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Es sind Augenblicke, Szenen
des Alltags, denen der ostdeutsche
Fotograf Roger
Melis seine Aufmerksamkeit
widmet. Eine Auswahl seiner
Arbeiten aus den Jahren
1965 bis 1989 präsentiert
nun das Zeitgeschichtliche
Forum Leipzig. Die Fotos
nehmen Bezug auf den 2007
erschienenen Bildband „In
einem stillen Land“, der das
Werk dieses bedeutenden
Repräsentanten des ostdeutschen
Fotorealismus
erstmals in einer eindrucksvollen
Zusammenschau der Öffentlichkeit vorstellt.
Prägend für Roger Melis war stets das Gefühl
des „Eingeschlossenseins, des Stillstandes
und der gesellschaftlichen Lethargie“, wie er
selbst seine Sichtweise auf das Leben in der
DDR beschrieb. 1940 in Berlin geboren, arbeitete
er nach seiner Fotografenausbildung
als wissenschaftlicher Fotograf an der Berliner
Charité, ehe er seit 1968 freiberuflich tätig war.
Obwohl Melis zeitweilig auch im Auftrag von
DDR-Magazinen fotografierte, wurden viele
seiner Aufnahmen nicht veröffentlicht und als „Müllkastenfotografie“ diffamiert.
Zu deutlich, zu ungeschminkt spiegelten sie die Wirklichkeit
im „real existierenden Sozialismus“ wider. Er
fotografierte für die Modezeitschrift „Sibylle“,
erstellte aber auch Reportagen aus der Arbeitswelt
für die „Neue Berliner Illustrierte“ und die „Wochenpost“,
die heute einen Großteil
seines Werkes ausmachen. Mit kritischem Blick porträtierte
Melis auch das Unerwünschte und
Verschwiegene, das jedoch keinen Weg in die Öffentlichkeit fand.
Bildikonen
Als eigener „Auftraggeber“ dokumentierte
er mit der Kamera den Alltag: in seiner Heimatstadt
Berlin genauso wie in der Uckermark
im Umkreis seines Wochenenddomizils.
Zu Bildikonen wurden seine Aufnahmen aus
der Künstlerszene und von prominenten Dissidenten,
darunter das Foto von Wolf Biermann
als „Preußischer Ikarus“ oder von Sarah
Kirsch auf ihren gepackten Umzugskisten. Als
er für die westdeutsche Zeitschrift „Geo“ Fotos
zu einem Text des von offizieller ostdeutscher
Seite zur „persona non grata“ erklärten Erich
Loest beisteuerte, erhielt er keine Aufträge
der DDR-Presse mehr. Verstärkt widmete sich
Melis nun der Arbeit an Buch- und Ausstellungsprojekten.
Durch sein Engagement als
Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Fotografie“ im Verband Bildender Künstler
gelang es ihm zusammen mit renommierten Kunstwissenschaftlern,
der künstlerischen Fotografie neue
Freiräume zu verschaffen.
Stille Zeugnisse
„Das Land ist still. / Die Menschen noch
immer wie tot / Still. Das Land ist still. Noch“,
dichtete Wolf Biermann angesichts des Prager
Frühlings 1968. Viel von dieser Atmosphäre
spiegelt sich in den Fotos von Roger Melis.
Trotz dieser merkwürdigen Ruhe, Resignation
und Tristesse, die Land und Leute zu lähmen
schienen, zeugen Melis Aufnahmen der „einfachen
Leute“, der Arbeiter, Angestellten und
Dorfbewohner auch von deren Widerspruchsgeist
und Selbstbewusstsein. Der Staat war
auf sie angewiesen, sie konnten sich auf ihre
soziale Absicherung verlassen. So existierte
im Alltag der DDR beides nebeneinander, wie
Roger Melis in seinem Vorwort zum Bildband
schreibt: „Das private Leben konnte laut und
lustig sein, das öffentliche lag unter einer
Dunstglocke.“
Christina Reinsch
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Kinder mit Bildern des
DDR-Staatsratsvorsitzenden
Walter Ulbricht anlässlich
der 1. Mai-Parade, Berlin 1969
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Wolf Biermann als „Preußischer Ikarus“ auf der
Weidendammer Brücke,
Berlin 1975
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„Roger Melis – In einem
stillen Land. Fotografien
aus der DDR“ 15. Februar bis 30. März
2008, Zeitgeschichtliches
Forum Leipzig, Foyer
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