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Auf Vorschlag des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Prof. Dr. Hans-Gert
Pöttering, wird derzeit auf europäischer Ebene der Aufbau eines Hauses der
Europäischen Geschichte diskutiert. Vorab informierte er sich in Bonn über das
Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
mm Im Februar 2007 haben Sie vorgeschlagen, ein Haus der
Europäischen Geschichte zu gründen. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Pöttering Der 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen
Verträge, den wir am 25. März 2007 mit Verabschiedung der „Berliner Erklärung“
so beeindruckend begangen haben, ruft uns die fünf Jahrzehnte europäischer
Integration in Erinnerung, die unserem Kontinent Frieden, Demokratie und
Wohlstand gebracht haben. Heute sind wir in der Europäischen Union, wie es in
der Berliner Erklärung heißt, „zu unserem Glück vereint“.
Eine breite Mehrheit der europäischen Bürgerinnen und Bürger erkennt dies an und
befürwortet die Einigung Europas, weil sie Frieden und Stabilität nach
Jahrhunderten kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen den Völkern in Europa
gebracht hat, gleichzeitig aber auch wirtschaftliche Vorteile, die Sicherung von
Wohlstand und damit ein Mehr an sozialer Sicherheit.
Wir sind eine Gemeinschaft, die durch gemeinsame Werte verbunden ist, die auf
dem Recht der Freiheit und dem Respekt vor der Würde des anderen beruht.
Dennoch ist es bisher nicht ausreichend gelungen, den Bürgerinnen und Bürgern
auch ein Gefühl für unsere gemeinsamen europäischen Wurzeln und die uns
verbindende Geschichte in Europa zu vermitteln. Dies ist eine wichtige Aufgabe,
denn das Bewusstsein unserer Geschichte ist die Grundlage für die aktive
Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft. Dieses Bewusstsein gilt es gerade auch
den jungen Menschen in der Europäischen Union zu vermitteln.
Ich bin davon überzeugt, dass die Verwendung von Symbolen, Jugendwettbewerbe und
Auszeichnungen, aber auch Orte, an denen Europa konkret erfahrbar und spürbar
wird, einen unschätzbaren Beitrag leisten. Sie machen den Menschen bewusst, dass
sie mehrere zusammengehörende und sich ergänzende Schichten der Identität haben:
die regionale und nationale, aber auch eine europäische Identitätsschicht.
mm Ist der Vorschlag auf positive Resonanz gestoßen?
Pöttering In meiner Programmrede vor dem Plenum des Europäischen
Parlaments am 13. Februar 2007 habe ich angeregt, einen Ort der Erinnerung
und der Zukunft zu schaffen, in dem die Idee Europas weiter wachsen kann. Dazu
habe ich konkret den Aufbau eines „Hauses der Europäischen Geschichte“
vorgeschlagen. In diesem Haus soll unsere Erinnerung an die europäische
Geschichte und das europäische Einigungswerk gemeinsam gepflegt werden. Zugleich
soll es offen sein für die weitere Gestaltung der Identität Europas durch alle
Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union.
Nach ausführlichen Beratungen hat das Präsidium des Europäischen Parlaments
beschlossen, die Errichtung eines „Hauses der Europäischen Geschichte“
weiterzuverfolgen. Ein Sachverständigenrat aus führenden Historikern und
Museumswissenschaftlern aus verschiedenen Teilen der Europäischen Union soll nun
zunächst bis zum Sommer dieses Jahres ein Konzept dafür ausarbeiten.
mm Im September 2007 haben Sie gemeinsam mit dem Präsidium des
Europäischen Parlaments das Haus der Geschichte in Bonn besucht. Welche Eindrücke
haben Sie gewonnen?
Pöttering Ich muss gestehen, dass es mein erster Besuch in
diesem zeitgeschichtlichen Museum war. Umso mehr war ich von der lebendigen und
interessanten Präsentation der jüngeren deutschen Geschichte angetan. Auch für
die anderen Mitglieder des Präsidiums des Europäischen Parlaments war das
Erleben dieser innovativen Darstellung eine konkrete und auch neue Erfahrung.
Das haben mir viele Kollegen mehrfach bestätigt.
Der Besuch im Haus der Geschichte beeinflusst die Meinungsbildung innerhalb des
Parlaments nach meiner Einschätzung auf zweierlei Weise. Er hat die Diskussion
über die Idee, ein Haus der Europäischen Geschichte zu initiieren, zweifellos
positiv beflügelt. Zum anderen haben wir viele konkrete Anregungen mitgenommen,
die für die Entwicklung eines eigenen attraktiven Konzepts wichtig sind.
mm Was wäre mit Blick auf das geplante Haus der Europäischen
Geschichte Ihr größter Wunsch für den weiteren Verlauf Ihrer Präsidentschaft?
Pöttering Dieses Projekt ist nur in einem sehr langfristigen
Prozess zu verwirklichen. Auf der Grundlage einer konkreten Konzeption können im
Herbst 2008 die Beratungen im Europäischen Parlament geführt werden. Mein Wunsch
wäre es, dass am Ende dieses Beratungsprozesses im Frühjahr 2009 die förmliche
Billigung des Konzeptes steht. Dann kann die Phase der Umsetzung systematisch
mit dem Sammeln von Exponaten, der Entwicklung einer Ausstellung und damit
verbundener Aktivitäten angegangen werden. Mein persönliches Ziel wäre es,
dass das „Haus der Europäischen Geschichte“ vor den Wahlen zum Europäischen
Parlament im Jahre 2014 seine Tore für die Bürger öffnen könnte.
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Hans Walter Hütter (l.) führte die Mitglieder des Präsidiums des
Europäischen Parlaments bei ihrem Besuch durch die Dauerausstellung.
Transportkisten und ein schwarzer „Brezelfenster-Käfer“ aus den
1950er Jahren stehen für die Rückkehr der Bundesrepublik auf den
Weltmarkt.
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Hans-Gert Pöttering ist seit Januar 2007 Präsident des Europäischen
Parlaments.
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