2/2004

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Der feine Kerl mit der Bleispritze

Jerry Cotton feiert fünfzigjähriges Jubiläum

Rund 3.000 "Fälle" löste er in den letzten 50 Jahren und brachte dabei zahlreiche Drogenbosse, Psychopathen und korrupte Politiker zur Strecke. Seine "Einsatzberichte" umfassen mittlerweile 850 Millionen Exemplare, die in 19 Sprachen übersetzt wurden. Zu Jerry Cottons "Dienstjubiläum" präsentierte die Verlagsgruppe Lübbe im Haus der Geschichte die Gastausstellung "Mythen für Millionen".

"Der Kampf geht immer weiter. Das Verbrechen ruht nicht ..." So endet einer der jüngsten Romane der weltweit erfolgreichen Krimiserie "Jerry Cotton". In der ersten Ausgabe 1954 zog es einen jungen Mann ins Sündenbabel New York, wo er sich zunächst als Türsteher durchschlug, dann aber schnell beim FBI Karriere machte. Mit seinem roten Jaguar E-Type und einer Smith & Wesson ging Jerry Cotton - laut Vorankündigung des Bastei-Verlags im Jahr 1954 - mit "den Kräften eines Löwen, dem Herz eines Kindes und dem Verstand eines vernünftigen Mannes" auf Verbrecherjagd. Als damals der Verleger Gustav Lübbe das Manuskript auf den Tisch bekam, war er überzeugt, dass "auch das einfache Publikum gute und saubere Dinge" lesen will. Und der Cotton-Erfinder, Delfried Kaufmann, wollte "deutsche Träume von Amerika bedienen, nach dem Motto: Egal, wo du herkommst, du kannst es schaffen und ein feiner Kerl sein." Die Serie fiel in den 1950er Jahren auf fruchtbaren Boden. Pro Woche gingen damals rund 170.000 Exemplare über den Ladentisch, heute werden immerhin noch 40.000 wöchentlich verkauft. Und bei manchem Leser verschob sich dabei der Wirklichkeitsbezug. So musste der langjährige FBI-Chef Hoover immer wieder deutschen Serien-Fans mitteilen, dass es sich bei Jerry Cotton um einen fiktiven Spezial-Agenten handle.

Rot und blitzschnell bei der Verbrecherjagd - Cottons Jaguar E-Type im Foyer

Erste Heftausgabe von 1954

Heute hat dieser Agent bereits viele Wandlungen hinter sich. Über 180 Autoren ließen marktstrategische Erwägungen und Leserwünsche bei der Entwicklung ihrer Figur einfließen. So war Cotton Abenteurer, Dämonenjäger oder betroffener Sozialarbeiter und kämpfte gegen Rassismus, Atomschmuggel oder Kinderpornografie. Auch aktuelle politische Ereignisse wurden immer wieder verarbeitet wie die Titel "Sexskandal im Weißen Haus" oder "Unser Job in Bagdad" schon ankündigen.

Neben dem Agenten zeigte die Gastausstellung des Lübbe-Verlags noch andere populäre Romanfiguren wie den Geisterjäger John Sinclair und Dr. Stefan Frank. Zwei Wochen lang vermittelten sechs Ausstellungsbereiche die Fantasiewelten der Romane. Die nachgebaute Skyline von New York, das Sprechzimmer von Dr. Frank aus der gleichnamigen RTL-Arztserie und vor allem ein roter Jaguar E-Type sorgten dafür, dass das Thema "Populärkultur" unterhaltsam präsentiert wurde. Das hochrangig besetzte, gut besuchte Symposion am 28. April 2004 mit dem Titel "Die schwere Kunst der leichten Unterhaltung" setzte sich mit den Funktionen von Populär- und Trivialkultur auseinander. Dabei wurden der Stellenwert des "Groschenromans" in der Wissenschaft diskutiert und die triviale Gattung in der publizistischen Kritik und in der Kunst vorgestellt.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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