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Ab Ende 2009 wird das Gebäude-Ensemble des World Conference Center Bonn (WCCB)
komplett sein: Neben dem Plenarsaal des Deutschen Bundestages und dem Wasserwerk
stehen dann zusätzlich der imposante Erweiterungsbau und ein Hotel zur Verfügung.
Rund 200.000 Gäste jährlich werden erwartet.
Das World Conference Center Bonn liegt mitten im ehemaligen Regierungsviertel.
Dort, wo bis zum Umzug von Parlament und Bundesregierung die Abgeordneten tagten,
debattieren schon heute Kongressteilnehmer aus aller Welt. Der ehemalige
Plenarsaal des Deutschen Bundestages und das Wasserwerk sind die Kernstücke
des heutigen Kongresszentrums. Der Erweiterungsbau ergänzt ab 2009 das Angebot
und bietet die räumlichen und logistischen Möglichkeiten, unter anderem große
Konferenzen der Vereinten Nationen (UN) in Bonn zu organisieren. Bonn ist seit
1996 offiziell UN-Stadt, 13 Sekretariate haben im „Langen Eugen“, in
unmittelbarer Nähe zum Kongresszentrum, ihren Sitz.
Die Weichen dazu wurden im Februar 2002 gestellt: In Anwesenheit des damaligen
UN-Generalsekretärs Kofi Annan trafen die Bundesrepublik Deutschland, das Land
Nord-rhein-Westfalen und die Stadt Bonn eine „Vereinbarung über die Ansiedlung
internationaler Einrichtungen in Bonn und des IKBB (Internationales
Kongresszentrum Bundeshaus Bonn)“. Der Bund stellte der Stadt Bonn den
Plenarsaal, das Wasserwerk, die Grundstücke und 45 Millionen Euro zur Verfügung,
das Land Nordrhein-Westfalen beteiligte sich mit 35 Millionen. Die Stadt Bonn
übernahm die Trägerschaft für das Projekt.
Am 21. Dezember 2004 ging das Büro „YES architecture“ aus Graz als Sieger aus
einem sechsmonatigen Architektenwettbewerb hervor, im Herbst 2006 wurde mit den
Bauarbeiten begonnen. Die Grundsteinlegung fand am 15. Mai 2007 statt. Der
koreanisch-amerikanische Konzern „SMI Hyundai Corporation“ baut das
Internationale Kongresszentrum in Bonn, die Kosten für die Errichtung des Baus
werden auf etwa 145 Millionen Euro geschätzt.
Der Erweiterungsbau bietet Platz für 3.000 Teilnehmer, ein abtrennbarer
kleinerer Saal vergrößert das Angebot noch um weitere 700 Plätze. Ein Glasdach
überspannt das großzügige Foyer. Erweiterungsbau und der Plenarsaal mit rund
1.300 Plätzen können auch gemeinsam genutzt werden: Eine unterirdische Anbindung
an den Plenarsaal macht größere Veranstaltungen und flexible Nutzungen möglich.
Dem neuen Kongressgebäude direkt angeschlossen ist auch ein Hotel.
Die internationale Ausrichtung des WCCB, die zu erwartenden Gäste und die enge
räumliche Anbindung bieten auch dem Haus der Geschichte neue Perspektiven: Dies
könnten besondere Veranstaltungen im Begleitprogramm von Kongressen sein. Die
Dauerausstellung des Museums bietet internationalen Besuchern die Gelegenheit,
sich über die Geschichte Deutschlands nach 1945 auf interessante Art zu
informieren. Bei der Planung von Wechselausstellungen und kleineren
Präsentationen ist eine Abstimmung mit Themen großer Kongresse denkbar.
Der römische vicus
Eine Sensation brachte das Ausgrabungsteam des Rheinischen Amtes für
Bodendenkmalpflege ans Licht: Auf dem 3,7 ha großen Gelände des
WCCB-Erweiterungsbaus fand von Mai bis Oktober 2006 die größte zusammenhängende
Ausgrabung statt, die je in einem römischen vicus stattgefunden hat. Bekannt
war unter anderem aus Funden auf dem Grundstück des Hauses der Geschichte, dass
dort gegen Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus eine römische Handwerkersiedlung
lag, die das römische Legionslager auf dem heutigen Stadtgebiet Bonns mit Waren
versorgte.
Die neuen Ausgrabungen zeigen jetzt, dass auf dem Gelände des WCCB monumentale
Steinbauten gestanden haben müssen, die weit über die „Ausstattung“ eines
gewöhnlichen vicus hinausgehen. Die rund 50 Archäologinnen und Archäologen
fanden unter anderem Reste einer Badanlage und eines Tempels sowie reich
ausgestattete Gräber. Mit Unterstützung der SMI Hyundai Corporation, der Stadt
Bonn, des Landes Nordrhein-Westfalen und des Landschaftsverbandes Rheinland
konnte der Kernbereich der Badanlage erhalten werden. Dazu musste kurzfristig
die Bauplanung für das neue Kongresszentrum geändert werden, das jetzt
buchstäblich auf historischem Grund steht.
Der am Originalstandort erhaltene „Römische Keller“ im Haus der Geschichte
ergänzt auf ideale Weise die Badanlage: Kongressgäste werden damit in Zukunft
Gelegenheit haben, fußläufig zwei einmalige römische Bodendenkmäler des Bonner
vicus zu besichtigen. Dreidimensionale Exponate und Informationen zu den beiden
Bauten lassen das römische Leben in Bonn lebendig werden.
Peter Hoffmann
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