2/2003

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"Früher Brückenschlag"

Interview mit Niels Hansen

Niels Hansen war 37 Jahre lang im diplomatischen Dienst der Bundesrepublik u. a. als Generalkonsul in New York, Gesandter bei der UNO und als Leiter des Planungsstabs des Auswärtigen Amts. Zwischen 1981 und 1985 setzte sich der studierte Jurist als Botschafter in Israel für die Aussöhnung der beiden Länder ein. Erst kürzlich erschien sein Buch "Aus dem Schatten der Katastrophe. Die deutsch-israelischen Beziehungen in der Ära Konrad Adenauer und David Ben Gurion".

mm Was hat Sie an den Anfängen der deutsch-israelischen Beziehungen nach 1945 so fasziniert, dass Sie darüber ein wissenschaftliches Werk geschrieben haben?

Hansen Der frühe Brückenschlag über den tiefen Abgrund nach allem, was in der Zeit des Nationalsozialismus passiert war, ist eines der faszinierendsten Kapitel der Nachkriegsgeschichte. Zum 50. Jahrestag des Luxemburger Vertrags sollte Bilanz gezogen und die Forschung auf den neuesten Stand gebracht werden.

mm Was war für Sie an den Persönlichkeiten Konrad Adenauer und David Ben Gurion besonders attraktiv? Waren beide sich in bestimmter Hinsicht ähnlich?

Hansen Sie ähnelten sich nicht zuletzt in der Verbindung von unbeirrbarer Grundsatztreue und politischem Pragmatismus, von Moral und Staatsräson.

mm Welche Bedeutung messen Sie Adenauer und Ben Gurion für das Zustandekommen des Luxemburger Abkommens bei?

Hansen Sie spielten eine entscheidende Rolle. Ohne Ben Gurion wäre es - angesichts des Widerstands der israelischen Bevölkerung - so frühzeitig kaum zu Verhandlungen gekommen, und ohne die finanzielle Risikobereitschaft Adenauers hätten sie nicht so erfolgreich abgeschlossen werden können. Der Kanzler hat die Vertragsratifizierung dann gegen massive arabische Einschüchterungsversuche unbeugsam durchgesetzt.

mm Welche besonderen Hindernisse und Probleme gab es, dass erst 1965 diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel aufgenommen wurden?

Hansen Auf deutscher Seite hätte man gerne bereits anlässlich des Vertragsabschlusses 1952 / 53 Botschafter ausgetauscht, doch war das für die Israelis noch zu früh. Als diese 1956 die Formalisierung wünschten, schien Bonn unter den arabischen Drohungen, dann Ost-Berlin anzuerkennen, das Risiko im Lichte des Alleinvertretungsanspruchs für Gesamtdeutschland zu groß.

mm In welchen Bereichen hatten sich bereits Kontakte zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel entwickelt, bevor die diplomatischen Beziehungen aufgenommen wurden?

Hansen Hier sind vorrangig die Rüstungszusammenarbeit und die Einräumung zinsgünstiger deutscher Kredite zu nennen.

mm Was hat Sie zu Ihrer Zeit als Botschafter in Israel am nachhaltigsten beeindruckt?

Hansen Neben vielem anderen, dass sich Deutsche und Israelis in manchem so ähnlich sind, etwa in Unternehmungsgeist, Strebsamkeit, Beharrlichkeit und Tüchtigkeit.

Interview:
Barbara Langer

Niels Hansen
"Aus dem Schatten der Katastrophe.
Die deutsch-israelischen Beziehungen in der Ära Konrad Adenauer und David Ben Gurion"
Mit einem Geleitwort von Shimon Peres
Droste Verlag 2002, 891 S., 49,80 €

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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