Sitemap Kontakt Impressum

 Inhalt

Übersicht  
Titel     
 Bilderchronik der
 Bundesrepublik
 Spötter vor Gericht
 "Hurra Deutschland"
Ausstellungen  
Infothek  
Ausgewählt  
Brennpunkt  
Zeitgeschichtliches Forum Leipzig  
Berlin        
Karikatur                       
Editorial                      
Termine 1/2007                
Impressum 1/2007                
Archiv                                        
 aktuelle Ausgabe                  

 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

Archiv

Titel

 

„Hurra Deutschland“

Satire in der Spaßgesellschaft

Latexschaum heißt der Satire in der Spaßgesellschaft Stoff, aus dem man Politiker macht. Ob Helmut Kohl, Gerhard Schröder oder Angela Merkel – sie alle sind nicht aus einem besonderen Holz geschnitzt, sondern aus Kunststoff gespritzt und übernahmen im Herbst 1988 erstmals Hauptrollen in der satirischen Fernsehpuppenserie „Hurra Deutschland“.

Vorbild der Sendung war die englische Fernsehsatire „Spitting Image“ (übersetzt: „wie aus dem Gesicht geschnitten“). Die Sendung kreuzte die Technologie der „Muppets“- Puppen mit einem satirischen Ansatz: Lebensgroße Figuren trugen die karikierten und plastizierten Gesichter von Prominenten und kommentierten in kurzen Sketchen das Zeitgeschehen.

Den schwarzen Humor dieser Serie, die das Inselpublikum in entzückte Fans und erklärte Feinde spaltete, übernahmen die Macher in der Bundesrepublik nicht. Sie befanden ihn als zu brutal und blutig für das deutsche Publikum. So erschien in einem Sketch der englischen Serie die damalige Premierministerin Margaret Thatcher beim Friseur mit den Worten: „Machen Sie einen Schnitt, den die Welt lieben wird“. Der Friseur zögerte nicht und schnitt ihr den Kopf ab.

Politik als Entertainment

Die deutsche Variante fiel gemäßigter aus, stimmte aber in der grundsätzlichen Zielsetzung überein. Die Satire wollte nicht belehren, sondern in erster Linie unterhalten. Privates und Skandalöses prägten die Sketche. Dabei standen die Politiker mit ihren Charaktereigenschaften, ihrer Mimik, Gestik und Sprache im Zentrum der Satire. Die Sendung spiegelte die veränderte politische Kultur dieser Zeit wider, in der medial inszenierte Emotionen und Unterhaltung immer mehr Bestandteil der Politik selbst wurden und sich die Auseinandersetzung über politische Sachverhalte auf das Urteil über Personen reduzierte. Die Personalisierung und Privatisierung der Politik, die Verbindung von Argument und Entertainment zum Politainment, fanden in der Fernsehserie ein Pendant.

Die Fernsehsatire wurde anfangs als familienfreundliche Muppets-Show mit Politikergesichtern belächelt und wegen ihres als zu seicht empfundenen Humors kritisiert. Erst als die „Hurra-Deutschland“-Puppen 1990 im politischen Magazin „ZAK“ auftraten, gewannen die Sketche an Schlagkraft und politischer Schärfe. Die Gummipolitiker wurden fester Bestandteil des Magazins und dessen Nachfolgesendung „Privatfernsehen“. Als die Sendung 1998 abgesetzt wurde, verschwanden zunächst auch die Puppen vom Bildschirm. Sie erlebten aber 2002 ein großes Comeback, als der Stimmen-Parodist Elmar Brandt die Gummipuppen in einem Videoclip zu seinem „Steuersong“ einsetzte, einer Veralberung der Schröderschen Steuerpolitik: „Gummi-Kanzler“ Gerhard Schröder wurde die Nummer eins der Hitparade.

Ulrich Op de Hipt

Helmut Kohl dominierte auch die satirischen Fernsehserien.

 

Die Hauptdarsteller der Satire-Sendung „Hurra Deutschland“: Puppen von Oskar Lafontaine, Willy Brandt, Helmut Kohl, Gerhard Stoltenberg, Hans-Jochen Vogel und Hans-Dietrich Genscher (v.l.)

 

Nahm auch am Vorentscheid zum europäischen Schlager-Grand-Prix 2003 teil: Elmar Brandt mit Puppe Schröder und seinem „Steuersong“

 

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

zum Seitenanfang