ost. Die DDR feuerte Propagandamaterial gegen die verhasste West-Regierung mit Raketen über die Grenze. Der „Bonner Militarist“ mit Ordensspangen und Hakenkreuz war ein immer wieder angewandtes Stereotyp, um die Bundesrepublik als Erben des „Hitler-Faschismus“ zu brandmarken. Auch der Westen blieb nicht untätig und schleuste Schriften wie die Satire-Zeitschrift „Tarantel“ mit Zeichnungen gegen die „rot lackierten Faschisten“ illegal in die DDR.

Verschärfte Bildsprache

1969 begann die Ära sozialdemokratischer Bundeskanzler. Die Auseinandersetzung über Willy Brandts Entspannungspolitik wurde auch von Karikaturisten mit großer Schärfe geführt. Vor allem die Zeitungen und Zeitschriften des Springer-Konzerns und ihr Karikaturist Wolfgang Hicks attackierten die neue Regierung. Im Zuge der Studenten- und Protestbewegung kam es zu einer Verschärfung der Bildsprache und zu Tabubrüchen. Gerichte mussten immer häufiger die Grenze zwischen Pressefreiheit und Persönlichkeitsrecht ziehen.

Brandts Nachfolger Helmut Schmidt wurde häufig als Lotse karikiert, der das Staatsschiff Bundesrepublik durch unruhige Gewässer lenkt: Haushaltsdefizit und Massenarbeitslosigkeit, Wachstumsgrenzen der Wirtschaft und des Sozialstaates, Energiekrise und Umweltverschmutzung. Die Probleme der 1970er und 1980er Jahre blieben bis in die Gegenwart aktuell.

Karikatur in der Ära Kohl

Waren die Karikaturen in den 1970er Jahren vielfach kämpferisch, so gab es in den 1980er Jahren andere Ansätze: Satire diente in erster Linie der Unterhaltung, nicht der Belehrung. Die neue Puppensatire „Hurra Deutschland“ erreichte mit ihrer Gallionsfigur Bundeskanzler Helmut Kohl, der als tollpatschiger, provinzieller und träger Machtmensch karikiert wurde, hohe Einschaltquoten. Kohl als „Birne“ und Außenminister Genscher als Supermann „Genschman“ wurden Hauptdarsteller satirischer Comic-Serien.

1989 markierte der Fall der Mauer eine Zäsur. Helmut Kohl wurde zum „Kanzler der Einheit“. Die deutsche Einheit und das Zusammenwachsen der beiden deutschen Teilstaaten waren die zentralen Themen von Karikaturisten im In- und Ausland. Als mit dem Umzug von Regierung und Parlament nach Berlin 1999 die „Bonner Republik“ endete, rückte Berlin ins Visier der Karikaturisten.

Neben gezeichneten und gemalten Karikaturen sind in der Ausstellung auch „Plastikaturen“ zu sehen. Der Karikaturist Burkhard Mohr arbeitet nicht nur mit Papier und Feder. Als Bildhauer schmiedet er „Grotesken“, wobei es sich um Portraits von Angela Merkel, Gerhard Schröder, Helmut Kohl oder anderen Prominenten handelt. Die Bundeskanzler bleiben auf diese Weise im Regierungsviertel präsent.

Ulrich Op de Hipt

„Der neue Parteivorsitzende“ von Horst Haitzinger, 1963: Nach dem Rücktritt Adenauers wurde Ludwig Erhard zum Bundeskanzler gewählt. Adenauer blieb als CDU-Parteivorsitzender dominant.

 

„Tag der nationalen Einheit – Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!...“ von Manfred Oesterle, 1957: Am Tag der deutschen Einheit 1957 ist die Wiedervereinigung in weiter Ferne.

 

„Quadriga“ von Pepsch Gottscheber, 1989: Nach dem Fall der Mauer in rasantem Ritt zur Vereinigung – Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher und Theo Waigel mit dem DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière im Schlepptau

 

„... auch die plumpen Tricks der etablierten Parteien werden uns Grüne ...“ von Horst Haitzinger, 1983–1990: Aufgrund der neuen politischen Schwerpunkte der Grünen sah der Karikaturist auch die Regierungsbank „in grüner Manier“.

 

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

zum Seitenanfang