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Gemeinsam auf dem Trottoir

Festveranstaltung "40 Jahre Elysée-Vertrag"

Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle den Elysée-Vertrag, der die Aussöhnung Deutschlands und Frankreichs nach dem Zweiten Weltkrieg besiegelte. Der Vertrag strebte eine enge Zusammenarbeit in Erziehungs- und Jugendfragen, der Außenpolitik und der Verteidigung an. Das Haus der Geschichte würdigte Anfang Februar das 40-jährige Jubiläum mit einer Festveranstaltung.


Einträchtige Nachbarn: (v. l. n. r.) Helmut Kohl, Günther Nonnenmacher und Pascal Lamy auf der Festveranstaltung

Der Altkanzler war gut aufgelegt. Der Abend gehörte ihm. Über 1.800 Gäste waren ins Haus der Geschichte geströmt, um Helmut Kohl zu sehen. Neben ihm auf dem Podium: EU-Handelskommissar Pascal Lamy als Vertreter des erkrankten Jacques Delors. In der Mitte als Moderator: FAZ-Herausgeber Günther Nonnenmacher. Das Thema des Abends: Die Unterzeichnung des Elysée-Vertrags vor 40 Jahren. Für Kohl ein Anlass, die Erfolgsgeschichte der europäischen Einigung mit einem Blick in die eigene Vergangenheit zu würdigen: "Mitte der achtziger Jahre erzählte mir der damalige Oberbürgermeister von Metz, dass er 1943 das Trottoir verlassen musste, wenn ein deutscher Offizier kam. Ich habe geantwortet, dass ich 1945 in Ludwigshafen den Bürgersteig zu räumen hatte, wenn ein französischer Offizier kam. Die heutige Nähe von Frankreich und Deutschland macht eine Wiederholung derartiger Vorgänge undenkbar."

Da konnte Lamy nur zustimmen: Auch zukünftig sei der deutsch-französische Einklang wichtig für den "europäischen Motor". "Vor allem in Bezug auf die Osterweiterung der EU", ergänzte Kohl. Die Idee eines deutsch-französischen Direktoriums in einem "Kerneuropa" kritisierten beide. Sie mache in der europäischen Psychologie keinen Sinn, so Kohl. Für den Ehrenbürger Europas gilt weiterhin das Wort Thomas Manns: "Wir wollen deutsche Europäer und europäische Deutsche sein." Selbst in Bezug auf den transatlantischen Streitfall Irak funktioniere das deutsch-französische Tandem, bemerkte Kohl ironisch: "Am Ende wird sich einer davon gemacht haben und der andere bekommt die Prügel." Schließlich hätten die Franzosen die Freiheitsstatue nach New York gebracht und nicht die Deutschen. Eine Aufgabenteilung, die einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik jedoch nicht im Wege steht, glaubt Lamy. Besondere Chancen sieht er sowohl in einer europäischen Verfassung als auch in einer deutsch-französischen Wirtschaftsunion: "Dann muss Brüssel nur noch einen blauen Brief verschicken." Die Runde löste sich auf wie sie gekommen war: heiter, nicht wolkig.

Thomas Speckmann

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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