Sitemap Kontakt Impressum

 Inhalt

 Übersicht                                 
 Titel                                            
 Ausstellungen                        
 Partnermuseen                     
 Infothek                                       
 Fritz Fend und seine
 Flitzer
 Gemeinsam auf dem
 Trottoir
 Fundgrube für
 Mauerspringer
 Virtuell im Raum
 Das Portal und seine
 Resonanz
 Kurzmeldungen
 Brennpunkt                             
 Zeitgeschichtliches
 Forum Leipzig                         
 Das Historische Rezept        
 Editorial 2/2003                       
 Termine 2/2003                      
 Impressum 2/2003                
 Kontakt                
 Archiv                                        
 aktuelle Ausgabe                  

 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

Archiv

Infothek

 

Fritz Fend und seine Flitzer

Der Kabinenroller wird 50

Im März 1953 wird der Messerschmitt Kabinenroller KR 175 einer staunenden Öffentlichkeit auf dem Genfer Automobilsalon erstmals präsentiert. Für weniger als 2.500 DM steht ein dreirädriges, skurril wirkendes Fahrzeug auf der Autoschau. Im Winter schützt Plexiglas die Passagiere, im Sommer wird das Innere des Fahrzeuges allerdings schnell zur Sauna.

Der Konstrukteur und sein Werk: Fritz Fend in einem seiner Kabinenroller

Zeitsprung: 40 Jahre später arbeitet der Erfinder und Konstrukteur des Messerschmitt Kabinenrollers, Fritz Fend, am "Fend 2000", ein modernes, leistungsstarkes und zugleich energiesparendes zweisitziges Fahrzeug vor allem für Pendler. Doch trotz abgeschlossener Versuche scheitert das Projekt - die anfangs interessierte Automobilindustrie hält das Auto für zu futuristisch. Im November 2000 stirbt Fritz Fend 80-jährig in Regensburg. Sein Traum vom modernen Kabinenroller bleibt ein Versuchsfahrzeug.

Den Grundgedanken für das nicht verwirklichte moderne Fahrzeug hat Fritz Fend Ende des Zweiten Weltkriegs, als er beginnt, Versehrtenfahrzeuge zu konstruieren. Nach der Währungsreform entwickelt Fend hieraus seinen Dreirad-Flitzer.

In dieser Zeit halten die Verantwortlichen in den Messerschmitt-Werken in München Ausschau nach einer Möglichkeit, die Produktionshallen der Regensburger Stahl- und Metallbaugesellschaft besser zu nutzen. Fritz Fend schlägt vor, den Flitzer zu einem in dieser Zeit begehrten Kleinstfahrzeug für breite Bevölkerungskreise fortzuentwickeln und dort zu bauen.

Im Kabinenroller sitzen beide Passagiere hintereinander. Nach akrobatischem Einstieg finden im "KaRo" zwei normal gewachsene Menschen mehr schlecht als recht Platz. Um dennoch ein angenehmes Raumgefühl zu haben, entscheidet Fend sich für eine Plexiglaskuppel. So wird der Innenraum hell und freundlich. Später kommt eine Cabriolimousine hinzu, deren Textildach zurück zu rollen ist - ein frühes Cabriolet zu erschwinglichem Preis auf dem Markt der jungen Bundesrepublik.

Trotz ansehnlicher Verkaufszahlen - 1954 und 1955 werden zusammen mehr als 20.000 Fahrzeuge ausgeliefert - bleibt der durchschlagende wirtschaftliche Erfolg aus. 1956 führen finanzielle Schwierigkeiten dazu, dass das Regensburger Werk aus dem Messerschmitt- Konzern ausgegliedert wird. Gemeinsam mit einem Partner übernimmt Konstrukteur Fritz Fend 1956 die Produktionsstätte und baut dort die Autos weiter, von denen bis 1964 insgesamt mehr als 75.000 Kabinenroller im In- und Ausland verkauft werden.

Motorisiert und mobil: Werbeanzeige aus den 1950er Jahren

Der "KaRo" in der U-Bahn-Galerie im Haus der Geschichte

Auch wenn der "Schneewittchensarg" die legendären Verkaufszahlen der BMW Isetta mit 160.000 Exemplaren in der Zeit von 1955 bis 1962 nicht erreicht, bleibt er bis heute wichtiges Symbol der frühen Motorisierung in der Bundesrepublik und dokumentiert die Phase industrieller Entwicklung und Produktion, in der sich ehemalige Flugzeugkonstrukteure wie Messerschmitt und Heinkel aufgrund alliierter Verbote ersatzweise der Automobilproduktion zuwandten. Der Kabinenroller verkörpert exemplarisch auch den Übergang vom Zweirad zum vollwertigen Auto in der Zeit wirtschaftlichen Wachstums der zweiten Hälfte der 1950er Jahre.

Die Rastlosigkeit von Fritz Fend führt 1957 zu einem Kabinenroller mit vier Rädern und einem 20 PS leistenden Motor mit 500 cm³ Hubraum. Sein "Tiger", der in nur 500 Exemplaren gebaut wird, fährt damals berauschende 125 km / h schnell. Der Volkswagen erreicht in dieser Zeit mit seinem 24 PS starken Motor mit großer Mühe 115 km / h. Mit dem "Tiger" fährt Fritz Fend im August 1955 auf dem alten Hockenheimring 25 Weltrekorde.

Das Haus der Geschichte besitzt seit vielen Jahren eine Cabriolimousine des "KaRo". Dieser KR 200 mit 10 PS Leistung aus 191 cm³ Hubraum wurde am 2. Mai 1959 zugelassen, ist in erstklassigem Zustand und seit der Eröffnung des Museums 1994 in der U-Bahn- Galerie, die täglich 24 Stunden geöffnet ist, zu besichtigen.

Hans Walter Hütter

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

zum Seitenanfang