2/2002

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Brennpunkt

 

Interview mit Claus Jacobi

"BILD vertritt zehn Millionen Leser"

Das Kürzel CJ prägte große Teile des deutschen Nachkriegsjournalismus. Es stand für einen Namen, der mehr als drei Jahrzehnte so unterschiedliche Blätter wie "Spiegel", "Welt am Sonntag", die "BILD"-Zeitung oder die WELT leitete. Claus Jacobi, 1927 in Hamburg geboren, gelang es immer wieder, Auflage zu machen. Zu seinen Freunden zählten die Verleger Henri Nannen und Axel Springer. Noch heute schreibt der 75-Jährige eine wöchentliche Kolumne für die BILD. Sein journalistisches Credo lautet: "Schreibt doch, was ist!"

mm Herr Jacobi, Sie schreiben jeden Samstag eine Kolumne für die BILD. Wie werden Sie das BILD-Jubiläumam 24. Juni 2002 kommentieren?

Jacobi Ich werde nicht kommentieren, ich werde gratulieren.

mm Die "BILD"-Zeitung wurde von Axel Springer auch der "Anwalt des kleinen Mannes" genannt. Wen und was vertritt sie heute?

Claus Jacobi

Claus Jacobi

Jacobi BILD vertritt zehn Millionen Menschen, die sie täglich lesen.

mm Wie hat sich die Zeitungvon 1952 bis heute verändert?

Jacobi Sie ist noch besser geworden.

mm Wie beurteilen Sie aus heutiger Sicht die journalistische Arbeitsweise der BILD in den 60er-und 70er-Jahren, die damals von Heinrich Böll, Günter Wallraff oder den Studenten kritisiert wurde?

Jacobi Die Kritik war teils berechtigt, teils unberechtigt. Ziel der Kampagne war es allerdings wohl kaum, den BILD Lesern eine schönere Zeitung zu bescheren, sondern Zeitung und Verlag zu schaden und zu schwächen.

mm BILD ist die auflagenstärkste Zeitung Europas. Mit welchen Themen und Geschichten, mit welchem journalistischen Stil erreicht man so viele Leser?

Jacobi Durch Stoffe, die die Menschen bewegen, in einer Sprache, die die Menschen verstehen.

mm Der Bundestagswahlkampf hat begonnen. Wie viel Macht besitzt BILD im Verbund mit anderen Zeitungen des Springer-Verlages, um den Ausgang zu beeinflussen?

Jacobi Es existiert kein "Verbund". Die BILD-Devise für Wahlkämpfe lautet: Wer schlechter ist, kommt schlechter weg.

mm Während Ihrer journalistischen Tätigkeiten lernten Sie Henri Nannen, Rudolf Augstein und Axel Springer kennen. Welches Verhältnis hatten Sie vor allem zu Axel Springer?

Jacobi Ein Gentleman, sagen die Engländer, ist schwer zufrieden zu stellen, aber es ist leicht ihm zu dienen. So ein Mann war Axel Springer.

mm In einem "Zeit"-Interview mit Ben Witter sagte Axel Springer, dass er jeden Morgen wie ein Hund leide, wenn er die "BILD"-Zeitung lese. Geht es Ihnen genauso?

Jacobi Das hat Axel Springer so nie gesagt.

mm Warum lesen Sie jeden Morgen die "BILD"-Zeitung?

Jacobi Nach der Wiedervereinigung meinte Rudolf Augstein: "BILD ist geworden, was es früher nicht war: eine informative Zeitung, die nicht zu lesen auch ich mir nicht erlauben könnte." Und ich mir schon gar nicht.

Interview:
Markus Stadtmüller

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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