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Am 22. Januar 1963 unterzeichneten
Bundeskanzler
Konrad Adenauer und Staatspräsident
Charles de Gaulle
im Pariser Elysée-Palast
den deutsch-französischen
Freundschaftsvertrag. Dieser
sollte die Versöhnung der
beiden seit Jahrhunderten
rivalisierenden Nachbarn
anerkennen und das deutschfranzösische
Verhältnis von
Grund auf neu gestalten.
„Ich bin fest davon überzeugt, daß dieser
Vertrag später einmal von der Geschichtsschreibung
als eines der wichtigsten und wertvollsten
Vertragswerke der Nachkriegszeit bezeichnet
werden wird“, so Bundeskanzler Konrad
Adenauer nach der Unterzeichnung. Bis dahin
hatten hauptsächlich gegenseitige Antipathie
und Vorurteile das deutsch-französische Verhältnis
geprägt. „Ein echter deutscher Mann
mag keinen Franzen leiden, doch ihre Weine
trinkt er gern“, hatte schon Johann Wolfgang
von Goethe über die menschlich-nationale Abneigung
geurteilt.
Feindbilder
Mit den Befreiungskriegen gegen Napoleon
Anfang des 19. Jahrhunderts begannen in der
neueren Geschichte die feindlichen deutschfranzösischen
Auseinandersetzungen, die ihre
Fortsetzung in den drei großen Kriegen fanden.
Die französische Kriegserklärung an Preußen
1870, die französische Niederlage und der
Verlust Elsaß-Lothringens belasteten die Beziehungen
zwischen dem neuen Deutschen
Reich und Frankreich in der Folgezeit schwer.
Die Materialschlacht um Verdun im Ersten
Weltkrieg, das Diktat von Versailles sowie die
französisch-belgische Ruhrbesetzung in der
Weimarer Republik nährten die gegenseitigen
Feindbilder bis ins 20. Jahrhundert hinein. Im
Zweiten Weltkrieg folgten die deutsche Besetzung
Frankreichs und der Terror von Gestapo
und SS. Nach 1945 erhielt Frankreich den Status
einer Siegermacht und verfolgte in der französischen
Besatzungszone eine zumeist strenge
Demontagepolitik.
Aussöhnung
Bundeskanzler Konrad Adenauer, der die
Integration der Bundesrepublik in das politische
und ökonomische Bündnissystem des Westens
anstrebte, förderte die dafür notwendige Aussöhnung
mit Frankreich. Schon Anfang der
1950er Jahre kam es zu dem Zusammenschluss
der deutschen und französischen Kohle- und
Stahlproduktion in der Montanunion, der weitere
Abkommen folgten. Ziel dabei war es, die
künftige Europa- und Bündnispolitik des jeweiligen
Partners so weit wie möglich beeinflussen
zu können. De Gaulle und Adenauer brachten
die deutsch-französische Aussöhnung so weit
voran, dass sie am 22. Januar 1963 durch den
Elysée-Vertrag besiegelt werden konnte. Beide
Nationen verpflichteten sich zu regelmäßigen
Konsultationen und Treffen in den Bereichen
Außen-, Wirtschafts-, Verteidigungs- und Kulturpolitik.
Dieser Zwang zur Konsultation sowie
die verstärkte Kooperation in Bildung und
Jugendaustausch stellten den eigentlichen Wert
des Vertrages dar. In Folge dieser Beschlüsse
wurde 1963 das Deutsch-Französische Jugendwerk
gegründet.
Nachbarn, Politik und Menschen
Der Erfolg des Elysée-Vertrages war jedoch
trotz seiner völkerrechtlichen Form zweifelhaft,
da der Deutsche Bundestag dem Vertrag eine
Präambel voranstellte, die die Verankerung
der Bundesrepublik Deutschland in die NATO
festschrieb und damit das enge Verhältnis mit
Washington untermauerte, während de Gaulle
für eine eigenständigere Politik Europas
plädierte. Trotz dieser Differenzen wurde die
deutsch-französische Freundschaft zu einem
festen Bestandteil innerhalb der Zusammenarbeit
der EU-Mitgliedsstaaten. Heute verbindet
Frankreich und Deutschland auch außerhalb
von Politik und Wirtschaft ein dichtes Geflecht
von Beziehungen: gemeinsame Forschungsinstitute
und Hochschulen, intensiver Jugend- und
Schüleraustausch sowie mehr als 2.000 Städtepartnerschaften.
Ulrike Zander
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Der Elysée-Vertrag mit den
Unterschriften des französischen
Staatspräsidenten Charles de Gaulle,
des deutschen Bundeskanzlers
Konrad Adenauer, des französischen
Premierministers Georges Pompidou
sowie des deutschen Außenministers
Gerhard Schröder und
des französischen Außenministers
Maurice Couve de Murville
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