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Ansichten eines Jahres

Rückblende 2007

Um die besten politischen Fotografien und Karikaturen geht es in dem seit 1995 jährlich ausgetragenen Wettbewerb „Rückblende“. Eine Auswahl der Beiträge des Jahres 2007 ist ab dem 12. März im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen.

183 Fotografen hatten dieses Mal Arbeiten eingeschickt, über 1.000 Fotografien insgesamt, dazu 310 Karikaturen; 13 Stunden saß die Jury zusammen, verteilt auf zwei Tage. Der Wettbewerb „Rückblende 2007“, der deutsche Preis für politische Fotografie und Karikatur, wird von der Landesvertretung Rheinland-Pfalz und dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger gemeinsam mit den Partnern Bundespressekonferenz, DER SPIEGEL, Fotofinder und Roland Berger Strategy Consultants veranstaltet. Das Ziel der Ausstellung ist es, die unterschiedlichen Ansichten des vergangenen politischen Jahres aufzuzeigen. Das schafft keine Karikatur, keine Fotografie für sich allein. „Wenn aber, angeregt von den Preisen des Wettbewerbs, die Elite der deutschen Bildjournalisten und Karikaturisten ihre besten Werke einsendet, dann mag genug kritische Masse zusammenkommen, um eine Ausstellung zu bestücken, die das vergangene Jahr verständig zu deuten erlaubt“, so Dr. Karl-Heinz Klär, Bevollmächtigter des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und für Europa.

Wer die zur „Rückblende 2007“ eingereichten Karikaturen und Fotos vergleicht, könnte meinen, Karikaturisten und Fotografen wohnten auf unterschiedlichen Kontinenten oder hätten zumindest ein ganz und gar anderes Jahr erlebt. Hier G-8 in Heiligendamm, Randale und Demonstrationen, Merkel und Müntefering - dort dopende Radsportler, Rauchverbot und streikende Lokomotivführer. Große Fluchten versus kleine Wahrheiten.

Bestes Beispiel dafür sind die Karikaturen des diesjährigen ersten Preisträgers Klaus Stuttmann. Da wird eine ikonographische Filmsituation mit Ulrich Mühe in „Das Leben der Anderen“ zur für jeden sofort wiedererkennbaren Folie von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und signalisiert „Teil II“ des Überwachungsstaats. Oder der rheinland-pfälzische Ministerpräsident erlebt die Metamorphose von Beck zu Marx - jede wortreiche Erklärung zur aktuellen Diskussion über die Agenda 2010 und das SPD-Parteiprogramm erübrigt sich.

Im Bereich der Fotografie bietet die „Rückblende 2007“ noch einmal die Möglichkeit, sich die großen Abschiede des Jahres vor Augen zu führen: den schnellen, kurz entschlossenen - wie im Fall von Franz Müntefering, ein letzter Auftritt vor der Bundespressekonferenz, dann in den Wagen und weg. Und den endlosen, der sich über Monate zu erstrecken schien, wie ihn Edmund Stoiber zelebrierte: Abschied von der Partei, den Bayern, der Welt. Das amüsanteste, und dann auch wieder entlarvendste Foto ist vielleicht Peter Kneffels Schnappschuss von Edmund Stoiber als Ehrendoktor der Universität Seoul, das der Jury einen Sonderpreis wert war.

Anja Pasquay, BDZV / Jan Fleischhauer, DER SPIEGEL

Trauer auf dem Flughafen Berlin-Tegel, als die Särge der in Afghanistan getöteten deutschen Polizisten überführt werden - der Fotograf Henning Schacht gewinnt für dieses Bild den zweiten Preis.

Wie schon 2006 zeichnet die Jury der Rückblende auch beim Wettbewerb 2007 den Cartoonisten Andreas Prüstel mit dem dritten Preis in der Kategorie politische Karikatur aus, dieses Mal für einen Beitrag zum Thema Rauchverbot.

Die letzte Rede Franz Münteferings als Vizekanzler und Bundesarbeitsminister - dritter Preisträger unter den Fotografen ist Michael Urban mit dieser Szene beim SPD-Parteitag in Hamburg am 28. Oktober 2007.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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