Sitemap Kontakt Impressum

 Inhalt

Übersicht  
Titel     
 Der lange Weg zur Einigung
 Europa im Museum
 Europäisches
 Selbstverständnis
Ausstellungen  
Infothek  
Ausgewählt  
Brennpunkt  
Zeitgeschichtliches
Forum Leipzig  
Berlin        
                       
Karikatur                       
Editorial                      
Archiv                
Termine 1/2008                
Impressum 1/2008                
                       
                                        
 aktuelle Ausgabe                  

 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

Archiv

Titel

 

Europäisches Selbstverständnis durch Museen stärken

Interview mit Hans-Gert Pöttering

Auf Vorschlag des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering, wird derzeit auf europäischer Ebene der Aufbau eines Hauses der Europäischen Geschichte diskutiert. Vorab informierte er sich in Bonn über das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

mm Im Februar 2007 haben Sie vorgeschlagen, ein Haus der Europäischen Geschichte zu gründen. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Pöttering Der 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge, den wir am 25. März 2007 mit Verabschiedung der „Berliner Erklärung“ so beeindruckend begangen haben, ruft uns die fünf Jahrzehnte europäischer Integration in Erinnerung, die unserem Kontinent Frieden, Demokratie und Wohlstand gebracht haben. Heute sind wir in der Europäischen Union, wie es in der Berliner Erklärung heißt, „zu unserem Glück vereint“.
Eine breite Mehrheit der europäischen Bürgerinnen und Bürger erkennt dies an und befürwortet die Einigung Europas, weil sie Frieden und Stabilität nach Jahrhunderten kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen den Völkern in Europa gebracht hat, gleichzeitig aber auch wirtschaftliche Vorteile, die Sicherung von Wohlstand und damit ein Mehr an sozialer Sicherheit.
Wir sind eine Gemeinschaft, die durch gemeinsame Werte verbunden ist, die auf dem Recht der Freiheit und dem Respekt vor der Würde des anderen beruht.
Dennoch ist es bisher nicht ausreichend gelungen, den Bürgerinnen und Bürgern auch ein Gefühl für unsere gemeinsamen europäischen Wurzeln und die uns verbindende Geschichte in Europa zu vermitteln. Dies ist eine wichtige Aufgabe, denn das Bewusstsein unserer Geschichte ist die Grundlage für die aktive Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft. Dieses Bewusstsein gilt es gerade auch den jungen Menschen in der Europäischen Union zu vermitteln.
Ich bin davon überzeugt, dass die Verwendung von Symbolen, Jugendwettbewerbe und Auszeichnungen, aber auch Orte, an denen Europa konkret erfahrbar und spürbar wird, einen unschätzbaren Beitrag leisten. Sie machen den Menschen bewusst, dass sie mehrere zusammengehörende und sich ergänzende Schichten der Identität haben: die regionale und nationale, aber auch eine europäische Identitätsschicht.

mm Ist der Vorschlag auf positive Resonanz gestoßen?
Pöttering In meiner Programmrede vor dem Plenum des Europäischen Parlaments am 13. Februar 2007 habe ich angeregt, einen Ort der Erinnerung und der Zukunft zu schaffen, in dem die Idee Europas weiter wachsen kann. Dazu habe ich konkret den Aufbau eines „Hauses der Europäischen Geschichte“ vorgeschlagen. In diesem Haus soll unsere Erinnerung an die europäische Geschichte und das europäische Einigungswerk gemeinsam gepflegt werden. Zugleich soll es offen sein für die weitere Gestaltung der Identität Europas durch alle Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union.
Nach ausführlichen Beratungen hat das Präsidium des Europäischen Parlaments beschlossen, die Errichtung eines „Hauses der Europäischen Geschichte“ weiterzuverfolgen. Ein Sachverständigenrat aus führenden Historikern und Museumswissenschaftlern aus verschiedenen Teilen der Europäischen Union soll nun zunächst bis zum Sommer dieses Jahres ein Konzept dafür ausarbeiten.

mm Im September 2007 haben Sie gemeinsam mit dem Präsidium des Europäischen Parlaments das Haus der Geschichte in Bonn besucht. Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?
Pöttering Ich muss gestehen, dass es mein erster Besuch in diesem zeitgeschichtlichen Museum war. Umso mehr war ich von der lebendigen und interessanten Präsentation der jüngeren deutschen Geschichte angetan. Auch für die anderen Mitglieder des Präsidiums des Europäischen Parlaments war das Erleben dieser innovativen Darstellung eine konkrete und auch neue Erfahrung. Das haben mir viele Kollegen mehrfach bestätigt.
Der Besuch im Haus der Geschichte beeinflusst die Meinungsbildung innerhalb des Parlaments nach meiner Einschätzung auf zweierlei Weise. Er hat die Diskussion über die Idee, ein Haus der Europäischen Geschichte zu initiieren, zweifellos positiv beflügelt. Zum anderen haben wir viele konkrete Anregungen mitgenommen, die für die Entwicklung eines eigenen attraktiven Konzepts wichtig sind.

mm Was wäre mit Blick auf das geplante Haus der Europäischen Geschichte Ihr größter Wunsch für den weiteren Verlauf Ihrer Präsidentschaft?
Pöttering Dieses Projekt ist nur in einem sehr langfristigen Prozess zu verwirklichen. Auf der Grundlage einer konkreten Konzeption können im Herbst 2008 die Beratungen im Europäischen Parlament geführt werden. Mein Wunsch wäre es, dass am Ende dieses Beratungsprozesses im Frühjahr 2009 die förmliche Billigung des Konzeptes steht. Dann kann die Phase der Umsetzung systematisch mit dem Sammeln von Exponaten, der Entwicklung einer Ausstellung und damit verbundener Aktivitäten angegangen werden. Mein persönliches Ziel wäre es, dass das „Haus der Europäischen Geschichte“ vor den Wahlen zum Europäischen Parlament im Jahre 2014 seine Tore für die Bürger öffnen könnte.

Hans Walter Hütter (l.) führte die Mitglieder des Präsidiums des Europäischen Parlaments bei ihrem Besuch durch die Dauerausstellung. Transportkisten und ein schwarzer „Brezelfenster-Käfer“ aus den 1950er Jahren stehen für die Rückkehr der Bundesrepublik auf den Weltmarkt.

 

Hans-Gert Pöttering ist seit Januar 2007 Präsident des Europäischen Parlaments.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

zum Seitenanfang