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Karikaturen von Adenauer bis Schröder

"Pielerts Panorama" - pointiert mit Prädikat

Von der Teilung zur Einheit Deutschlands, von der Währungsreform zum Euro, von der Mangel- zur Überflussgesellschaft: Fünf Jahrzehnte deutscher Geschichte spiegeln sich im Werk des Karikaturisten Klaus Pielert, der dem Haus der Geschichte sein Lebenswerk - etwa 20.000 Original-Karikaturen - schenkte.

Pielert schreibt bereits mit 25 Jahren selbst Geschichte - mit Bildgeschichten: 1947 textet und zeichnet der Düsseldorfer Kunststudent mit "Bumm macht das Rennen" den ersten deutschen Comic, die erste deutsche Bildgeschichte mit Sprechblasen. Pielert erinnert sich: "Ich war damals ständiger Gast in der 'Brücke', einem englischen Kommunikationszentrum.

Wahllokomotive

Wahllokomotive

Dort lagen englische und amerikanische Zeitungen aus, die Comic-Seiten enthielten. "Diese regen ihn an, eine Kriminalgeschichte zu zeichnen, in der ein Junge in der Trümmerlandschaft der Nachkriegszeit Lebensmittelkartenfälscher, Schieber und Schwarzhändler zur Strecke bringt.

Im selben Jahr, in dem "Bumm" mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren erscheint, beginnt Pielerts Karriere als politischer Karikaturist bei der "Neuen Ruhr Zeitung". 1961 macht die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" ihm ein lukrativeres Angebot. Auch andere Zeitungen schätzen seinen Strich. In über 50 Berufsjahren entsteht zwischen 1947 und 2000 eine dichte Bildchronik deutscher Geschichte. In Pielerts Panorama finden sich alle Bundeskanzler von Adenauer bis Schröder.

Er kommentiert die deutsche Frage von der Teilung bis zur Vereinigung, die Entwicklung von der D-Mark zum Euro und gesellschaftliche Veränderungen vom Alltag in Trümmern nach Kriegsende bis zur Globalisierung.

Meist erfährt Pielert positive Reaktionen auf seine Arbeiten. Eine der wenigen Ausnahmen ist seine Übertragung der religiösen Abendmahlszene auf die politische Bühne mit Willy Brandt.

"Doch wehe dem Menschen, durch welchen er verraten
  wird!" (Lukas 22.22)

Diese Darstellung verletzt 1972 noch religiöse Gefühle. Die Zeichnung ist charakteristisch für Pielerts pointierten Stil. "Durch übertriebene Darstellung zur richtigen Vorstellung kommen" - so sein Motto. Nicht nur kunsthistorische, sondern auch geschichtliche und literarische Zitate sowie das reiche Bildrepertoire der Politik- und Alltagssprache verwendet Pielert kreativ und vielschichtig, um seine Botschaften ins Bild zu bringen.

Pielerts Spitzen erhalten 1967 das Prädikat "Spitzenklasse". Als erster Karikaturist erhält er gemeinsam mit Ernst-Maria Lang den Theodor-Wolff- Preis, der als bedeutendste Auszeichnung journalistischer Arbeit in Deutschland gilt. Kurz zuvor erkennt ihm eine Jury unter Beteiligung von Wolf Vostell und Wolfgang Neuß den ersten Preis für die beste Karikatur zur Bundestagswahl 1965 zu.
Die Karikaturensammlung des Hauses der Geschichte - mit rund 50.000 Zeichnungen eine der größten zur deutschen Nachkriegsgeschichte - kommt durch die Schenkung von Klaus Pielert in den Besitz von 50 Jahren Zeitgeschichte aus der Feder eines einzigen Künstlers.

Ulrich Op de Hipt

Ab ins Museum

Ab ins Museum



Klaus Pielert

8. April 1922
geboren in Essen
1946 / 47
Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie
1947
Politischer Karikaturist der
Neuen Ruhr Zeitung
1957
Karikaturen im Industriekurier
ab 1968 Handelsblatt
1961
Wechsel von der NRZ zur Westdeutschen
Allgemeinen Zeitung
1962
Karikaturen im Kölner Stadt-Anzeiger
1967
Theodor-Wolff-Preis
bis 2000
Arbeiten für mehrere Zeitungen

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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