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Schulausschluss,
Schikanen und Zuchthaus

Wanderausstellung "Widerstand und Opposition in der DDR"

Die Wanderausstellung "Widerstand und Opposition in der DDR" zeigt an prägnanten Beispielen widerständiges Verhalten in der DDR. Das museumsmagazin wird begleitend einzelne Gruppen und Bewegungen vorstellen. Den Anfang macht der Eisenberger Kreis, eine der ersten Widerstandsgruppen in der DDR. Schüler, Studenten und Lehrlinge lehnten sich Anfang der 1950er Jahre gegen eine zunehmende Sowjetisierung der DDR auf.

"Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben". Diese Devise gibt Walter Ulbricht, Statthalter Moskaus im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands, im Mai 1945 an seine Mitstreiter aus. Im Juli 1952 verkündet der Staatsratsvorsitzende den "planmäßigen Aufbau des Sozialismus": Die DDR soll noch stärker an das stalinistische System der Sowjetunion angeglichen werden.

"Wir fordern Freiheit" - mit dieser heimlich in der Nacht angebrachten Losung auf Mauern und Hauswänden protestieren Oberschüler aus dem thüringischen Eisenberg gegen die Unterdrückung in der DDR. Die Jugendlichen finden sich 1953 nach dem Schulausschluss von Mitgliedern der Jungen Gemeinde - der Jugendorganisation der evangelischen Kirchen - zusammen, um über Aktionen gegen die SED-Willkür an ihrer Schule nachzudenken. Dies ist die Geburtsstunde einer Widerstandsgruppe, die den "Arbeiter- und Bauernstaat" mit seinem repressiven System grundsätzlich ablehnt. Die "Eisenberger", denen sich auch Lehrlinge und Studenten aus dem nahe gelegenen Jena anschließen, entfernen rote Fahnen und SED-Transparente, verteilen antikommunistische Plakate und Flugblätter - immer in der Gefahr, entdeckt und hart bestraft zu werden. 1954 protestieren sie mit einem Boykottaufruf gegen die Volkskammerwahl. Ihre spektakulärste Tat ist ein Brandanschlag gegen den Schießstand der "Gesellschaft für Sport und Technik" (GST) im Januar 1956, mit dem sie gegen die bevorstehende Bildung der Nationalen Volksarmee (NVA) und die wachsende Militarisierung der Gesellschaft ein Zeichen setzen wollen. 1957 verrät ein Spitzel des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) den Widerstandszirkel, im Herbst 1958 verurteilt das Bezirksgericht Gera 24 Angeklagte zu insgesamt 114 Jahren Zuchthaus. Einigen gelingt nach der Haftentlassung die Flucht in den Westen, andere bleiben in der DDR und sind dort bis zum Zusammenbruch des Staates Bespitzelungen und Schikanen ausgesetzt. Die drei Hauptangeklagten mit den längsten Freiheitsstrafen werden von der Bundesrepublik freigekauft.

Der Eisenberger Kreis gehört zu den prägnanten Einzelbeispielen, an denen die Wanderausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig den frühen Widerstand gegen das SED-Regime in den 1940er und 1950er Jahren zeigt. Dieser Ausstellungsteil erinnert auch an den Protest bürgerlicher politischer Kräfte gegen die Vereinnahmung in der Einheitsfront, an die Auflehnung vieler Sozialdemokraten gegen die Zwangsvereinigung ihrer Partei mit der KPD zur SED, an die Empörung vieler Schüler und Studenten über die Sowjetisierung ihrer Schulen und Universitäten.

Wandparole des Eisenberger Kreises, fotografiert vom Ministerium für Staatssicherheit

Wandparole des Eisenberger Kreises, fotografiert vom Ministerium für Staatssicherheit

Sichtbarer Höhepunkt der weitverbreiteten Unzufriedenheit mit dem SED-Regime war der Aufstand vom 17. Juni 1953. Der 50. Jahrestag dieses Schlüsselereignisses in der Geschichte der DDR ist Anlass für eine Wanderausstellung, die im Laufe des Jahres 2003 an zehn Standorten in den alten und neuen Bundesländern - darunter Berlin, Köln, Magdeburg, Schwerin, Nürnberg und Frankfurt / M. - zu sehen ist.

Zum Thema:
Patrik von zur Mühlen: Der "Eisenberger Kreis".
Jugendwiderstand und Verfolgung in der DDR 1953-1958, Bonn 1995.

Vom 5. bis 25. März 2003:
Dom zu Schwerin
Öffnungszeiten:
Täglich 10-17 Uhr,
Eintritt frei
> dom@kirche-schwerin.de
www.kirche-schwerin.de/dom

Vom 2. bis 29. April 2003:
Schlossbergmuseum Chemnitz
Öffnungszeiten:
Di-Fr 11-16 Uhr
Sa, So, Feiertags 11-17 Uhr
> www.schlossbergmuseum.de

Vom 14. Mai bis 3. Juni 2003:
Historisches Rathaus Jena
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 9-18 Uhr
Eintritt frei

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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