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mm Welche Erinnerungen
verbinden Sie mit den Gesprächen
im Kaukasus?
Gorbatschow Das Treffen im
Kaukasus bildete die abschließende
Etappe der Verhandlungen
zwischen der Sowjetunion
und der Bundesrepublik
Deutschland. Helmut Kohl kam
am 15. Juli 1990 an der Spitze
einer großen Delegation nach
Moskau. Wir wollten endgültig
den ganzen Fragenkomplex
abstimmen, der mit der Wiedervereinigung
Deutschlands
zusammenhing.
Am Abend desselben Tags flogen
wir in den Nordkaukasus,
meine Heimat. Die emotionale
Stimmung während der Reise
stärkte auch unsere politische
Zusammenarbeit. Zu einer
Foto-Ikone wurde die bekannte
Fotografie jener Tage: Am
Ufer des Großen Selentschuk
sitzen wir am Wasser auf großen
Baumstämmen um einen Tisch.
mm War zu jenem Zeitpunkt
irgendeine Alternative zur Vereinigung
Deutschlands und zur
Mitgliedschaft des bereits vereinigten
Deutschlands in der
NATO denkbar?
Gorbatschow Bereits nach
dem Rücktritt Erich Honeckers
hatte ich ein Gespräch mit seinem Nachfolger Egon Krenz.
Ich ging davon aus, dass die
neue Führung der SED die Situation
unter Kontrolle halten
könne und mit Reformen eine
schrittweise Annäherung der
DDR und der Bundesrepublik
möglich machen würde. Doch
die sich verschärfende politische
Situation forcierte den
Prozess. Die entscheidende
Rolle spielten die friedlichen
Massendemonstrationen in
der DDR, deren Teilnehmer
die sofortige Wiedervereinigung
verlangten. Verantwortungsvolle
Politiker konnten über diese Willensäußerung
nicht hinweghören.
Die Mitgliedschaft des vereinigten
Deutschlands in der
NATO wurde im Frühjahr 1990
ziemlich scharf diskutiert. Aus
unserer Sicht gab es verschiedene
Optionen bis hin zu einer
Neutralität Deutschlands oder zu seinem gleichzeitigen Beitritt
zur NATO und zur Organisation
Warschauer Pakt. Doch
in letzter Instanz gewährten
wir dem vereinigten Deutschland
die Souveränität; gemeinsam
mit den früheren Verbündeten
im Zweiten Weltkrieg
erkannten wir gleichzeitig sein
Recht an, Mitglied jedes möglichen
Bündnisses zu sein.
mm Haben Sie damals realisiert,
dass während der Verhandlungen
an diesem Tisch
Weltgeschichte geschrieben
wird?
Gorbatschow Ja, natürlich.
Wir begriffen, dass unsere
Anstrengungen, unsere damaligen
Entscheidungen nichts
mit Routinediplomatie zu tun
hatten. Im Kern verwirklichten
wir das, was das Leben selbst
verlangte. Für die wichtigsten
Helden der Wiedervereinigung
halte ich das deutsche
und russische Volk. Die einen äußerten nachhaltig ihren
Wunsch nach Einheit, die anderen
verhielten sich demgegenüber
verständnisvoll.
mm Wie gelangten Holztisch
und Stühle in das Haus der
Geschichte nach Bonn?
Gorbatschow Meine Frau
Raissa rief den damaligen
Führer der Republik Karatschai-Tscherkessien, Wladimir
Chubiew, an und leitete
die Bitte des Museums weiter,
zwei Stühle für die Dauerausstellung
abzugeben. Er
erklärte sich schließlich damit
einverstanden, wenn auch
ungern: Es stellte sich nämlich
heraus, dass die Mehrheit
der Touristen, die nach Karatschai-Tscherkessien
kommen,
unbedingt jenen Ort besuchen
und die malerischen Holzmöbel
sehen wollen.
Interview: Magdalena Zeller
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