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Köpfe und Kampagnen

Bilder und Macht im 20. Jahrhundert

Ersetzen zunehmend Bilder Worte, Unterhaltung Information, Köpfe Inhalte, äußere Eindrücke Argumente, Talkshows Bundestagsdebatten? Die Ausstellung "Bilder und Macht im 20. Jahrhundert" zeigt die Entwicklung der visuellen Kommunikation zwischen Politikern und Volk und macht deutlich, dass die repräsentative Demokratie im 21. Jahrhundert vor neuen Herausforderungen steht.

"Echt, kantig, erfolgreich" - mit diesem Slogan betont Kanzlerkandidat Edmund Stoiber im Bundestagswahlkampf 2002 seine Authentizität und profiliert sich gegenüber "Medienkanzler" Gerhard Schröder, dem der Vorwurf gemacht wird, als "Staatsschauspieler" durch geschickte Inszenierungen politische Realität zu überspielen. Allerdings ist auch der "authentische Bajuware" ein Imageprodukt von Werbeberatern, das Stoibers mangelnde mediale Ausstrahlung positiv umwerten soll.

Ein Stalin-Denkmal - zentrales Exponat in der aktuellen Wechselausstellung - kam am 19. April 2004 ins Haus.

Die visuelle Darstellung von Politikern ist ein wichtiges Element, Macht zu erlangen oder zu erhalten. Das Bild gewinnt im Zeitalter der visuellen Massenmedien erheblich an Bedeutung für die Kommunikation zwischen Politikern und Wählern. Die Ausstellung beleuchtet diese Thematik in der Weimarer Republik, der nationalsozialistischen Diktatur, der DDR-Diktatur und der Bundesrepublik Deutschland. Sie nimmt damit verschiedene Systeme in den Blick und stellt dem Personenkult in den Diktaturen den Kampf der Bilder in den Demokratien gegenüber.

Weimarer Republik

In der Weimarer Republik fördern die Volkswahlen des Reichspräsidenten die Personalisierung. Im Streit um die politische Macht setzen Amtsinhaber und Kandidaten auf die Wirkung von Bild und Gegenbild. Der Sozialdemokrat Friedrich Ebert, den die Nationalversammlung zum ersten Reichspräsidenten wählt, grenzt sich von den operettenhaften Inszenierungen seines Vorgängers als Staatsoberhaupt, Kaiser Wilhelm II., ab und spiegelt mit seinem zivilen und schlichten Repräsentationsstil den neuartigen republikanischen Staatsgedanken. Sein Nachfolger, der konservative Paul von Hindenburg, knüpft dagegen an die Tradition der Kaiserzeit an und präsentiert sich auf Plakaten und in illustrierten Berichten als "Ersatzkaiser" mit Pickelhaube und Uniform.

Plakat zur Reichspräsidentenwahl 1932

Nationalsozialismus

Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 tritt der Führerstaat an die Stelle der demokratischen Republik. Die nationalsozialistische Propaganda präsentiert Hitler als charismatischen Übermenschen mit absolutem, aus seiner Person begründeten, Herrschaftsanspruch, gleichzeitig aber auch als Identifikationsfigur, als verständnisvollen Mitmenschen. Besondere Bedeutung misst die Propaganda dem neuen Medium Tonfilm zu. Dokumentarfilme wie Leni Riefenstahls "Triumph des Willens" sollen zur Vergöttlichung des Führers beitragen. Diese Scheinwelten entlarvt die Ausstellung durch einen Blick hinter die Kulissen: Gleichschaltung der Medien, die Bestrafung oppositionellen Verhaltens und die Ermordung politischer Gegner belegen den repressiven und verbrecherischen Charakter dieses totalitären Regimes. Die Hitler-Bilder werden in der Ausstellung konfrontiert mit Gegenbildern, die im Untergrund oder im Ausland entstehen und die offizielle Propaganda aufdecken, so kommentieren z. B. Filmausschnitte aus Charly Chaplins Film "Der große Diktator" von 1940 Hitlers Größenwahn.

Deutsche Demokratische Republik

Die DDR übernimmt mit dem sowjetischen Staats- und Gesellschaftssystem den stalinistischen Personenkult. Die Bildpropaganda verherrlicht den sowjetischen Diktator als genialen Fortsetzer des Erbes von Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Iljitsch Lenin. Der Stalin-Kult, die bildliche Überhöhung des "Genossen Gott" legitimiert das neue Herrschaftssystem. Die Arbeiterführer werden als "Baumeister des Sozialismus" gefeiert. Der Selbstdarstellung des SED-Regimes steht die Realität der Diktatur gegenüber: Partei und Staat steuern die Herstellung und Verbreitung von Bildern, oppositionelle Bildermacher werden verfolgt. Erst der Machtverlust der SED 1989 ermöglicht die kritische Auseinandersetzung mit den DDR-Herrschern. Plakate, Transparente und Schilder von Demonstrationen zeugen von der Abrechnung mit den ehemaligen Machthabern.

Bundesrepublik Deutschland

Personalisierung von Politik zeigt sich in der Bundesrepublik zunächst vor allem in den Wahlkämpfen. Die CDU stellt bei der Bundestagswahl 1953 erstmals den amtierenden Bundeskanzler Konrad Adenauer als Spitzenkandidaten heraus. Die Partei verwendet moderne Formen der Werbe- und Öffentlichkeitsarbeit. Inhalte statt Köpfe lautet dagegen zunächst die Maxime der größten Oppositionspartei, der SPD. Die Erfolglosigkeit dieser Strategie führt jedoch bald zu einem Kurswechsel. 1961 stellen die Sozialdemokraten erstmals mit Willy Brandt einen Kanzlerkandidaten auf. Die SPD baut - angelehnt an den Kennedy-Wahlkampf in den USA - eine ausgeprägte Imagewerbung für Brandt auf, der als jugendlicher, dynamischer Held dem alternden Adenauer gegenübergestellt wird. Die zunehmende Professionalisierung der Wahlkampfführer durch Werbeagenturen, Image- und Medienberater seit den 1960er Jahren erläutert die Ausstellung anhand mehrerer Fallbeispiele aus verschiedenen Wahlkampagnen.

Walter Ulbricht inszeniert sich als "deutscher Lenin".

Konrad Adenauer setzt auf Bewährtes.

Seit den 1960er Jahren ist das Fernsehen Leitmedium und gewinnt die herausragende Bedeutung, Politik und Politiker einem Publikum zu vermitteln. Der intime Blick der Kamera erfordert neue Techniken der Selbstdarstellung. Nonverbales Verhalten, expressive Fähigkeiten und das äußere Erscheinen werden immer wichtiger. Als private Fernsehanstalten die Medienlandschaft ergänzen, bestimmen seit Ende der 1980er Jahre zunehmend die durch kommerzielle Gesichtspunkte geprägten Aufmerksamkeitsregeln die Auftritte von Politikern. Die Entwicklung zum "Politainment" nimmt zu. Die Spitzenkandidaten müssen sich zunehmend auch in nicht-politischen Formaten, in Talkshows, Quiz- und Unterhaltungssendungen bewähren, um in der Mediendemokratie wahrgenommen zu werden.

Ulrich Op de Hipt

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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