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40 Jahre Zweites Deutsches Fernsehen
Das Urteil war gefällt, der
Staatsvertrag unterzeichnet,
der Intendant gewählt. Am
1. April 1963 war es soweit:
Das Zweite Deutsche
Fernsehen (ZDF) ging das
erste Mal auf Sendung.
Vorausgegangen war ein langer Streit
zwischen der Regierung Adenauer und den
Vertretern der Bundesländer, den im Februar
1961 schließlich das Bundesverfassungsgericht
(BVerfG) entschied: Die Länder hatten gegen
die Gründung der Deutschland-Fernseh-GmbH
protestiert, die die Bundesregierung
als Privatunternehmen ins Leben gerufen hatte.
Das Gericht hielt die Sorge der Länder vor
bundesstaatlicher Kontrolle für berechtigt. Die
Gründung des Privatunternehmens wurde für
rechtswidrig erklärt und die Kompetenzverteilung
im Rundfunk eindeutig festgelegt: die
Sendetechnik fällt in den Kompetenzbereich
des Bundes, Organisations- und Programmfragen
sind Ländersache. Dieses Urteil bildete
die Grundlage für den Staatsvertrag über die
Gründung des ZDF. Bereits 1950 hatten sich
die Landesrundfunkanstalten zur ARD zusammengeschlossen.
Das ZDF wollte sich von diesem
föderal strukturierten Sender abgrenzen,
indem es ein bundesweit einheitliches, zentral
organisiertes Programm anbot.
Seit das ZDF 1967 von der Funkausstellung
in Berlin das erste Farbfernsehprogramm ausstrahlte,
hat sich viel getan. Heute ist der Sender,
der 3.600 feste Mitarbeiter beschäftigt,
aus der deutschen Medienlandschaft nicht
mehr wegzudenken. ARD und ZDF entwickelten
eine intensive Zusammenarbeit. Gemeinsam
starteten sie 1980 die ersten Videotext-Feldversuche, strahlen seit 1981 ein
bundesweites Vormittagsprogramm aus und
tragen seit 1997 die Programme Kinderkanal
und Phoenix.
Auch auf internationaler Ebene kooperiert
das ZDF mit anderen Sendern: 1984 schlossen
ZDF, Österreichischer Rundfunk und Schweizerische
Radio- und Fernsehgesellschaft einen
Vertrag über ein gemeinsames Satellitenprogramm,
das seitdem von Mainz aus als 3sat
ausgestrahlt wird. 1992 nahm der deutsch-französische
Kulturkanal ARTE den Sendebetrieb
auf. Die internationale Ausrichtung
zeigt sich auch in den 18 Auslandsstudios, die
neben dem Sendezentrum Mainz, dem Hauptstadtstudio
und den anderen 16 Inlandstudios
nach und nach aufgebaut wurden.
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Doch das ZDF musste auch Rückschläge
einstecken, besonders als 1984 private Rundfunkanbieter
auf den Markt drängten. Sie
beendeten die Monopolsstellung der öffentlich-rechtlichen
Sender und stellten vorübergehend
deren Finanzierung in Frage: Vielen schien die
Gebührenpflicht nicht berechtigt und die alten
Sender überflüssig. Das BVerfG entschied
jedoch, dass die öffentlich-rechtlichen Sender
nötig seien, um eine neutrale Grundversorgung
der Zuschauer zu sichern. Das Gesetz
schreibt einen Funktionsauftrag für die öffentlich-rechtlichen
Sender vor mit einer ausgewogenen
Mischung aus Informations-, Bildungs-
und Unterhaltungsprogramm.
Die Konkurrenz unter den Sendern wurde
härter, Einschaltquoten zu einem immer wichtigeren
Kriterium der Programmgestaltung.
Pay-TV und neue Medien stellten weitere Herausforderungen
dar. Auch die jüngste Intendantenwahl
verlief nicht ohne Probleme. Nach
mehreren erfolglosen Wahlgängen forderten
verärgerte Beteiligte eine Änderung des Wahlverfahrens.
Der Einfluss der Politik auf die
Wahl wurde als zu groß bemängelt. Zum
Nachfolger von Dieter Stolte, der 20 Jahre Intendant
des Senders war, wurde schließlich
der ZDF-Programmdirektor Markus Schächter
gewählt. Er vertritt nun einen der bedeutendsten
deutschen Fernsehsender - mit immerhin
40-jähriger Geschichte.
Livia Loosen |